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Nord-Nassau

Ein Beichtvater mit eigenem Willen

Dekanat Runkel: Graf Johann Ernst beruft Johann Adam Hasslocher vor 330 Jahren zum Hofprediger nach Weilburg

Wilhelm SchmidtJohann Ernst. Sterbebucheintrag J. A. Hasslocher, dem Hofprediger des Grafen, von 9. Juni 1726: »Den 9. Juny starb der hoch Ehrwürdige Hochachtbare und Hochgelahrte Hr. Johann Adam Haaslocher, Hochgräfl. Nassau Saarbrl. Hoch Verdienter Superintend Hof Prediger und Consistorial Rath u. ward den 12. Begraben seines alters 81 jahr.«

Weilburg . Es war die Frau des Grafen, die ihn zuerst sah und womöglich auch dafür gesorgt hat, dass Johann Adam Hasslocher zum Beichtvater der Grafenfamilie in Weilburg geworden ist.

Wie muss man doch im Land der nassen Auen mit nassen Augen so viel Böses schauen!« Dieser Zweizeiler stammt nicht etwa von Wilhelm Busch, sondern von dem Weilburger Hofprediger und gräflichen Beichtvater Johann Adam Hasslocher. Vor 330 Jahren, im Herbst 1689, bezog er mit seiner Ehefrau Agathe Juliane und mindestens zwei Töchtern die neu erbaute Superintendentur in der heutigen Pfarrgasse. Die Ehefrau des Grafen Johann Ernst, Maria Polyxena, hatte Hasslocher in Frankfurt predigen hören, als der dort auf einer »Kollektenreise« für seine von den Franzosen zerstörte Heimatstadt Speyer Station gemacht hatte.

Der eigene Beichtvater der größte Kritiker

Die Weilburger Gräfin warb erfolgreich um den begabten Pfarrer, und so ernannte ihn Graf Johann Ernst zu seinem Hofprediger. Es steht außer Frage, dass der Graf nicht nur Freude an seinem Hofprediger fand, denn Hasslocher scheute sich nicht, deutliche Kritik am Regiment des Grafen zu üben. Die »nassen Augen« in dem oben erwähnten Gedicht beziehen sich nämlich auch auf die, wie es Hasslocher scheint, überzogene Bautätigkeit des Grafen in seiner Residenzstadt Weilburg.

Residenzstadt im Stil von Versailles

Der Hauptvertreter der Epoche des Absolutismus, der französische König Ludwig XIV., konnte sogar dem neuen Zeitgeist entsprechend behaupten: »Der Staat bin ich!« Er setzte in Europa Maßstäbe im Blick auf Politik, Hofhaltung, Architektur, Mode und viele andere Lebensbereiche. Dem Vorbild Frankreichs suchten viele Fürsten zu folgen – und eben auch Johann Ernst von Nassau-Weilburg. Nicht nur Schloss und Marktplatz ließ er gründlich umgestalten, auch ganze Straßen samt der anliegenden Bürgerhäuser mussten verschwinden, um einer Residenzstadt im Stil von Versailles zu weichen. Prächtige Bauten, barocke Gartenanlagen entstanden, der Tiergarten zur Versorgung der Hofküche mit Frischfleisch wurde neu angelegt. Eine technische Meisterleistung ist die Anlage, die Schloss und Gärten mit Wasser versorgte.

Prachtentfaltung ist vielen ein Dorn im Auge

Sicherlich nicht alle Bürger und Bürgerinnen der Stadt und Grafschaft waren mit diesen Umwälzungen einverstanden. Auch seinem Hofprediger Johann Adam Hasslocher war diese keine Kosten und Opfer scheuende Prachtentfaltung ein Dorn im Auge. Von Wilhelm Schmidt

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