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Mitarbeiter sollen so wenig Plastik wie möglich verwenden

Diakonisches Werk Wetterau will Plastikmüll reduzieren

CC0 pixabay/H. HachRund 80 Prozent des Mülls, der Strände in Asien bedeckt, stammen aus der westlichen Welt.

REICHELSHEIM. Christian Weigand hat die Organisation »blue awareness« gegründet und hält Vorträge über Plastikmüll im Meer. Um den eigenen Kunststoffverbrauch langfristig zu reduzieren, hat er einen einfachen Tipp.

esz/Simone ParbelChristian Weigand (Mitte). Eckhard Sandrock (links) und Mathias Koch haben zum Vortrag eingeladen.

Es geht los mit einer gedanklichen Reise. Ein stiller Morgen an der Küste. Surfen in den klaren Wellen. Dann unterbricht Christian Weigand die friedliche Atmosphäre jäh. Er zeigt Bilder von Robben, die in Plastikringe eingeschnürt sind, mit denen Bierdosen-Sixpacks zusammengehalten werden. Den Inhalt des Magens eines verhungerten Albatros-Kükens – komplett mit Plastik gefüllt. Strände, die endlos mit Müll bedeckt scheinen.

Projekt »Mission Klima« im Diakonischen Werk

Weigand referiert im Bürgerhaus in Blofeld, einem Stadtteil von Reichelsheim, vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Diakonischen Werks Wetterau (DWW). »Mission Klima« ist ein seit mehreren Jahren laufendes Projekt im DWW. Mit wechselnden Schwerpunkten sollen Mitarbeitende für ressourcen- und klimaschonendes Verhalten sensibilisiert, ihre Gewohnheiten und Abläufe im Arbeitsalltag verändert werden. Mitarbeitende in allen Dienstorten des DWW sind derzeit besonders angehalten, Plastikmüll zu vermeiden. Zu Weigands Vortrag haben Eckhard Sandrock, Leiter des DWW, und der Friedberger Bereichsleiter Mathias Koch eingeladen.

Zahlen alleine berühren nicht

Leider, sagt Weigand, habe das Problembewusstsein über Plastikmüll, das viele Menschen vom Grundschulkind bis zum Erwachsenen haben, bislang keine Verbesserung bewirkt. Fünf Trillionen Plastikteile schwämmen in den Meeren. Fünf Trillionen – das ist eine Zahl mit 18 Nullen. Aber offensichtlich berühren Zahlen die Menschen nicht. Weigand studierte Betriebswirtschaft sowie Umwelt- und Ressourcenökonomie in Marburg und Kiel. Er widmete sich der Gesundheit der Meere und gründete nach seiner Masterarbeit zur nachhaltigen Entwicklung der Meere die Organisation »blue awareness« – auf Deutsch »blaue Achtsamkeit«. Blau bezieht sich auf die Meere.

Viel Müll in Südostasien stammt aus dem Westen

Die Mitarbeitenden des DWW lernen von Weigands Vortrag, dass das größte Plastikfeld im Meer, das »Northern Pacific Garbage Patch« zwischen Japan und Kalifornien, so groß ist wie die Fläche von Spanien, Frankreich und Deutschland zusammen. Deutschland habe jahrelang 850 000 Tonnen Kunststoffmüll pro Jahr nach China exportiert. Weil der Müll aber nur schlecht sortiert war und daher als Rohstoff zur Wiederverwertung kaum taugte, nimmt China mittlerweile nichts mehr an. Stattdessen geht der Müll als Roh- und Brennstoff nun nach Thailand, Malaysia und Indonesien. In Südostasien sind die Arbeitsbedingungen und die Löhne so, dass sich das Plastik billiger recyceln lässt als hierzulande. Aber die Verwertungssysteme dort sind überlastet, viel vom Müll gelangt ins Meer. Rund 80 Prozent der Plastikabfälle in diesen Ländern stammen aus dem Westen – Tüten und Plastikflaschen, Zahnbürsten, Strohhalme, Kleidungsstücke.

Schleichwege zum Erfolg

Wie man all dem entgegenwirken kann, beschreibt Weigand in drei englischen Worten: »Reduce, re-use, recycle.« Man solle also so wenig Plastik wie möglich verwenden – aber wenn, dann möglichst lange und vielseitig. Und er hat auch einen Tipp mitgebracht, wie man sein eigenes Verhalten langfristig am besten verändert: nicht gleich alles auf einmal, sondern schrittweise. Man solle in einem Bereich das Plastik künftig weglassen, sich die Änderung zwei Monate angewöhnen und dann den nächsten Bereich verändern.

Von Simone Parbel

Kontakt zu Christian Weigand: chris@blue-awareness.com.

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