Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Leporello im Gutenbergmuseum

Bibel vom Dachboden

Foto: Nicole Weisheit-ZenzAnnette Ludwig (von links), Martin Wiedmann und Marianne Grosse mit der Gold-Ausgabe der ‧Wiedmann-Bibel.

MAINZ. Niemand ahnte, was der Künstler Willy Wiedmann über 16 Jahre hinweg erschuf. Sein Sohn Martin entdeckte die Wiedmann-Bibel zufällig. Die enorme Kreativität des Vaters habe auch Schattenseiten gehabt, sagt Martin Wiedmann im Gutenbergmuseum.

Ein Buch mit nur einer Seite, aber die ist mehr als ein Kilometer lang. Laut dem Guinness-Buch der Rekorde des Jahres 2017 ist die sogenannte Wiedmann-Bibel die einzige Bibel, die das Alte und das Neue Testament komplett in 3333 Bildern wiedergibt. Eine besondere Kunstausgabe dieses Leporellos ist nun im Mainzer-Gutenberg-Museum zu bestaunen.

Diese Bibel, die durch Bilder spricht, sei für alle da, sagen Museumsdirektorin Annette Ludwig und die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD). Sie dächten dabei an Menschen, die nicht lesen können – oder nicht lesen wollen, zum Beispiel die jüngere Generation, die sich lieber über visuelle Medien informiere.

Bildfolgen ohne Anfang und Ende

Der Erschaffer dieser Bibel,Wilhelm Richard Heinrich Wiedmann (1929-2013), genannt Willy, hatte sie mehr oder weniger heimlich geschaffen. Bildfolgen ohne Anfang und Ende erzählen fortlaufend, wobei die Motive auf hellem Hintergrund aus Rechtecken, Dreiecken und weiteren geometrischen Formen zusammenfließen.

Wiedmann war als Musiker, Komponist, Bildender Künstler, Wandmaler, Galerist, Kurator und Autor tätig. 150 Musikstücke hat er komponiert, mit Stars auf der Bühne gestanden, rund 500 Gedichte geschrieben, über 30 000 Bilder gemalt und drei Kirchen künstlerisch ausgestaltet. Ausgezeichnet wurde er sogar mit dem Bundesverdienstkreuz.

Zu Lebzeiten wenig erfolgreich

Mit seiner Bilder-Bibel, an der er 16 Jahre lang zwischen den Jahren 1984 und 2000 arbeitete, war er allerdings zu Lebzeiten weniger erfolgreich. Die Drucktechnik war damals noch nicht so weit fortgeschritten und die finanziellen Mittel fehlten – daher fand er keinen Verlag für sein Leporello. Also packte er das Werk in vier Kisten, die er auf seinem Stuttgarter Dachboden verstaute.

Dort fand sie nach Wiedmanns Tod dessen Sohn Martin. Mit Unterstützung der Deutschen Bibelgesellschaft verwirklichte der Sohn schließlich den Traum des Vaters. Niemand habe geahnt, an welchem Großprojekt sein Vater all die Jahre gesessen habe, sagt Martin Wiedmann. »Tag und Nacht kreativ zu sein«, habe eben auch Schattenseiten gehabt – für die Familie sei dem umtriebigen Künstler kaum Zeit geblieben.

Nicole Weisheit-Zenz

Die Wiedmann-Bibel ist noch bis Ende des Jahres in Mainz zu sehen. Sie ist auch virtuell im Internet erlebbar unter thewiedmannbible.com/de/bibelwelt/

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top