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Predigttext anders deuten

Zu: »Unsensible Wahl des Predigttextes« (Leserzuschriften); Evangelische Sonntags-Zeitung Nr. 43 vom 27. Oktober 2019.

Unsere neue Perikopenordnung sieht mehr alttestamentliche Predigttexte vor: »Gott sei Dank, endlich« sagt hier ein Ruhestandspfarrer. Freilich, Texte wollen übersetzt werden – von einem Ufer zum anderen. Das ist sehr viel, aber letztlich fruchtbringende Arbeit. Der Leserbriefschreiber durfte das offenkundig nicht erfahren: Er bleibt bei der vordergründigen Sicht stehen, dass das Buch Josua die kriegerische Einnahme von Kanaan durch israelitische Stämme erzählt. In der Tat haben auch Christen über Jahrhunderte gemeint, kriegerische Vereinnahmungen seien mit dem Gebot des Ewigen in Übereinstimmung. Und noch heute gibt es offenbar Theologen/innen, die meinen, Israel habe in einer Blutorgie die Kanaaniter vernichtet. Dann ist für Predigthörer/innen die Wahl für den 17. nach Trinitatis natürlich – zumal auf dem Hintergrund des aktuellen Kriegseinsatzes in Nordsyrien – nicht nachvollziehbar! Längst haben archäologische Entdeckungen diese Sicht zerstört: Zur Zeit der sogenannten »Landnahme« waren die Städte Jericho u. u. u. schon Jahrzehnte/Jahrhunderte nicht mehr bewohnt. Längst ist unter ernsthaften Alttestamentlern klar, dass Bilder und Erzählfiguren in den sogenannten »Geschichtsbüchern« (im hebräischen Kanon zählt Josua deshalb zu den prophetischen Büchern!) ein Mittel ihrer Entstehungszeit sind, um Macht und Autorität des Ewigen zu zeigen. Ich hoffe, Ehepaar Weller aus Alpenrod kann mit dem großartigen Text um die Dirne Rachab im Buch Josua jetzt noch mal anders umgehen.

Peter Kratz Pfarrer i.R.; Wiesbaden

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