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Neue Orgel für die Bad Nauheimer Dankeskirche

Dauerton stört Gottesdienst

Nils SandrisserDie Bad Nauheimer Dankeskirche stammt aus dem Jahr 1906, ihre Orgel ebenfalls.

BAD NAUHEIM. Das Instrument der Dankeskirche macht Flausen. Reparierbar ist die Orgel kaum noch. Die Kirchengemeinde steht vor einer gewaltigen Aufgabe – und packt sie kreativ an.

Kürzlich beim Bach-Konzert war’s mal wieder soweit. Die Walcker-Orgel der Bad Nauheimer Dankeskirche aus dem Jahr 1906 machte eine ihrer Mucken. In die Musik mischte sich ein Ton, der da nicht hineingehörte. Und den auch niemand gespielt hatte.

Solche Flausen sind die Bad Nauheimer von dem Instrument leider schon gewohnt. Der ungewollte Klang beim Bach-Konzert war da noch harmlos. »Vorletztes Jahr beim Weihnachtsgottesdienst gab es einen tiefen Dauerton, der sich nicht abstellen ließ«, berichtet Hanna von Prosch vom Orgelbaukreis der Dankeskirchengemeinde. Während des Abendmahlsgottesdienstes für die Konfis im vergangenen Jahr trieb die Orgel es besonders dolle. »Das hat sich so angehört, als würde ich mich mit beiden Armen auf das Manual lehnen«, sagt Frank Scheffler, der Kantor der Dankeskirchengemeinde.

Manche Probleme hören auf – wenn die Orgel es so will

Die Elektrik ist das große, wenn auch nicht das einzige Problem. Die Verkabelungen stammen aus den 1960er Jahren und versagen immer häufiger ihren Dienst. In einigen Pfeifen hat sich außerdem Schimmel gebildet. Scheffler kann einige der Register nicht mehr stimmen – das heißt, er könnte schon, aber er darf nicht. Denn er käme nur über eine schmale, ungesicherte Leiter an sie heran. Und da sind die arbeitsrechtlichen Bestimmungen ziemlich streng. »Die Gemeinde musste mir verbieten, die Leiter zu benutzen«, sagt der Kantor.

Die Situation ist untragbar geworden für die Dankeskirchengemeinde. »Manche Probleme kann ich zwar reparieren«, sagt Scheffler, »und andere hören von selbst auf – aber dann, wenn die Orgel es will.« Vor einem Jahr schon hat der Kirchenvorstand daher beschlossen, dass eine neue Orgel hermüsse.

Sanierung wäre sehr teuer geworden

Kurz habe man auch eine Sanierung erwogen, berichten von Prosch und Scheffler. Aber das wäre knifflig geworden. Denn 1965 ist die Orgel umgebaut worden. Zuvor hatte sie einen »deutsch-romantischen« Klang. In den 1960er Jahren waren dann aber eher schrillere Töne in Mode – aber für die brauchte man keine so große Windanlage mehr. Damit die alten, dicken Pfeifen der Walcker-Orgel auch bei geringerem Winddruck noch brauchbare Töne abgaben, schnitt man sie unten ab. Für eine Sanierung müsste man die fehlenden Stücke also wieder dranlöten. Diese und weitere Schwierigkeiten sorgen dafür, dass eine Sanierung fast genauso teuer geworden wäre wie eine neue Orgel.

Die Bad Nauheimer planen, bis spätestens 2025 ein neues Instrument in ihrer Dankeskirche zu haben. Rund 650 000 Euro wird es kosten, zwei Manuale und 29 Register haben. Außerdem wird das Fernwerk erhalten bleiben, eine Rarität. Möglich wäre ein Ausbau in einem weiteren Schritt auf 45 Register. Diese zweite Stufe würde noch einmal gut 400 000 Euro kosten. Mittlerweile haben die Bad Nauheimer innerhalb rund eines Jahres bereits 180 000 Euro an Spenden eingesammelt.

Neues Instrument soll eine große Bandbreit abdecken

»Aus Respekt vor der Vergangenheit werden wir versuchen, so viele der alten Pfeifen zu erhalten wie möglich«, sagt Scheffler. Wie genau deren Anzahl und Anordnung sein wird, steht noch nicht so ganz fest. Rund 900 Röhren und damit etwas weniger als die alte wird die neue Orgel aber haben. Ein Nachteil ist das dennoch nicht. Denn derzeit sei das »Platzangebot nicht überzeugend genutzt«, sagt Scheffler. Die Pfeifen liegen teilweise im Inneren des Turms, ihr Klang schafft es derzeit gar nicht richtig ins Kirchenschiff. Besonders schade, denn die Dankeskirche hat eine spektakuläre Akustik.

Von Nils Sandrisser

Spenden unter dem Stichwort »Orgel Dankeskirche« auf das Konto der Sparkasse Oberhessen, IBAN DE09 5185 0079 0030 0016 21, oder auf das Konto der Volksbank Mittelhessen, IBAN DE83 5139 0000 0089 3284 03.

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