Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Rhein-Main

Wie halten die Religionen von Reichen, wie Dagobert Duck?

Geld

Getty ImagesEs regnet Gold.

Frankfurt. Dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gelangt als ein Reicher in den Himmel, haben die meisten Christen schon gehört. Doch wie es die anderen Religionen mit dem Reichtum halten, wissen sie oft nicht. Die Reihe »Heilige Texte« will aufklären.

Doris Stickler Es regnet Gold. Der Traum vieler Menschen. Doch ist Reichtum wirklich ein Segen oder nicht allzu oft eher ein Fluch? Darüber sprechen Andreas Klein (von links), Gabriela Schlick-Bamberger und Saber Ben Neticha.

Wenn es um Reichtum geht, gebührt Dagobert Duck zweifellos der Spitzenplatz. Woher sein Vermögen stammt, wurde zwar nie ganz geklärt. Fest steht jedoch, dass er Unsummen hortet und im Geld schwimmt. Den Eindruck eines glücklichen Wesens macht er allerdings nicht. Von Gier und panischer Verlustangst getrieben, verortet ihn wohl niemand »Auf der Sonnenseite des Lebens«.

Reichtum bringt nicht immer Segen

Unter diesem Titel nahm die Reihe »Heilige Texte« das Thema Reichtum ins Visier, bei der der Griesgram aus Entenhausen einiges für das eigene Wohlergehen hätte lernen können. Wie sich zeigte, bringt Reichtum um des Reichtums willen nämlich keinen Segen. Er entpuppt sich im Gegenteil nicht selten als Fluch. Darin sind sich Judentum, Christentum und Islam einig. Für Gabriela Schlick-Bamberger von der jüdischen Gemeinde Frankfurt verknüpft die Tora nicht ohne Grund »Reichtum stets mit der Verpflichtung zum Geben«. Wenn man sich daran halte, sei gegen den Besitz eines großen Vermögens nichts einzuwenden.

»Reichtum darf kein Selbstzweck sein«

Da es immer Arme und Reiche geben wird, fordere die hebräische Bibel an vielen Stellen auf, den Notleidenden zu helfen. Bauern sei zum Beispiel aufgetragen, die Ecken ihrer Äcker sowie die Nachernte den Bedürftigen zu überlassen. Derlei Geboten sollen daran erinnern: »Reichtum darf kein Selbstzweck sein.« In diesem Zusammenhang wies die Leiterin der Religionsschule Jeschurun auf die Tradition des Stiftens hin.

Geld macht das Leben angenehmer

Die Schriften würden Reichtum allerdings nicht nur verdammen, räumte der Hoffnungsgemeindepfarrer Andreas Klein ein. Es gebe auch viele Gleichnisse, die vor Augen führten, dass man »mit Geld etwas Gutes und Konstruktives machen kann«. Nicht von ungefähr werde bei Geld von Talenten gesprochen. Zudem seien Jesus und seine Jünger auf die Unterstützung und Gastfreundschaft begüterter Menschen angewiesen gewesen.

Reichtum hat zwei Gesichter

Dass Reichtum zwei Gesichter hat und sich als Habgier oder Freigiebigkeit äußern kann, wird auch im Koran thematisiert. Für Saber Ben Neticha, Vorstandsmitglied im Rat der Religionen und ehemaliger Fußballprofi, steht außer Frage: »Geld zu besitzen ist eine natürliche Neigung des Menschen, weil es das Leben angenehmer macht.« Daher sei es sinnvoll, die Konsequenzen des Umgangs ins Bewusstsein zu rücken. In dieser Hinsicht sehe er »enorme Parallelen zu Judentum und Christentum«. Von Doris Stickler

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top