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Nazi-Zeit

Erst Zwangsarbeit, dann Deportation ins Vernichtungslager

esz / privat»Ich weiß nicht, was vor mir liegt, vielleicht ist das gut so«, schreibt Ernst Ludwig Oswalt vor seiner Ermordung an seine Freunde.

Frankfurt . Ernst Ludwig Oswalt ist gerade einmal 19 Jahre alt, als ihn die Nazis ins Vernichtungslager bringen. Filmemacher Heiko Arendt hat das Schicksal des Jungen nicht mehr losgelassen. Er hat ein Porträt eines jungen Menschen gezeichnet, der einem bestialischen Regime zum Opfer fiel.

Im Juni 1942 war es so weit. Spätabends von der Zwangsarbeit in einer Fabrik zurückgekehrt, fand Ernst Ludwig Oswalt im Briefkasten eine klare Botschaft: In drei Tagen müsse er bereit sein, Frankfurt zu verlassen. Dass es früher oder später auch ihn treffen würde, war ihm klar gewesen. Wie die Reise enden sollte, ahnte er aber offenbar nicht. »Ich bin getrost und guten Mutes«, versichert er in einem Brief an seine Freunde und bekundet die Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Berührt von den Worten

Am Tag darauf wurde der 19-Jährige in das Vernichtungslager Majdanek oder Sobibor deportiert. Wann und unter welchen Umständen ihn die Nationalsozialisten ermordeten, ist unbekannt. Bekannt ist, dass seine Fahrt ins Verderben an der Frankfurter Großmarkthalle begann. Im Katalog der dortigen Erinnerungsstätte stieß der Filmemacher Heiko Arendt vor einigen Jahren auf Ernst Ludwig Oswalts Abschiedsbrief. Zutiefst berührt von den Worten, ließ ihn dessen Schicksal nicht mehr los.

Filmtitel: »Meinen Freunden zum Abschied«

Er begann zu recherchieren und hielt das kurze Leben des von allen nur »Lux« genannten jungen Mannes unter dem Titel »Meinen Freunden zum Abschied« fest. Es ist die Überschrift seiner letzten Zeilen. Anlässlich des Frankfurter Gedenktags an die erste Massendeportation am 19. Oktober 1941 hatte der Dokumentarfilm im Kino des Deutschen Filminstituts Filmmuseums Vorpremiere. Zu sehen waren 80 eindringliche Minuten, die Heiko Arendt ganz auf seinen Protagonisten konzentriert. Das filmische Gerüst bilden dessen Briefe an seinen Bruder Heinrich, der seit 1937 in der Schweiz studierte und als Einziger der Familie überlebte.

Getauft, konfirmiert und doch ermordet

Vater Wilhelm Ernst wurde bereits zwei Monate vor der Deportation seines Sohnes ins KZ Sachsenhausen verfrachtet und im Juli 1942 umgebracht. Er war Spross einer Familie, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts den protestantischen Glauben angenommen hatte, sein Großvater war Pfarrer in der St. Petersgemeinde.

Film wird am 26. November in Wiesbaden gezeigt

Am Vorabend der Deportation rühmt Oswalt etwa seine Freunde mit den Worten: »Wäret Ihr nicht, so könnte ich nicht mit jener Ruhe und Gelassenheit selbstständig diesen Weg gehen, der mir nun vorgezeichnet ist.« Für diesen Weg musste Lux übrigens sogar 50 Reichsmark Transportkosten zahlen. Von Doris Stickler

Der Dokumentarfilm »Meinen Freunden zum Abschied« wird am 26. November um 17.30 Uhr in der Wiesbadener Caligari FilmBühne, Marktplatz 9, in Anwesenheit des Regisseurs Heiko Arendt gezeigt.

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