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Oberhessen

Dekanat Wetterau schließt Kindertagesstätte

Haus ist marode

Nils SandrisserSieht anmutig aus, ist aber bautechnisch eine tonnenschwere Last für die Kirchengemeinde: das Wellenhaus in der Friedberger Wintersteinstraße.

FRIEDBERG. Vorausgegangen war eine lange Hängepartie. Die Ankündigung, die Kita in der Wintersteinstraße zu schließen, sorgt dennoch für Aufregung.

Im Sommer ist voraussichtlich Schluss. Das Dekanat Wetterau macht zum 31. Juli die Kindertagesstätte in der Friedberger Wintersteinstraße dicht. Anfang Dezember erhielten die Eltern die Nachricht, dass es zumindest an diesem Standort nicht weitergehen wird. Denn das Haus, in dem sich die Kita befindet, ist marode. Es ist das »Wellenhaus« des Architekten Johannes Peter Hölzinger, so genannt wegen seiner fließenden Formen. Aufgrund dieser besonderen Formen ist es denkmalgeschützt, Eigentümerin ist die Kirchengemeinde Friedberg, das Dekanat ist Träger der darin befindlichen Kita.

Viele Baumängel

Das Gebäude war für die Kirchengemeinde aufgrund vieler Baumängel in der Vergangenheit steter Grund zur Sorge. Sie hatte schon im Jahr 2000 Millionenbeträge in die Sanierung des Baus gesteckt, aber um ihn fit zu machen für den weiteren Betrieb der Kita, wären weitere 1,75 Millionen Euro notwendig gewesen. Geld, das die Kirchengemeinde nicht auftreiben kann. Schon seit Jahren ist die Kirche daher im Gespräch mit der Stadt, wie es mit der Kita weitergehen könnte. Bislang allerdings ohne Ergebnis – was nach Darstellung des Dekanats auch kein Wunder ist, denn die Stadt habe sich nicht unbedingt vor Eifer überschlagen. Lange habe Funkstille geherrscht.

Dekan setzte der Stadt eine Frist

Zu den Baumängeln wie dem undichten Dach und daraus resultierenden Wasserschäden und einer ungenügenden Dämmung waren in jüngster Zeit auch Mängel an der Brandmeldeanlage hinzugekommen. Deshalb drängte das Dekanat nun, weil der Betrieb für Kinder und Beschäftigte absehbar gefährlich geworden sei. Dekan Volkhard Guth schrieb am 6. November an den Stadtrat und Kita-Dezernenten Markus Fenske (Grüne), dass das Dekanat einer Betriebsverlängerung zustimmen würde, wenn die Stadt bis Ende November ein Signal geben würde, ob es ein Ausschreibungsverfahren für eine neugebaute Kita geben würde.

Keine Antwort vom Dezernenten

»Es ging darum, Klarheit für unsere Mitarbeiterinnen und unsere Mitarbeiter zu haben, wie es ab dem Sommer 2020 weitergehen könnte«, erläutert Dekan Volkhard Guth die Beweggründe seines Schreibens. Bei einem Ausschreibungsverfahren wäre zwar nicht garantiert gewesen, dass das Dekanat nach dessen Ende weiter Träger der Kita bleibt, aber wenigstens wäre die Hängepartie beendet gewesen. Aber der Stillstand hielt an. »Auf mein Schreiben hat Herr Fenske nie geantwortet«, sagt Guth. Auch auf eine schriftliche Erinnerung am 28. November habe der Kita-Dezernent nicht reagiert.

Die Stadt widerspricht der Darstellung des Dekans

Die Stadt Friedberg widerspricht dieser Darstellung. Fenske habe Guth auf sein Schreiben geantwortet. Von einer Frist, die der Dekan gesetzt habe, wisse er nichts. Der Evangelischen Sonntags-Zeitung kündigt Fenske noch Ende Dezember an, er werde eine Stellungnahme zu den Vorgängen um die Kita im Wellenhaus abgeben. Diese Stellungnahme gibt es allerdings bislang nicht. Die Stadt prüfe nun, das Wellenhaus der Kirchengemeinde abzukaufen und selbst zu sanieren, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) bei der Stadtverordnetenversammlung Mitte Dezember. So lange liegen Pläne für einen Neubau, die es ebenfalls gibt, allerdings auf Eis.

Neue Kita entsteht in ehemaliger Kaserne

Die Kinder, die derzeit in die Kita im Wellenhaus gehen, stehen glücklicherweise nicht auf der Straße. Unmittelbar nachdem das Dekanat die Schließung öffentlich gemacht hatte, verkündete die Stadt Friedberg, dass sie die Kinder in einer Kita unterbringe, die derzeit auf einem ehemaligen US-Kasernengelände neu entsteht.

Erzieherinnen wollen beim Dekanat bleiben

Auf neue Bezugspersonen müssen sie sich aber einstellen. Zwar hat Fenske den Erzieherinnen und dem Erzieher im Wellenhaus angeboten, auch in dieser neuen Kita arbeiten zu können. Die haben aber abgelehnt. »Die Hinhaltetaktik der Stadt gegenüber uns mit ihren ständigen Veränderungen der Fristen und ihren leeren Versprechungen hat uns viel Energie gekostet und ist uns im Laufe der Jahre an die Substanz gegangen«, schreiben sie in einem Infobrief an die Eltern. Sie hätten daher kein Vertrauen in die Stadt als Arbeitgeber und wollten beim Dekanat beschäftigt bleiben. Offene Stellen für Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten gibt es ja genug.

Von Nils Sandrisser

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