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Nord-Nassau

Wenn die Musik durchs ganze Tal schallt

Neuhäusel

eöa / Peter BongardDie Erlösergemeinde Neuhäusel wird 50 Jahre und feiert das mit einem Gemeindefest am 1. September. Pfarrerin Lisa Tumma (von links) und das Kirchenvorstandsmitglied Brigitte Kopold, das ehemalige Kirchenvorstandsmitglied Margrit Schröder sowie Kirchenvorstandsmitglied Götz Riedel betrachten Fotos und Dokumente aus den Anfangsjahren.

Neuhäusel . In den vergangenen Jahrzehnten ist es in Neuhäusel gelungen, aus unterschiedlichen Menschen eine Gemeinde zu schaffen. Einfach war das nicht.

Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende: In und um Neuhäusel suchen viele Flüchtlinge und Vertriebene eine neue Heimat. Familien, die ihren evangelischen Glauben mit in eine katholische Region bringen. Um ihn lebendig zu halten, besuchen die Neu-Neuhäuseler die umliegenden Kirchengemeinden in Höhr-Grenzhausen, Montabaur, Bad Ems. Denn eine eigene Kirchengemeinde haben sie noch nicht. Das ändert sich erst 1969 – das Jahr, in dem die Evangelische Erlöser-Kirchengemeinde Neuhäusel offiziell aus der Taufe gehoben wird.

Ein Fest zum Geburtstag

Heute, ein halbes Jahrhundert später, feiert die Gemeinde Geburtstag und erinnert mit einem Fest am Sonntag, 1. September, ab 11 Uhr an ihre noch junge Geschichte. Eine Geschichte, die schon Ende der 1950er Jahre beginnt. 1957 mietet die Kirchengemeinde Bad Ems das katholische Gotteshaus in Neuhäusel an, damit sich die protestantischen Familien vor Ort treffen können. Erst 1969 wird aus der Filial- eine eigenständige Kirchengemeinde. Im Gründungsjahr besteht sie aus 1350 Protestanten, die in den Orten Neuhäusel, Arzbach, Eitelborn, Hillscheid, Kadenbach und Simmern leben.

Ein Pfarrer prägt die Gemeinde

Wenige Wochen später tritt der erste Pfarrer seinen Dienst in Neuhäusel an: Hans-Georg Burkhardt wird im Januar 1970 ins Amt eingeführt. Unter dessen Nachfolger Karl-Helmut Pack kauft die Gemeinde 1973 den Katholiken schließlich die Kirche für fast 70 000 Mark ab und renoviert sie umfangreich. Im März 1979 wird Eugen Senk Pfarrer, und er prägt die Gemeinde über die nächsten Jahre besonders deutlich.

Die Emotionalität der frühen Jahren

Margrit Schröder gehört damals zum Kirchenvorstand und erinnert sich noch gut an den geradlinigen Theologen: »Er war ein strenger, aber beliebter Prediger, und die Zeit unter ihm war eine sehr aktive. Wir waren ein zusammengewürfelter Haufen mit ganz viel Elan«, erzählt sie, während sie mit der heutigen Pfarrerin Lisa Tumma sowie den Kirchenvorstandsmitgliedern Brigitte Kopold und Götz Riedel Fotoalben und Aktenordner mit alten Zeitungsausschnitten wälzt. »Es war eine Zeit des Aufbruchs: Unser Kirchenvorstand hat damals Elemente ins Gemeindeleben und den Gottesdienst eingeführt, die es wohl nur bei uns gab – etwa Neuerungen bei der Konfirmation oder spezielle Abendmahlslieder.«

Das neue Miteinander

Um das neue Miteinander zu pflegen, besuchen der damalige Kirchenvorstand und der noch recht junge Posaunenchor regelmäßig die umliegenden Ortschaften. »Außerdem unternahmen wir viele gemeinsame Ausflüge und gründeten Gebetskreise. Es war für uns alle eine bewegte und bewegende Zeit«, erinnert sich Margrit Schröder. Vielleicht ist es die Emotionalität dieser frühen Jahre, die dazu führt, dass sich die Christen 1979 für den Namen »Erlösergemeinde« und nicht für die Alternativen »Paulusgemeinde« oder »Johannesgemeinde« entscheiden.

Das Fundament für die Zukunft

Neben der Ökumene spielt die Musik in Neuhäusel eine wichtige Rolle. Nicht nur wegen der 1994 in Betrieb genommenen schönen Hardt-Orgel. Sondern vor allem wegen des sehr aktiven Posaunenchores. »Das Ensemble veranstaltet zum Beispiel jeden Ostersonntag um 8 Uhr ein Osterblasen an der Kapelle in der Augst«, sagt Götz Riedel. »Wenn die Musik dann durchs ganze Tal schallt, geht einem das Herz auf.«

Von Peter Bongard/esz

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