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Musical

Der Mann, der widerstand

Katrin WeberDer Frankfurter Theologe und Pionier der evangelischen Medienarbeit, Helwig Wegner-Nord (links) und der Greifensteiner Musikproduzent und Liedermacher Siegfried Fietz bei der Welturaufführung eines Niemöller-Porträts in der Schlosskirche in Beilstein.

Greifenstein. Der Greifensteiner Musikproduzent und Liedermacher Siegfried Fietz sowie der Frankfurter Theologe Helwig Wegner-Nord zeichnen ein bewegendes Porträt des ersten Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Martin Niemöller.

Eigentlich war die Premiere beim Evangelischen Kirchentag im Juni in Dortmund geplant. Dieses Vorhaben steht nach wie vor: Dort soll »Welch ein Leben« ein großes Publikum erreichen. Dass die Welturaufführung nun jedoch in der Atmosphäre der Beilsteiner Schlosskirche Besucher und Besucherinnen erfreute, ist einem Zufall zu verdanken. Der Pfarrer der Kirchengemeinde Rodenroth-Beilstein, Ralf-Peter Jäkel, und Siegfried Fietz trafen sich beim Einkaufen und kamen über das Projekt ins Plaudern. Kurze Zeit später stand fest: Das musikalische Porträt über den ersten Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wird in Beilstein stattfinden.

Das Leben von Martin Niemöller

Und so erlebten gut 100 Besucher in der stattlichen Schlosskirche das Leben von Martin Nie-möller in Texten und Liedern. Es ist ein musikalisches Porträt, eine feinfühlige Zeichnung, die den Zuhörern zwei Stationen im Leben Niemöllers anbietet. Zum einen das Jahr 1940 als er »persönlicher Gefangener« Adolf Hitlers im Konzentrationslager Sachsenhausen war, zum anderen das Jahr 1972, kurz nach seinem 80. Geburtstag in Wiesbaden.

Was würde Jesus dazu sagen?

1940 – zu diesem Zeitpunkt war Niemöller seit drei Jahren Häftling, isoliert und getrennt von den Mitgefangenen. Als Sprecher aus der Ich-Perspektive berichtete Helwig Wegner-Nord über Erlebnisse Niemöllers, erinner an seine erste Begegnung als Junge in einer Weberei mit der Frage »Was würde Jesus dazu sagen?«, die ihn ein Leben lang begleitete, und an seine Zeit bei der kaiserlichen Marine. Als Leutnant zur See war Niemöller im Ersten Weltkrieg freiwillig bei der U-Boot-Flotte im Einsatz.

Von Schuld und christlicher Verantwortung

An Bord von »U39« haderte er mit sich und es war ihm nicht wohl. »Was würde Jesus dazu sagen, dass wir Menschen getötet haben, nur weil sie Franzosen oder Engländer waren?«, stellte Helwig Wegner-Nord Niemöllers Zweifel in den Raum. Aber: »Damals dachte ich nicht, dass man Schuld auf sich laden würde, wenn man fürs Vaterland eintre ten würde.«

Ein persönliches Porträt

Mit »Welch ein Leben« ist Fietz und Wegner-Nord ein sehr persönliches Porträt des ersten Kirchenpräsidenten gelungen. Die feinfühligen Beschreibungen aus der Ich-Perspektive, kombiniert mit den poppigen Liedern mit bewegenden Texten zeichnen 35 Jahre nach Niemöllers Tod das aufregende wie auch widerspruchsvolle Leben und Wirken Niemöllers als U-Boot-Kommandant, als Widerstandskämpfer und Gefangener Hitlers sowie als Friedensaktivist beeindruckend nach. Ein musikalisches Denkmal soll es nicht sein, sondern vielmehr Impulse für gesellschaftliche Debatten geben. Katrin Weber

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