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Oberhessen

UV-Strahlung setzt dem Altar in der Liebfrauenkirche in Schotten zu

Sonnenbrille für Altar

esz/Stiftung LiebfrauenkircheDie geöffneten Flügel des Altars zeigen Szenen aus dem Leben Marias.

SCHOTTEN. Langsam, aber sicher geht der Marienaltar in der Liebfrauenkirche kaputt. Schuld sind zwei Fenster im Chor der Kirche, die UV-Licht durchlassen, was Farb- und Lackschichten des Altars schlecht bekommt. Aber die Schottener wissen Abhilfe.

Elfriede MareschErwin Mengel (links) und Hans Otto Zimmermann werfen einen Blick auf die Produktbeschreibung des Restauro-Glases.

Die Schottener Liebfrauenkirche ist ein gotischer Bau und war einmal ein Wallfahrtsort. Der ganze Sakralbau ist für die Schottener Kirchengemeinde Stolz und Verantwortung zugleich – am meisten aber ist das der Marienaltar, der in der Kirche steht.

Denn das gute Stück ist geschätzt 640 Jahre alt. Ein unbekannter Meister hat es im späten Mittelalter angefertigt – um das Jahr 1380, vermuten Kunsthistoriker. Der Tafelaltar mit zwei Flügeln zeigt auf der inneren Festtagsseite 16 Szenen des Marienlebens.

Neue Fenster haben ihren Preis

Doch der Prachtaltar geht langsam kaputt. Ultraviolettes Licht zerstört Farbpigmente und lässt Lackschichten abblättern. Malschichten bekommen Risse und platzen schließlich ab. Das Problem sind zwei Seitenfenster im Chor der Liebfrauenkirche aus klaren mundgeblasenen Glasscheiben in kreisförmiger Bleifassung. Sie lassen das UV-Licht nahezu ungefiltert auf den Altar knallen. Maria braucht also eine Sonnenbrille.

Diese Sonnenbrille soll die Firma Derix Glasstudios aus Taunusstein liefern. Sie stellt zwei neue Chorfenster für die Liebfrauenkirche her – ganz in der alten Optik, aber mit Schutzfaktor. Die haben natürlich ihren Preis – die Kirchengemeinde rechnet mit rund 35 000 Euro.

Erfahrung mit unerwarteten Sanierungsaufgaben

Mit solchen Situationen haben die Schottener Erfahrung. Bereits öfter standen sie vor unerwarteten Sanierungsaufgaben. So wollte man vor einigen Jahren mit der Innenrenovierung der Kirche beginnen, als sich massive Schäden am Dachgestühl des großen Turmes herausstellten. Eine äußerst aufwendige Sanierung begann, die die Gemeinde vor große finanzielle Aufgaben stellte und erst 2018 abgeschlossen werden konnte. Als sehr hilfreich erwies sich dabei die 2007 gegründete Stiftung Liebfrauenkirche. Spenden von Bürgern wie von Firmen, Geldinstituten, dem regionalen Energieversorger flossen teils auf das Kirchengemeinde-, teils auf das Stiftungskonto. So konnten mit Stiftungsmitteln die Sanierung des Turmhahns und die Gestaltung der Uhren finanziert werden, weitere Mittel flossen in Arbeiten am Glockenstuhl. »Dafür konnten wir immerhin 32 000 Euro einbringen«, erinnert sich Stiftungsaktivist Erwin Mengel.

Fensterglas mit integriertem Schutzfilter

Mit Hilfe von Stiftungsmitteln wollen die Schottener auch ihr Fensterproblem lösen. Sehr nützlich erwies sich dabei ein Hinweis von Hans Stock, einem der Stiftung sehr verbundenen Schottener Künstler und Pädagogen. Er hatte Informationen, dass die Glashütte Lamberts in Waldsassen ein klares Glas mit integriertem Schutzfilter produziert. Ultraviolette und infrarote Strahlen können dieses sogenannte Restauro-Glas nicht durchdringen. Mit diesem Glas wird die Firma Derix Glasstudios zwei neue Chorfenster für die Liebfrauenkirche herstellen.

Einst war der Altar als »biblia pauporum« gedacht, also als »Bibel für Arme« für die Gemeindemitglieder, denen Schriftliches nicht zugänglich war. »Auch heute spricht die ›erzählende‹ Malerei des Altars die etwa 1200 auswärtigen Kirchenbesucher pro Jahr an«, berichten die ehrenamtlichen Kirchenführerinnen, die in den Sommermonaten täglich von 15.30 Uhr bis 16.30 in der Kirche sind.

Von Elfriede Maresch

Kirchengemeinde und Liebfrauenstiftung sind dankbar für Spenden auf die Konten mit den IBANDE50 5185 0079 0027 0125 07 (Sparkasse Oberhessen) und DE52 5066 1639 0001 6444 75 (Volksbank Main-Kinzig-Büdingen).

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