Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Starkenburg

Skulpturenzyklus und Hör-Performance

Kinder in der Wiege

eöa/Rebecca KellerEva-Gesine Wegner (links) und Andrea Bauer zeigen Fotos der Skulpturen aus Alabaster, die die Schicksale der toten Kinder nahebringen.

DARMSTADT. Zum internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust erinnern die Bildhauerin Eva-Gesine Wegner und die Darmstädter Andreasgemeinde an die Kinder, die in die erbarmungslose Tötungsmaschine der Nazis gerieten.

Als sie das Wiegenlied hörte, habe sie »nur noch heulen können«, erzählt Eva-Gesine Wegner. Vor mehr als sieben Jahren war sie zu Besuch in einer Gedenkstätte für Kinder im israelischen Yad Vashem gewesen. Beim Gang durch eine Höhle hörte sie dort mit den anderen Besucherinnen und Besuchern die Namen ermordeter Kinder, ihr Alter und ihre Herkunftsländer. Und sie hörte dieses Wiegenlied eines jüdischen Jungen, 1943 geschrieben. »Das ist mein Jahrgang«, sagt die Künstlerin. »Ich darf leben, und diese Kinder nicht.«

Widmung an die im Holocaust ermordeten Kinder

»Wiege des Erinnerns« heißt eine Veranstaltung, zu der die Andreasgemeinde in Darmstadt einlädt. Zwischen dem 25. und dem 27. Januar ist ein Skulpturenzyklus Wagners im Gottesdienstraum der Gemeinde zu sehen, dazu erleben Besucherinnen und Besucher eine Hör-Performance. Die Bildhauerin widmet ihre »Wiege des Erinnerns« dem Gedenken an die 1,5 Millionen im Holocaust ermordeten jüdischen Kinder.

»Platz der Achtung« mit elf Stelen

Bereits seit 2010 beschäftigt sich Wegner mit dem Thema. In Rimbach, nahe ihrem früheren Wohnort im Odenwald, schuf sie in Zusammenarbeit mit zwei örtlichen Schulen einen »Platz der Achtung« mit elf Stelen, der an die Kinder der Kindertransporte nach England erinnerte und am 6. Juni 2015 eingeweiht wurde. Den Impuls, für das Gedenken einen Ort zu schaffen, den ersten in Deutschland, gab Ruth David, die selbst bei den Kindertransporten dabei war. Die Familie von Ruth David lud Wegner schließlich nach Israel ein.

Zyklus aus Alabaster-Steinen

Zurück in der Heimat habe sie zunächst nicht vorgehabt, das Thema künstlerisch aufzugreifen. Doch dann hatte sie einen blauen Alabaster in ihrer Werkstatt. Sie erkannte dessen Wiegenform und hatte den Eindruck: »Die Kinder wollen noch einmal gewiegt werden.« Wegner bearbeitete noch weitere Alabaster-Steine, und der Zyklus »Wiege des Erinnerns« mit neun unterschiedlich großen Skulpturen mit Kinder-Gesichtern war geboren. Dazu schuf sie eine Performance aus Hörszenen mit Erlebnissen aus Israel und von der Entstehung der Skulpturen sowie aus jiddischen Wiegenliedern.

Kontakt zur Pfarrerin ebnet den Weg zur Veranstaltung

Andrea Bauer, die frühere Pfarrerin der Andreasgemeinde, sowie ihre Nachfolgerin Karin Böhmer kennen Wegner schon lange. Gemeinsam entschieden Wegner, Bauer und Böhmer, die Veranstaltung in der Andreasgemeinde rund um den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar zu legen.

Von Rebecca Keller

Skulpturenzyklus und Hör-Performance sind zu erleben in der Paul Wagner-Straße 70 am 25. und 26. Januar, jeweils um 17 Uhr, sowie am 27. Januar um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Auch beim Gottesdienst am 26. Januar um 10 Uhr stehen die Kunstwerke im Mittelpunkt.

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top