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Rheinhessen

Lindwürmer gibt es nicht

Katholikin Andrea Nahles

Foto: David ZerfaßFür alle ist es eine Premiere – für Ilona Klemens (von links), Eva Diel, Andrea Nahles und Marcus Held.

MAINZ. Zur Premiere des Formats »Chat in the Church« kommt die SPD-Bundesvorsitzende und bekennende Katholikin auf das rote Sofa. Dort verrät sie, was das Konzept der Nächstenliebe für sie bedeutet und was sie von der Idee eines Religionsunterrichts für alle Konfessionen hält.

Vorurteile gegen angeblich erzkonservative katholische Kleriker kommen bei Andrea Nahles nicht gut an. »Och Leute, bitte!«, sagt die SPD-Bundesvorsitzende, als das Thema aufkommt. »Aber ich verstehe schon, das ist das Feuer, an dem ihr euch wärmt. Ich finde aber, dass meine katholische Kirche gerade in den letzten Jahren sehr viel liberaler geworden ist.«

Die Katholikin Nahles ist hier unter Protestanten. Sie ist zu einem offenen Austausch über ihren Glauben und das Spannungsfeld Politik und Glaube, mit dem sie tagtäglich jongliert, in die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) in Mainz gekommen. Flankiert von der Theologiestudentin Eva Diel und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Marcus Held sitzt sie dort auf dem roten Sofa. Das Format »Chat in the Church. Rotes Sofa meets …« feiert mit Nahles seine Premiere. »Haben Sie Geduld, das ist auch für uns ein ganz neues Projekt«, eröffnet die ESG-Pfarrerin Ilona Klemens den Abend.

Mit geöffnetem Kanal ist man auch verletzlich

Zu Beginn stellt Nahles klar: »Die SPD wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Meine Eltern sind erst acht Jahre nach mir in die SPD eingetreten, nach langen und schwierigen Diskussionen. Aber das war nie schwer für mich. Das Konzept der Nächstenliebe war für mich schon immer etwas Soziales.« Sie habe stets versucht, durch ihr Christsein offen zu bleiben »und nie zuzumachen«, berichtet die Politikerin. Doch mit diesem stets geöffneten Kanal falle es ihr oft schwer, nicht verletzt zu werden. »Ich stehe seit meinem 21. Lebensjahr auf der Bühne und habe immer versucht, nicht zynisch zu werden«, sagt sie.

Auch zum Sinken der Mitgliederzahlen der Kirchen äußerte sie sich: »Ich mache mir tatsächlich große Sorgen, denn das ist aktuell eine absterbende Gemeinschaft.« Ihre Tochter sei acht Jahre alt und gehe jetzt zur Kommunion. »Wie kann ich denn meine Tochter mit acht Jahren in eine so stark schrumpfende Gemeinde entlassen? Denn für mich gehört zum Christsein Gemeinschaft dazu. Ich kann nicht alleine Christ sein!«.

Irgendwann sind Frauen auch Priesterinnen

Sie nimmt zu Unterschieden zwischen Katholiken und Protestanten Stellung: »Irgendwann werden wir das auch hinbekommen mit den Frauen als Priestern, ganz sicher. Aber eine Weltkirche ist einfach nicht so leicht zu reformieren.« Immerhin habe der Papst erst vor einigen Jahren festgestellt, dass es keine Lindwürmer gebe.

Von Ideen, Glaubensinhalte in einer Art Völkerkunde vermitteln zu wollen, halte sie gar nichts. »Dieses ›Lirum, larum Löffelstiel, alles in einen Topf‹, da bin ich völlig dagegen«, lehnt sie ab. Gerade im Dialog mit anderen Religionen, wenn es darum gehe, Muslime ihren Glauben in Deutschland leben zu lassen, oder bei Flüchtlingsinitiativen ginge das aus einem starken Christentum heraus am besten.

David Zerfaß

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