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Hauptursachen sind hausgemacht

Zu: »Jeder Austritt schmerzt«; Evangelische Sonntags-Zeitung Nr. 30 vom 28. Juli 2019.

Kirchenpräsident Jung äußert sich betroffen über den Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen. Ratlos und hilflos mit dem Rücken zur Wand – so die daraus resultierende Situationsbeschreibung. Bei näherer Betrachtung hat diese Entwicklung ihre Gründe. Viele Repräsentanten der Kirche – die Bezeichnung »Pfarrer« möchte ich an dieser Stelle nicht bemühen – haben das Zuhören, das Hinhören, das Auf-andere-Menschen-Zugehen, das Gespür für Entwicklungen und vieles andere mehr nicht nur verlernt, sondern sind augenscheinlich auch nicht mehr dazu bereit, diese ureigenen Aufgabenfelder der Kirchen zu pflegen und zu betreuen. Wo man Gemeindeleben noch vorfindet, hat es Diasporacharakter. Dort sind Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Seelsorgerinnen und Seelsorger in ihren Gemeinden tätig, deren Arbeits- und Aufgabenpensum oft über die vorgegebenen Arbeitszeiten hinausgehen. Die Vorbildfunktionen fehlen, die Glaubwürdigkeit wird oft arg strapaziert, es wird über die Köpfe hinweg gepredigt. Jeder Sportverein kümmert sich um seine Mitglieder mehr als Kirche vor Ort. Wer es wagt, daran Kritik zu üben, auf Unzulänglichkeiten hinzuweisen, der kann sich auf die Reaktion der Amtskirche verlassen. Damit bleibt die nächste Kirchenbank auch leer. Ohne Frage haben gesellschaftliche Veränderungen, insbesondere die innerhalb einer übersatten Gesellschaft, Auswirkungen auf Mitgliederzahlen und Kirchenbesuche. Die Hauptursachen sind meiner Meinung nach hausgemacht. Wer ehrliche Antworten auf die beklagte Situation haben will, der muss Fragen stellen, zuallererst bei den Alleingelassenen, die sich in ihrer Not von der Kirche abwenden, und das unter Umständen mit der Bestätigung, dass es niemanden vom Sessel reißt.

Karl Richard Huff; Friesenheim

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