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Sehnsucht nach Muße und Besinnung

Zu: »Der langsame Abschied vom Sonntag«; Evangelische Sonntags-Zeitung Nr. 33 vom 18. August 2019.

Gerade komme ich aus dem Gottesdienst. Bei der Begrüßung erklärt mir eine ältere Frau, wie wichtig ihr der Gottesdienst ist. Sie sei sehr engagiert in mehreren Bereichen, und hier fände sie eine Kraftquelle. Das scheint die Beobachtung, dass der Gottesdienst sonntags vor allem »für ehrenamtliche und hochverbundene Kirchenmitglieder« sei, zu bestätigen. Aber ich sehe diese Dame nur ab und zu, wie auch andere Gottesdienstbesucher, jüngere und ältere. Es ist Realität, dass bei den vielfältigen Bezügen und Verpflichtungen, die Menschen haben, der kontinuierliche Besuch nicht die Regel ist. Aber offenbar gibt es die Sehnsucht nach Muße, Besinnung, Gemeinschaft, Vergewisserung, danach, Impulse für das eigene Leben zu erhalten. Ist das nicht der Kern christlicher Existenz? Ist das gering zu schätzen? Und ist »Attraktivität« jetzt ein Name Gottes? Die Empfehlung geht dahin, das kontinuierliche Gottesdienstangebot sonntags zu überprüfen. Ist daran gedacht, es zu reduzieren? Es in die Woche zu verlegen? Wird das die Besuchszahlen erhöhen? Immerhin finde ich beachtenswert, dass die Besuchsquote seit Jahrzehnten(!), trotz Mitgliederschwund, stabil geblieben ist! (...) Mir fällt ein Ereignis ein, von dem Christian Führer schreibt: In der Nikolaikirche in Leipzig kamen kaum noch Menschen zum Montagsgebet (vor der Wende). Man dachte an eine Einstellung. Da bat eine Frau Pfarrer Führer dringend, daran festzuhalten, es sei so wichtig, um die Hoffnung nicht zu verlieren. Man blieb dran! Sich vom kontinuierlichen Sonntagsgottesdienst zu verabschieden, hieße doch auch, den Weg frei zu machen für sieben Tage die Woche 24 Stunden täglich shoppen zu können!

Ich zitiere Dorothea Wendebourg aus einem Interview in Publik Forum Nr. 11/2019: »Bei Paulus heißt es: Gleicht euch nicht dieser Welt an! Wir leben dasselbe Leben wie alle anderen. Wir wollen dazu beitragen, dass dieses Leben so gut wie möglich gelingt, aber wir haben dazu etwas Eigenes zu sagen, gewissermaßen die Botschaft einer dritten Dimension.« (...)

Hannelore Schulz; Darmstadt

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