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Süd-Nassau

Trauerfeier für tote Obdachlose

Wiesbadener Kirchengemeinden gedenken verstorbener Obdachloser

Anja Baumgart-PietschImmerhin ein paar Menschen kommen zusammen, um an die toten Obdachlosen zu erinnern.

WIESBADEN. Wenn ein Mensch stirbt und niemand um ihn trauert, ist das besonders traurig. Bei Obdachlosen ist das oft der Fall.

17 Menschen sind im vergangenen Jahr gestorben, die als Klienten der Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werks gelten konnten: Als Besucher der »Teestube« oder als Bewohner einer der Einrichtungen, die die Hilfsorganisation für Wohnungslose in Wiesbaden vorhält wie zum Beispiel das »Trockendock« für alkoholkranke Menschen.

Ihnen wurden in der ökumenischen Andacht in der Bonifatiuskirche nun Kerzen gestiftet, damit ihr Tod nicht unbeachtet bleibt. Der katholische Gemeindereferent Andreas Schuh, der evangelische Pfarrer Martin Fromme und Matthias Röhrig, Leiter der Teestube des Diakonischen Werks, hielten die Andacht. Unter den Besuchern waren viele, die das Schicksal der Wohnungslosigkeit teilen: Manche hatten ihre ganzen Habseligkeiten in Rucksäcken dabei, andere waren gezeichnet von Stürzen oder Schlägereien, mit Pflastern im Gesicht.

Kaffee und Kuchen, damit es nicht so traurig endet

Die Andacht, so Röhrig, gibt es seit 2012 in Wiesbaden. Der damalige Stadtkirchenpfarrer Jeffrey Myers hatte die Idee gehabt, einen ökumenischen Gottesdienst für verstorbene Wohnungslose zu gestalten. Er fand seither immer in der größten katholischen Kirche Wiesbadens, St. Bonifatius, statt, »diese Kirche ist einfach zentral und gut bekannt«, sagt Röhrig, der im Anschluss noch zu Kaffee und Kuchen in die nahe gelegene Teestube einlud. »Damit wir nicht so traurig auseinandergehen.« Weitere Besucher der Andacht waren haupt- und ehrenamtliche Helfer der Diakonie.

Viele Polen unter den Verstorbenen

Die Verstorbenen, deren Namen die Pfarrer verlesen, haben alle etwas gemeinsam: Alle waren Männer mittleren Alters, bis auf einen 31-Jährigen und einen 75-Jährigen. Viele Namen klingen osteuropäisch. Röhrig bestätigt später, dass es »in diesem Jahr zum großen Teil Polen waren«. Das Leben auf der Straße zehrt und lasse früh altern, weiß er.

Die Polizei gebe Bescheid, wenn jemand aus der regelmäßigen Klientel tot aufgefunden werde. Dann organisiert das Diakonische Werk die Beisetzung. »Ich muss mich schnell kümmern, damit es keine anonyme Bestattung wird«, sagt Röhrig. Es sei dann üblich, in der Teestube eine Gedenkminute für den Verstorbenen zu halten.

Von Anja Baumgart-Pietsch

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