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Jahresempfang der Dekanate Wetterau und Büdinger Land

Forscher Michael Kopatz wirbt für Ökostandards

eöa/Annegret RachPräsides und Dekane begrüßen die Gäste: Volkhard Guth (von links), Rolf Hartmann, Sabine Bertram-Schäfer und Tobias Utter.

FLORSTADT. Zum ersten Mal luden das Dekanat Wetterau und das Dekanat Büdinger Land zu einem gemeinsamen Jahresempfang ein. Für dieses Zeichen der Zusammenarbeit und Gemeinsamkeit gibt es kaum einen besseren Ort als Florstadt.

Der Wetterauer Dekan Volkhard Guth nannte zu Beginn des gemeinsamen Empfangs der Dekanate Wetterau und Büdinger Land im Florstädter Bürgerhaus einige Schlagworte des Themas des Abends: heiße Sommer, Wasserknappheit, Diskussion um billige Flüge.

Warum fast alle Deutschen Klimaschutz wichtig finden, und dennoch fast keiner etwas dafür tut, war der Ausgangspunkt des Umweltwissenschaftlers Michael Kopatz. In seinem aktuellen Buch »Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten«, spricht er sich dafür aus, das Thema Klimaschutz aus dem Bereich individueller Gewissensentscheidungen herauszuholen. Seit acht Jahren sinke der CO 2 -Ausstoß Deutschlands nicht mehr weiter, im Verkehrsbereich habe er sogar zugenommen. Das zeige, dass technische Veränderungen allein nicht ausreichten, um Klimaziele zu erreichen.

Wachstum zehrt Effizienz auf

Zudem werde die zunehmende Effizienz im Bereich der Technik oft durch vermehrtes Wachstum aufgezehrt. Es nütze eben nicht viel, dass ein Auto heute viel weniger CO 2 ausstoße, wenn heute doppelt so viele Autos auf der Straße seien als im Jahr 1980. Die Kennzeichnung »A++« für einen besonders effizienten Energieverbrauch auf einem Kühlschrank ist auch nur bedingt aussagekräftig, wenn dieser Kühlschrank groß wie ein Kleiderschrank ist. Nachhaltigkeit brauche neben technischer Entwicklung auch Veränderung von Gewohnheiten, Routinen und Strukturen. »Es geht nicht darum, dass wir die richtigen Produkte im Laden kaufen, sondern dass die Produkte im Laden sich verändern«, sagte Kopatz.

Beispiele für solche Ökoroutine gebe es bereits: die FCKW-freien Kühlschränke sind heute Standard. In ähnlicher Weise könnte man auch eine Veränderung der Nahrungsmittelproduktion steuern. Die Landwirte, so Kopatz‘ Erfahrung, wären sofort dabei, wenn solche neuen Regeln EU-weit Gültigkeit hätten, so dass sie nicht vom Markt abgehängt würden. Kopatz führt eine Studie an, wonach 80 Prozent der Topmanager glaubten, dass es für eine nachhaltige Wirtschaft Vorgaben der Politik brauche.

Neue Standards reichen nicht

Neue Standards reichten jedoch nicht aus, sagte der Forscher es brauche auch neue Limits. Er plädierte dafür, den Flugverkehr auf dem aktuellen Niveau zu halten: »Ich werbe für Unterlassung: keine neue Startbahn in München, kein neues Terminal in Frankfurt.« Gleiches gelte für den Straßenbau: Solange sich die Produktion einer Tiefkühl-Lasagne auf 20 Länder verteile, löse der Bau neuer Straßen keine Probleme.

All jenen, die an dieser Stelle von einem Eingriff in die persönliche Freiheit sprechen, hielt Kopatz entgegen: »Die ganze Straßenverkehrsordnung ist ein Eingriff in die Freiheitsrechte.« Und doch stehe außer Frage, dass es sinnvoll sei, sich anzuschnallen und bei Rot zu halten. Kopatz warb dafür, den Menschen positive Bilder zu zeigen von dem, was möglich wäre. Es gehe darum, »dass das Richtige zu tun sich clever anfühlt«.

Zeichen der Zusammenarbeit

Mit der Wahl Florstadts als Ort des ersten gemeinsamen Empfangs der Dekanate Wetterau und Büdinger Land wolle man ein Zeichen der Zusammenarbeit und Gemeinsamkeit setzen, sagte der Wetterauer Präses Tobias Utter. Denn die Stadtteile der Kommune verteilen sich auf das Gebiet beider Dekanate.

Von Annegret Rach

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