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»Minimalismus ist noch keine Freiheit«

Zu: »Der langsame Abschied vom Sonntag«; Evangelische Sonntags-Zeitung Nr. 133, vom 18. August 2019.

Natürlich hat in vielen Gemeinden leider längst eingesetzt, was die EKD-Studie vorsichtig andeutet. Längst gibt es Gemeinden (...), wo es fast nur noch Events gibt, die mehr Konzert- oder Aufführungscharakter haben als Gottesdienst sind. Dann sind die Kirchen gut gefüllt mit Konzertpublikum (...). Die Programmpunkte, die von der »Altarbühne« kommen, werden beklatscht. Der Sonntagsgottesdienst fällt dann natürlich aus. Ob das Freiheit ist, wage ich zu bezweifeln. Denn die Gemeindemitglieder, die diesen Weg nicht mitgehen wollen, müssen sich einen anderen Kirchort aussuchen. Ich glaube, der mögliche Reichtum eines Sonntagsgottesdienstes, der mich etwas angeht, ist noch gar nicht gehoben. Warum ist der Gottesdienst oft eine One-Man- oder One-Woman-Show der Pfarrerin oder des Pfarrers? Ist das nicht ein Klerikalismus, den wir gar nicht wollen? Fürbitten, Lesung, Begrüßung, das alles können die Gemeindemitglieder, die Konfirmanden auch tun. Warum feiern wir so selten das Festmahl, das uns Christus hinterlassen hat (...)? Typisch evangelischer Minimalismus? Luther wollte, dass mindestens zweimal pro Jahr Abendmahl gefeiert wird. Und oft ist es so, dass daraus ein »höchstens« wurde. »Jeden Sonntag Ostern feiern.« Auch das soll passé sein? Der Sonntagsgottesdienst lediglich als Selbstvergewisserung erscheint mir auch ein bisschen dürftig. Wenn wir ihn so feiern, ist es dringend an der Zeit, dass wir die Möglichkeiten nutzen, das Fest so zu feiern, dass es uns unbedingt angeht. Ich möchte in einer lebendigen Kirche zum Anfassen leben, nicht in einer virtuellen, die sich in aller Freiheit erlaubt, den Ast, auf dem sie sitzt, selbst abzusägen. An den Personalressourcen kann es jedenfalls (noch) nicht liegen.

Tobias Burkey; Wiesbaden

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