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Oberhessen

Neubau nach dem Schreck

250 Jahre Stadtkirche in Lauterbach

esz/Jutta HeßDen Geldmangel, der während des Baus der Lauterbacher Stadtkirche herrschte, sieht man ihr heute nicht mehr an.

LAUTERBACH. Nachdem sie während eines Gottesdienstes einen riesigen Schrecken erfahren hatten, entschlossen sich die Lauterbacher, eine neue Kirche zu bauen. Die Bauzeit für das Gotteshaus war lang – und das hatte einen ganz banalen Grund.

Es klang, als ob eine Mauer einstürzte. Andere Besucher der Lauterbacher Stadtkirche erinnerte es mehr an das Geräusch schießender Gewehre. Am Vormittag des 8. August 1762 ist das mittelalterliche Gotteshaus mit Menschen angefüllt. Schon lange ist es baufällig. Aber es herrscht gerade der Siebenjährige Krieg in Europa, die Menschen haben andere Sorgen als den Neubau einer Kirche.

Aber nun, nach diesem Geräusch, glauben die Gottesdienstbesucher, die Kirche falle in sich zusammen. Bei den Männern bricht eine Panik aus, und sie drängen nach draußen. Die Frauen folgen, ein großer Tumult entsteht. Die Schulkinder beginnen zu weinen aus Angst, in dem Gedränge erdrückt zu werden.

Kein Vertrauen mehr ins Kirchengemäuer

Als die Lauterbacher sehen, dass ihre Kirche nicht einstürzt, legt sich die Aufregung im Gotteshaus. Die in dem Sakralbau Verbliebenen führen den Gottesdienst zu Ende und erhalten das Abendmahl. In der Zwischenzeit aber hat sich die Nachricht vom angeblichen Einsturz in der Stadt, die Leute laufen zusammen, wollen die zusammengebrochene Kirche sehen, die Kinder retten und die Toten zu bergen.

Sofort nach dem Vorfall untersuchen Zimmerleute die Kirche und stellen fest, dass keine Gefahr bestand. Trotzdem sind von da an Gottesdienste und Betstunden nur noch sehr schlecht besucht. Taufen feierten viele Lauterbacher lieber zu Hause. Also beauftragt das Konsortium in der Vogelsberg-Stadt die Baumeister Georg und Georg Veit Koch aus Rodach, Vater und Sohn, mit dem Neubau der Stadtkirche.

Von Kollekten allein lässt sich keine Kirche bauen

Gleich nach Ostern, am 22. April 1763, begann der Abbruch der alten Kirche. Bereits am 18. Oktober 1764 war der Rohbau fertiggestellt. Ende November begann der Lauterbacher Schieferdecker Schmitt das Kirchendach mit Schiefersteinen zu bedecken. Er arbeitete aber zu flüchtig, so dass es schon bald durchregnete. Fast ein Jahr darauf war der Turm fertig, und die Glocken läuteten zum ersten Mal, was viele Lauterbacher zum Weinen gerührt haben soll, wie der Chronist Jean Louis Tilleur schreibt.

Erst am 29. September 1768, also vor genau 250 Jahren, begannen die regelmäßigen Gottesdienste in der neuen Stadtkirche. Die lange Bauzeit hatte einen ganz banalen Grund: Geldmangel. Zwar hatten die Herren der Stadt und deren Bürger hohe Beträge gespendet. Selbst aus Frankfurt, Hamburg, Nürnberg, Wiesbaden, Hanau, Coburg und Danzig kam Kollektengeld zum Kirchenbau nach Lauterbach. Aber von Kollekten allein ließ sich auch damals schon keine Kirche bauen. Mitunter also ruhten die Bauarbeiten und wurden wieder aufgenommen, wenn wieder ein paar Gulden in der Kasse klingelten.

Von Jutta Heß

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