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Rhein-Main

Mehr als eine Seite im Geschichtsbuch

Kindertransporte

Doris Stickler»Rettet wenigstens die Kinder« heißt das Buch von Angelika Rieber.

Frankfurt . Die Schrecken des Nationalsozialismus sind vielen Jugendlichen heute weit entfernt. Angelika Rieber hat es sich zur Aufgabe gemacht, den nachfolgenden Generationen die Geschichten der Menschen der damaligen Zeit näherzubringen.

Ihre Töchter und Söhne einem ungewissen Schicksal anzuvertrauen, muss die Eltern unsägliche Kämpfe und Überwindung gekostet haben. Nach den Novemberpogromen 1938 sahen sie jedoch keine andere Wahl, waren getrieben von dem Wunsch: »Rettet wenigstens die Kinder«. Dank einer beispiellosen Hilfsaktion konnten bis zum Kriegsbeginn 1939 tatsächlich etwa 20 000 Mädchen und Jungen den Fängen der Nazis entkommen. Die Hälfte von ihnen nahm Großbritannien auf.

Angelika Rieber macht sich auf die Suche

Wer an den Kindertransporten beteiligt war und wie es den Kindern erging, rückt nur selten in den Blick der Öffentlichkeit. Die Vorsitzende des Vereins »Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt«, Angelika Rieber, und die frühere Leiterin der Anne-Frank-Schule, Till Lieberz-Groß, haben jetzt ein Buch herausgegeben, das dieses Kapitel des Nationalsozialismus aus regionaler Perspektive beleuchtet.

Der Kindheit, Familie und Freunde beraubt

Es zeichnet die Lebenswege von Frankfurter Kindern nach, die gerettet, zugleich aber auch ihrer Kindheit, Familie und Freunde beraubt worden sind. Wie der 16-jährige Sohn des angesehenen Komponisten Siegfried Würzburger, der im August 1939 mit dem letzten Kindertransport nach London gelangte. War der musikalisch hochbegabte Karl-Robert zuvor auf dem besten Weg, Opernsänger zu werden, schlug er sich dort erst als »houseboy« in einer Pension, dann als Zuschneide-Lehrling bei einem Uniformhersteller durch.

Berührende Schicksale

Als er 1941 von der Deportation seiner Eltern und seines Bruders ins KZ erfuhr, ging Karl-Robert zur englischen Armee und nannte sich fortan Kenneth Ward. Einer Panzerdivision angehörend, kämpfte er 1944 in der Normandie gegen die deutschen Truppen. In seinen letzten Lebensjahren kehrte Ward im Rahmen der Besuchsprogramme wiederholt in die Stadt seiner Geburt zurück. Hierbei lernte er Angelika Rieber und Waltraud Giesen kennen, die nicht allein seine Geschichte festgehalten haben.

Angelika Rieber und Till Lieberz-Groß (Herausgeberinnen): »Rettet wenigstens die Kinder. Kindertransporte aus Frankfurt am Main – Lebenswege von geretteten Kindern«; Fachhochschulverlag Frankfurt 2018; 304 Seiten;25 Euro

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