Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Rheinhessen

Geld hilft nicht immer

Binger Konfirmanden erleben Armut in ihrer Heimatstadt

eöa/Hilke WiegersPfarrerin Tanja Brinkhaus-Bauer zeigt den Konfis Reichtum und Armut.

BINGEN. In einer Herberge für Wohnungslose lernen Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass Vorurteile nicht angebracht sind. Und sie erkennen, was Armut lindern kann.

Vor einem Supermarkt stehen Konfirmandinnen und Konfirmanden und rätseln. Sie sollen Essen einkaufen. Aber jede und jeder von ihnen hat nur einen Euro. Solidarität lindert Armut, finden die Jugendlichen schnell heraus: Sie legen ihre Euros zusammen und kaufen Nudeln, Soße, Milch und Grieß.

Gemeinsam mit Teamern und Pfarrerin Tanja Brinkhaus-Bauer haben die Konfis der Binger Christuskirchengemeinde eine Fahrt durch ihre Heimatstadt unternommen, dorthin, wo man Armut sehen kann. Denn mit harten sozialen Gegensätzen sind die jungen Leute eher selten konfrontiert.

Vorurteile sind nicht angebracht

Die Herberge Bingen, eine Einrichtung der Caritas, bietet Obdachlosen einen Platz zum Übernachten, eine Küche, ein Bad und eine Waschmaschine. Ein älterer Mann erzählte von seinem Werdegang. Er habe nämlich einmal eine gute Arbeit mit ordentlichem Verdienst gehabt. Trotzdem ist er auf der Straße gelandet. Mittlerweile lebe er wieder in einer Wohnung, komme aber dennoch gerne weiter in den Tagesaufenthalt der Herberge. Vorurteile über Obdachlose, so lautet die Lektion für die Konfis, sind also nicht angebracht und meist falsch.

»Diese Begegnung tut beiden Seiten gut«, resümierte Pfarrerin Brinkhaus-Bauer, die das Gespräch moderierte. »Ich glaube, Gott hat mich so gelenkt«, bemerkte einer der wohnungslosen Männer in der Herberge. »Ich habe die Höhen und die Tiefen des Lebens kennengelernt.«

Ehrenamtliches Engagement ist nötig

Geld allein hilft betroffenen Menschen auch nicht immer. Sascha Horn, der Leiter der Herberge, und Wolfgang Schiwek von der Ökumenischen Nichtsesshaftenhilfe Bingen berichteten den jungen Leuten, dass eine große Portion ehrenamtliches Engagement notwendig sei, um dieses Haus und seine Angebote aufrechtzuerhalten.

Zurück vom Ausflug gab es Essen aus dem, was die Konfis gekauft hatten. Von dem Euro, den jeder zur Verfügung gehabt hatte, wurden nicht nur alle satt, es war auch lecker. Und einen großen Topf Grießbrei zum Nachtisch gab es obendrein. Nur auf der Straße hätte das mit dem Kochen nicht geklappt. Dort gibt es ja keinen Herd.

Von Hilke Wiegers

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top