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Streit beim Heimatfest

Ärger um den Mohren

esz / Grenzgangsverein BiedenkopfAlle sieben Jahre wird zum Grenzgangsfest in Biedenkopf ein weißer Mann tiefschwarz geschminkt. Unser Archivbild von 2012 zeigt den Mohr (hinten), die beiden Wettläufer sowie einen schwarzen Gast.

Biedenkopf. Der Grenzgang in Biedenkopf ist ein Riesenfest, bei dem jeder mitmacht. Einer der Repräsentanten ist ein »Mohr«, meist ein schwarz angemalter Weißer. Dieses »Blackfacing« wird von vielen Menschen als rassistisch angesehen.

Alle sieben Jahre herrscht in Biedenkopf Ausnahmezustand: Tausende Menschen kommen in die mittelhessische Kleinstadt, um den Grenzgang zu feiern. Bei dem Heimatfest wandern sie an mehreren Tagen die Stadtgrenze ab. Doch an dem Volksfest, das vom 15. bis zum 17. August stattfindet, entzündet sich Kritik: Eine der Hauptfiguren des Spektakels ist ein »Mohr«, ein im Gesicht schwarz angemalter Weißer.

Negatives verbinden

Den Stein ins Rollen gebracht hat Shérif Korodowou, Integrationsbeauftragter der Stadt Marburg und Mitglied im Ausländerbeirat. Der Begriff »Mohr« sei diskriminierend, sagte er auf hessenschau.de. Noch immer würden viele Menschen Negatives mit schwarzer Hautfarbe verbinden, etwa Angst vorm schwarzen Mann, Unreinheit oder Gefahr.

Figur bekannt seit 1809

Kritik am Mohren sei erstmals vor sieben Jahren aufgekommen, berichtet der Vorsitzende des Grenzgangsvereins, Uwe Funk. Die Figur gebe es seit 1809. »Er ist einer der höchsten Repräsentanten unseres Festes und ist durchweg positiv zu sehen.« Der Mohr, ausgestattet mit Uniform und Säbel, bildet mit zwei »Wettläufern« ein Team. Funk wehrt sich dagegen, als rassistisch dargestellt zu werden. Schon 1991 habe ein Schwarzer den Mohren gemimt, regelmäßig übernähmen Biedenkopfer mit Migrationshintergrund Ämter beim Grenzgang. »Der Grenzgang in Biedenkopf trägt stark zur Integration der Neubürger bei.«

Ursprünge in den Grenzstreitigkeiten

Die Ursprünge des Festes liegen in Grenzstreitigkeiten mit den Nachbargemeinden. Im 17. Jahrhundert ordnete eine Landgräfin deshalb regelmäßige Grenzbegehungen an. Seit 1839 feiern die Bürger den Grenzgang als Fest.

Weiße malen sich schwarz an

Wenn sich weiße Menschen als Schwarze anmalen, wird das »Blackfacing« genannt – und heutzutage als rassistisch kritisiert. Diskussionen gab es zum Beispiel schon um den »Südend-Neger« beim Rosenmontagsumzug in Fulda. »Blackfacing« entstand im 19. Jahrhundert in den »Minstrel Shows« in den USA, bei denen schwarzbemalte, weiße Darsteller das Klischee eines naiven, singenden, immer lustigen Schwarzen karikierten.Der Mohr tritt auch in dem Roman »Grenzgang« des aus Biedenkopfer Schriftstellers Stephan Thome auf. »So gut ich das Unbehagen am Symbolgehalt der Figur – und an der Bezeichnung Mohr – nachvollziehen kann, in der Praxis des Festes sehe ich davon nichts«, sagt Thome.

Idee des fröhlichen Heimatfestes

Funk wünscht sich, dass der Grenzgang ein »fröhliches und friedliches Heimatfest« bleibt. »Wir sind nicht politisch und überhaupt nicht rassistisch.« Auf Facebook schreibt ein Nutzer: »Grenzgang soll Grenzgang bleiben, so wie wir ihn kennen und lieben.« Stephan Thome sagt: »Meine Hoffnung wäre, dass jemand, der als Schwarzer den Biedenkopfer Grenzgang mitfeiert, im Verlauf der drei Tage die Erfahrung macht, dass er dort willkommen ist und sich wohlfühlt – auch angesichts einer auf den ersten Blick irritierenden Kostümierung.«

Von Stefanie Walter epd

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