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Reisegruppe entdeckt den Oman

Baden mit T-Shirt

Dagmar HinterlangDie Reisenden auf einem Dhau, einem traditionellen Holzschiff.

GIESSEN. Im Oman ist eine Variante des Islam vorherrschend, die außerhalb des Landes fast gar nicht vorkommt. Auch sonst hat das Land mit viel Außergewöhnlichem aufzuwarten.

Im Oman regnet es nie. Das stimmt zwar nicht, denn im Südwesten gibt es mit dem Dhofar eine Region, die vom Monsunregen profitiert. Im restlichen Oman regnet es aber so selten, dass Regentropfen etwas ganz Besonderes sind. Entsprechend verwundert reagierten die Reisenden aus Oberhessen, als sie in einen Schauer gerieten. Eine Gruppe aus dem Landkreis Gießen war unter der Leitung von Pfarrer Bernd Apel in dem Land im Südosten der Arabischen Halbinsel unterwegs.

Ibaditen gibt es fast nur im Oman

Der Oman, etwas kleiner als Deutschland, ist umgeben vom Persischen Golf und vom Indischen Ozean. 80 Prozent des Landes sind Wüste. Die meisten der knapp viereinhalb Millionen Einwohner leben im Küstenstreifen, mehr als eine Million in der Hauptstadt Maskat.

Staatsreligion ist der Islam. Rund drei Viertel der Omanis gehören zur moderat konservativen Richtung der Ibaditen, die es außerhalb des Omans kaum gibt. Am 23. Juli 1970 begann im Oman eine neue Zeitrechnung. An diesem Tag übernahm Sultan Qabus ibn Said in einer unblutigen Palastrevolte die Macht von seinem Vater, Sultan Said bin Taimur. Der Sohn modernisierte das Land, wobei ihm das viele Öl, das im Boden liegt, gute Dienste tat.

Nach dem Studium zurück zu den Eltern

Anders als die Wirtschaft hat Qabus das politische System bislang nicht in gleichem Maße geöffnet, der Oman ist eine absolute Monarchie. Der Sultan war verheiratet, blieb aber kinderlos. Die Nachfolge des 79-Jährigen soll deshalb ein Neffe antreten.

Wegen der Arbeitslosigkeit ziehen viele junge Menschen im Oman nach dem Studium erst einmal zurück zu ihren Eltern. Laut Gesetz dürfen omanische Männer bis zu vier Ehefrauen haben. Das ist erlaubt, »aber teuer«, wie Tourguide Hedi etwas salopp formuliert. Jede Frau müsse gleichberechtigt behandelt werden. Immerhin ist es nicht allzu schwer, ein Haus für eine große Familie zu bauen: Jeder Omani bekommt im Alter von 21 Jahren ein Stück Land in seinem Geburtsort geschenkt.

Ausländer stellen die Mehrheit der Bevölkerung

»Jeder Omani« – das bedeutet, dass die Mehrzahl der Menschen im Oman nicht von solchen Segnungen profitiert. Denn rund 60 Prozent der Bevölkerung sind sogenannte Besucher – Gastarbeiter aus Indien, Bangladesh oder Sri Lanka. Sie arbeiten beim Straßenbau, in der Gastronomie und beim Bau der traditionellen Holzschiffe, der Dhaus. Auf einer Dhau-Werft trifft die Gruppe Ceri, einen Arbeiter aus Kerala in Südindien. Ceri arbeitet schon seit 35 Jahren hier. Alle zwei Jahre darf er für sechs Monate in seine Heimat reisen, zu Frau und Kindern. Die Gastarbeiter erhalten Zweijahresverträge. Wird der Vertrag nicht verlängert, muss der »Besucher« das Land sofort verlassen.

Ein Abend am Lagerfeuer lädt dazu ein, über den Monotheismus als »Religion aus der Wüste« nachzudenken. Judentum, Christentum und Islam sind nach Apels Worten verbunden mit »Propheten, die ihre Wüstenerfahrungen gemacht haben«. Moses, Jesus und Mohammed sind mehrfach in der Wüste gewesen. Das Bekenntnis »Allahu akbar«, übersetzt »Gott ist groß« wird im Westen oft mit islamistischem Terror verbunden. Es besagt aber auch: Gott ist größer als jede Religion – keine Religion darf behaupten, dass sie allein die Wahrheit ge pachtet hat.

Von Dagmar Hinterlang

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