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Prägung durch Konfi-Unterricht

Dorothea Gauland ist neue Pfarrerin für Ökumene

Armin ThomasDorothea Gauland will alle Religionen in Mainz gleichberechtigt behandeln.

MAINZ. Dorothea Gauland hat Erfahrung im Arbeitsbereich der Ökumene, hat in Rom und Nairobi gearbeitet. Mit ihr kann man über fast alles reden. Nur nicht über ihren Vater.

Sie ist freundlich, offen und unkompliziert. Und man kann mit ihr über fast alles reden. Nur zu einem Thema will sie nichts sagen. Dorothea Gauland ist neue Pfarrerin für Ökumene und Interreligiösen Dialog im Dekanat Mainz. Und sie ist die Tochter von Alexander Gauland, dem AfD-Bundesvorsitzenden (neben Jörg Meuthen) und AfD-Fraktionschef im Deutschen Bundestag (neben Alice Weidel).

»Es ist doch klar, dass ich anderer Meinung bin.« Das ist der einzige Satz, den Journalisten der 37-Jährigen bei ihrer Vorstellung im Haus der Kirche in Mainz zu dem vielleicht etwas unangenehmen, aber nahe liegenden Thema entlocken können: dem Verhältnis zu ihrem Vater. Zumindest gegenüber Journalisten werde sie sich nicht deutlicher äußern.

Artikel haben für Wirbel gesorgt

Artikel in der Wochenzeitung »Die Zeit« und im »Zeit-Magazin« haben für einigen Wirbel gesorgt. Darin wurde unter anderem berichtet, dass sie in ihrem bisherigen Pfarrhaus in Rüsselsheim einen Flüchtling aus Eritrea aufgenommen hat und ihr Vater das kommentiert habe mit den Worten, dies sei ihre Entscheidung, aber sie solle auf sich aufpassen. Der anschließende Wirbel war ihr gar nicht recht. Das gibt sie zu. Und damit ist das Thema für sie durch.

Aber nicht für die Journalisten. Wie sind sie als Tochter eines ehedem Leitenden Ministerialbeamten dazu gekommen, Theologie zu studieren, fragt einer von ihnen bei Gaulands Vorstellung. Geboren und aufgewachsen in Frankfurt, sei es der Konfirmanden-Unterricht gewesen, der ihr Interesse für den christlichen Glauben »auch über die Schulzeit hinaus geweckt hat«, antwortet Gauland lächelnd.

Spezial-Vikariat in Nairobi

So hat sie unter anderem in Rom studiert, ihr Vikariat in Pfungstadt und anschließend ein Spezial-Vikariat beim Afrikanischen Kirchenrat (AACC) in Nairobi absolviert. Dort hat sie sich unter anderem in einer Organisation gegen Menschenhandel engagiert. In Mainz tritt Dorothea Gauland nun die Nachfolge von Ilka Friedrich an, die von der halben Pfarrstelle für Ökumene und Interreligiösen Dialog auf eine ganze Pfarrstelle in Mainz-Mombach gewechselt ist. Gauland übernimmt die halbe Stelle und steht mit einer Viertelstelle weiterhin der Gemeinde in Langen für Vertretungsdienste zu Diensten. In Langen und Rüsselsheim im Dekanat Dreieich war sie Gemeindepfarrerin.

Die erste Zeit in Mainz wolle Gauland nutzen, um die protestantischen Gemeinden der Stadt kennenzulernen und zu sehen, welche interreligiösen Aktivitäten es gebe, verrät sie. Gemeinsam mit den katholischen und muslimischen Gemeinden sowie der jüdischen Gemeinde wolle sie gestalten. »Alle drei Religionen sind gleichberechtigt«, betont die Pfarrerin.

Kennenlernen und Vertrauen aufbauen

Natürlich weiß sie darüber Bescheid, dass in Mainz die einzige muslimische Kita in Rheinland-Pfalz geschlossen wurde, weil ihrem Trägerverein eine Nähe zur salafistischen Ideologie vorgeworfen wird. »Aber zu Vorgängen, die in der Vergangenheit abgelaufen sind, äußere ich mich nicht.« Sie möchte die Gesprächspartner kennenlernen und Vertrauen aufbauen. Und ergänzt: »Ich glaube nicht, dass es hilfreich ist, alle muslimischen Verbände unter Generalverdacht zu stellen.«

Von Armin Thomas

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