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Rheinhessen

Leon profitiert von inklusiver Betreuung

Trisomie 21

ZORNHEIM. Christine Engling arbeitet als Integrationsfachkraft im Familien unterstützenden Dienst der Nieder-Ramstädter Diakonie. Zurzeit begleitet die Sozialarbeiterin zwei Kinder im katholischen Kindergarten »Haus der Großen-Kleinen-Leute« in Zornheim. Wie ihre Arbeit dort aussieht, beschreibt Engling anhand eines Arbeitstags.

Foto: esz/privatInklusive Erziehung hat einige Besonderheiten, auf die Sozialarbeiterin Christine Egling achtet.

Es ist noch vor acht Uhr morgens und freudestrahlend werde ich von den Kindern der Gruppe 1 begrüßt: »Schön, dass du da bist.« Hier am Frühstückstisch in der »Kleinen Altersmischung« herrscht ein warmes Miteinander. Auch der kleine Leon (Name geändert), drei Jahre alt, gehört zu der Gruppe. Schon seit mehr als einem Jahr besucht der Junge mit Trisomie 21 die Zornheimer Kita. Auch er trinkt und isst das, was Mama oder Papa für ihn eingepackt haben. Manchmal möchte Leon am liebsten auch noch den Inhalt seiner zweiten Brotdose essen. Die ist aber erst für den Nachmittag bestimmt.

Nach dem Frühstück spielt Leon am liebsten erst mal für sich allein. Das ist sein Ritual, um anzukommen. Wenn er etwas braucht, das er alleine nicht erreichen kann, holt er mich oder eine Erzieherin zu Hilfe. Leon verständigt sich mit Mimik und Gebärden, denn er kann noch nicht sprechen. Die 15-köpfige Gruppe profitiert davon, denn durch Leon und mich lernen auch sie die gebärdenunterstützte Kommunikation. Inzwischen beherrschen sie fast alle und verstehen so auch Leons Anliegen.

Natürlich und unbeschwert

Ich finde es schön zu sehen, wie natürlich und unbeschwert die anderen Kinder mit Leon umgehen. Seine Hörgeräte nennen sie Ohrringe, und wenn er sie hin und wieder herausnimmt und samt seiner Brille liegen lässt, passen sie gut darauf auf und bringen sie zu mir. Das passiert aber immer seltener. Wenn eine Erzieherin mit Leon arbeitet, kann ich dafür mit den anderen Kindern spielen oder ein kreatives Angebot machen.

Auch mit Leons Eltern bin ich regelmäßig im Gespräch. Wie entwickelt er sich? Welche Fortschritte macht er? Welche Schwierigkeiten tauchen im Alltag auf? Um meine Arbeit für sie transparent zu machen, dokumentiere ich täglich. Ich erstelle Zielpläne, schreibe Entwicklungsprotokolle und verfasse einmal im Jahr einen Teilhabeplan. Die beste Förderung für ihr Kind zu erreichen, ist den Eltern wichtig. »Wir wünschen uns für Leon, dass er sich hier in der Kita gut weiterentwickelt, sich angenommen und wohl fühlt und am Kindergartenalltag teilhaben kann«, sagen sie.

Leon lässt sich nicht ablenken

Zu Leons Unterstützung in der Kita gehören auch kleinere Sequenzen der sogenannten Frühförderung. Diese machen wir meist mitten im Getümmel der Großgruppe. Leon hat mit der Zeit gelernt, sich nicht ablenken zu lassen und lässt es gerne zu, dass auch die anderen Kinder von seinem Lernmaterial profitieren und die für ihn so schönen und interessanten Spiele mitmachen.

Da für Leon ein Alltag mit festen und sich wiederholenden Ritualen wichtig ist, weiß er auch, dass wir nach einer ausgiebigen Spielphase im Gruppenraum nach draußen gehen. Meistens gehe ich mit Leon schon etwas früher zur Garderobe. Dann hat er genügend Platz und Zeit, kann gut beim An- und Ausziehen mitmachen und seine Sachen wegräumen. Das ist besonders wichtig, um eingeübte Handlungsabläufe zu festigen und Leon zur Selbstständigkeit zu führen.

Anfängliche Scheu abgelegt

Wieder im Haus zurück, bilden wir mit allen den Singkreis – Leons absolute Hauptattraktion am Vormittag. Er liebt Musik, Lieder und Fingerspiele und gebärdet fleißig mit. Die anderen gucken oft zu ihm oder mir, wenn sie die Gebärden vergessen haben und machen dann wieder weiter. Zum Mittagessen sitzen wir alle wieder gemeinsam am Tisch. Die anfängliche Scheu vor neuen Speisen hat Leon inzwischen abgelegt und er isst mit Appetit. Wer will, bekommt auch einen Nachschlag. Leon weiß das und gebärdet, dass es ihm gut schmeckt und er noch mehr haben möchte.

Einige Kinder werden nach dem Mittagessen abgeholt. Leon bleibt, wie die meisten aus seiner Gruppe, bis zum Nachmittag. Deshalb schläft er auch dort. Wenn er mal gar nicht müde ist, gehen wir in den Nebenraum. Das ist dann eine gute Zeit, entweder um noch einmal intensiv miteinander zu arbeiten oder für kleinere Aufträge wie Spielsachen sortieren und wegräumen. Manchmal gehen wir auch ins große Haus, zu den anderen Gruppen mit den Drei- bis Sechsjährigen. Wir besuchen dann am liebsten Merle (Name geändert), die seine Patin sein wird, wenn er bald in die Gruppe der Älteren wechselt. Merle und Leon kennen sich schon länger. Leon mag Merle sehr, das macht vieles leichter für ihn, denn die Umgewöhnung in die große Gruppe wird ein großer Schritt für ihn sein.

Christine Egling

Der Artikel erschien zuerst im Magazin »NRD bewegt!«

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