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Islam ist Teil der deutschen Realität

Ersatzheimat und zarte Pflanzen

eöa/Bernd BiewendtWerner Hahl (Mitte) erhält die Starkenburg-Medaille für sein ehrenamtliches Engagement. Ihm applaudieren (von links) Dekan Arno Kreh, Präses Michael Wörner, der Laudator Karl Hans Geil und der Vorsitzende der Dekanatssstiftung Reinhart Baehr. Der Festredner Abdu-Ahmad Rashid (kleines Bild) bezeichnet sich selbst als »rheinisch-muslimisch«.

HEPPENHEIM. Der Journalist und Islamwissenschaftler Abdul-Ahmad Rashid sprach beim Jahresempfang der Dekanate Bergstraße und Ried über den Islam in Deutschland. Der kam nämlich schon sehr lange vor den Gastarbeitern hierher.

Den einen unverwechselbaren Islam gibt es nicht. Wie der Islam praktiziert werde, hänge von der Kultur der Länder ab, aus denen die in Deutschland lebenden Muslime kämen, sagte der ZDF-Journalist und Islamwissenschaftler Abdul-Ahmad Rashid bei seinem Festvortrag zum Empfang des neuen Kirchenjahres in Heppenheim, zu dem die Dekanate Bergstraße und Ried gemeinsam eingeladen hatten.

Deutschland ist für Muslime wie Schmelztiegel

Rashid, der Sohn eines Afghanen und einer Deutschen ist, war kurzfristig für die erkrankte Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt und Leiterin »Forschungszentrum Globaler Islam« Susanne Schröter eingesprungen. Der Festredner war aus Berlin angereist, wo er gemeinsam mit Schröter an der Islamkonferenz des Bundesinnenministeriums teilgenommen hatte. Zur Streitfrage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, zitierte Rashid einen ZDF-Kollegen: »Egal, ob er dazu gehört oder nicht. Er ist da.« Deutschland sei für Muslime ein Schmelztiegel: »Ich bin in Köln aufgewachsen und damit rheinisch-muslimisch.«

Rashid erinnerte daran, dass der Islam nicht erst in den 1960er Jahren mit den sogenannten Gastarbeitern nach Deutschland gekommen sei. Die erste Moschee sei 1915 im Halb-Mond-Lager in der Nähe von Berlin gebaut worden. Dort waren während des Ersten Weltkriegs muslimische Kriegsgefangene interniert. Erst mit dem Anwerbestopp in den 1970er Jahren seien viele Moscheen vor allem in Hinterhöfen errichtet worden. Nach Rashids Angaben befürchteten damals viele Muslime, dass sie bei einer Ausreise aus Deutschland nicht wieder zurückkehren könnten. Die Moscheen seien daher ein Heimatersatz gewesen. Als »zartes Pflänzchen« eines liberalen Islams bezeichnete Rashid die von der Frauenrechtlerin und Juristin Seyran Ateş gegründete Ibn Rushd-Goethe-Moschee in Berlin.

Ehrung als Werbung für das Ehrenamt

Entscheidend für Muslime sei das gemeinschaftliche Gebet und nicht die Predigt. »Für Protestanten ist das schwer nachvollziehbar«, meinte der Islam-Experte, der beim ZDF Mitglied der Redaktion Kirche und Leben ist. Einen weiteren markanten Unterschied sieht Rashid im Gemeindeverständnis. Die meisten Muslime fühlten sich einer Moschee zugehörig, ohne aber Mitglied der Moscheegemeinde zu sein. »Die Moscheen sind voll, aber kaum jemand ist Mitglied«, schilderte er. »Die christlichen Kirchen haben Millionen Mitglieder, aber die Kirchen sind leer.«

Mit der Starkenburg-Medaille – der höchsten Auszeichnung, die das Dekanat Bergstraße vergibt – wurde Werner Hahl geehrt. Er habe die Medaille verdient für seinen lebenslangen und ehrenamtlichen Einsatz für Kirche und Diakonie, sagte Ried-Dekan Karl Hans Geil in seiner Laudatio. Werner Hahl ist seit 1976 ununterbrochen Mitglied im Kirchenvorstand der Lampertheimer Lukasgemeinde, seit 1998 Mitglied der Kirchensynode und seit 38 Jahren für die Diakoniestation Lampertheim aktiv. »Diese Ehrung«, sagte Hahl in seiner Dankesrede, »ist auch eine Werbung für das Ehrenamt.«

Der letzte Empfang der Dekanate Bergstraße und Ried

Musikalisch gestaltete den Empfang ein Projektchor mit Sängerinnen und Sängern beider Dekanate, den Propsteikantor Konja Voll leitete. Der Empfang war der letzte, der gemeinsam von den Dekanaten Bergstraße und Ried veranstaltet wurde. Das Dekanat Ried wird zum Jahresende aufgelöst. Die zehn Gemeinden des südlichen Rieds werden in das Bergsträßer Dekanat eingegliedert. Dazu habe es in den vergangenen Monaten einen regen und produktiven Austausch gegeben, sagte der Bergsträßer Präses Michael Wörner und betonte: »Der 1. Januar 2019 kann getrost kommen.«

Von Bernd Biewendt

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