Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Oberhessen

Begegnung mit den Skulpturen »ecce homo« Stephan Gubers

Ausstellung in Bad Salzhausen

esz/Stephan GuberSo wie hier stehen die Figuren in der Bad Salzhausener Kirche nicht immer zusammen (Bild 1). Ihr Schöpfer Stephan Guber stellt sie immer wieder um.

NIDDA. Die Gruppe »ecce homo« des Bildhauers Stephan Guber umfasst 17 Figuren in einer Ausstellung in der Kirche in Bad Salzhausen. Sie bewegen sich nicht, aber sie bewegen die Menschen, die ihnen begegnen.

Ecce homo – siehe, der Mensch«: Eine Äußerung, die im Johannes-Evangelium Pontius Pilatus zugeschrieben wird, dem römischen Statthalter. Der Künstler, Jahrgang 1965, hat sie titelgebend für seine ständig in einem Veränderungsprozess befindliche Arbeit gewählt. Denn für ihn ist »ecce homo« ein eigenständiges Thema in der Kunst und eine stete Auseinandersetzung mit »prinzipiellen Fragen des Menschseins«.

Es sind Frauen und Männer, denen der in Bad Nauheim geborene Künstler, der in Geiß-Nidda sein Atelier hat, Gestalt verleiht. Es sind Freunde, Kollegen, Bekannte, die ihm dafür Modell standen. Ihre Gesichtszüge hat Guber naturgetreu festgehalten, ihre Körper im Maßstab 1:1, mal in Pappelholz, mal in Eiche.

Einige Skulpturen reisen, andere sind »sitzen geblieben«

Die Anfänge des Projekts »ecce homo« reichen bis ins Jahr 2014 zurück. Damals war eine erste Skulpturengruppe in der Dankeskirche in Bad Nauheim zu sehen. Seitdem ging sie auf Reisen, war unter anderem in Stuttgart, Heilbronn und Geisenheim am Rhein zu sehen. In den vergangenen Jahren sind einige Skulpturen hinzugekommen, andere »sitzen geblieben«, wie es der Künstler nennt. Will heißen: Sie haben einen festen Platz gefunden, ob in Industriegebäuden oder Kirchen. Zum Beispiel vor der Hessischen Landesvertretung in der Bundeshauptstadt Berlin, wo fünf aus dem Projekt entstandene Skulpturen dauerhaft zu sehen sind.

In der Kirche in Bad Salzhausen stehen anstelle der Figuren normalerweise Stuhlreihen. Aber in dem lichtdurchfluteten Gotteshaus mit dem vielfarbigen Fenstermosaik hinter dem Altar bleiben zu den Gottesdiensten viele Plätze leer. So fiel die Entscheidung des Kirchenvorstands, dem ortsansässigen, mittlerweile bundesweit und international bekannten Bildhauer die Möglichkeit für eine Installation seiner Skulpturen zu geben.

Kultur ist ein guter Weg nach draußen

»Kirche muss sich öffnen, nach außen gehen«, sagt Hans-Joachim Schwarz vom Kirchenvorstand. Kultur sei dazu ein guter Weg. Rolf Hartmann muss keinen Moment überlegen, welche Skulptur ihn besonders angesprochen hat. Es ist der Mann mit der Augenbinde. Keine der anderen Figuren hat eine solche. Er steht an der Fensterseite links vom Altar. Noch. »Sie hat mich von Anfang an fasziniert«, sagt das Kirchenvorstandsmitglied. »Durch die Augenbinde, wie man sie Gefangenen umlegt, ist sie anders. Der Mann scheint abseits der Gesellschaft zu stehen. Durch die Frau an seiner Seite ist aber noch jemand da, der bei ihm ist.« Jemandem zur Seite zu stehen, sei für ihn ein »christliches Motiv«.

Der Mann mit der Augenbinde oder das Mädchen aus Lärchenholz sind bis zum ersten Advent in der Kirche zu sehen. Erstmals will der Künstler während einer Ausstellung seine Installation immer wieder – möglichst wöchentlich – neu gruppieren. Dabei jene, die mal im Abseits waren, vielleicht in die Mitte stellen. Gruppen, die sich gegenüberstanden mit dem Rücken zueinander positionieren. Das Mädchen neben dem Altar an eine andere Stelle stellen.

Herbstlaub verändert die Sicht auf die Dinge

Eine Skulpturengruppe, die im Kontext des Projekts »ecce homo« entstanden ist, ist die dreiteilige Arbeit »Lebenslauf« im Skulpturenpark des Kurortes. Sie wird sich in den nächsten Wochen nicht ändern. Ihr Umfeld allerdings schon: Steht sie doch inmitten von Bäumen, deren Laub sich bunt färben wird. Auch das kann im Betrachter die Sicht auf den Lebenslauf verändern.

Von Corinna Willführ

Die Ausstellung ist am Sonntag, 26. Oktober zum Bauernmarkt in Bad Salzhausen von 12 bis 15 Uhr geöffnet. Weitere Möglichkeiten, sich »ecce homo« anzusehen: Nach den Gottesdiensten um 17 Uhr an den Samstagen: 12., 26. Oktober und 16. November. Individuelle Terminvereinbarungen mit dem Künstler unter E-Mail kontakt@stephan-guber.de oder Telefon 01 78/7 64 25 96.

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top