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Schön, dick, dünn

Frieden mit meinem Körper

Foto: Doris SticklerChristelle Nkwendja-Ngnoubamdjum geht ungern zum Arzt.

Frankfurt . Über weibliche Körper wird gerne geurteilt. Mal zu dick, mal zu dünn. Recht machen kann frau es kaum jemanden.

Ob sie sich eine Erkältung eingefangen hat, unter Schlafstörungen leidet oder ihr Rücken schmerzt. Weshalb Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum auch immer um medizinische Hilfe bittet, sie bekommt jedes Mal als erstes die Ermahnung zu hören: »Sie müssen unbedingt abnehmen.«

Immer ist das Gewicht Schuld

»Aus Angst, nicht richtig behandelt zu werden, gehe ich gar nicht mehr zum Arzt. Es ist sowieso immer mein Gewicht an allem Schuld«, bilanzierte sie bei der Veranstaltung »My body my choice« ihre Erfahrung. Mit Vorurteilen ist die Politologin freilich nicht nur im Krankheitsfall konfrontiert. Übergewichtigen Menschen werde automatisch Unmäßigkeit, Faulheit und Willensschwäche unterstellt, man traue ihnen in jeder Hinsicht weniger zu. Da sie tagtäglich offene oder subtile Diskriminierungen erleben, schlügen sich die meisten mit Selbstzweifeln und sozialer Ausgrenzung herum.

Fetter Widerstand

Auch die Beirätin der »Initiative Schwarze Menschen in Deutschland« (ISD) schämte sich früher wegen ihrer Körperfülle und zog sich zurück. Irgendwann war sie dazu nicht mehr bereit. Seit einigen Jahren engagiert sich Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum etwa in der aktivistischen Gruppe »Fetter Widerstand« und wehrt sich gegen Optimierungszwänge und Selber-Schuld-Logiken.

Auch ein dicker Körper kann schön sein

»Mir geht es um das Recht, sich in einem dicken Körper wohlzufühlen und ein positives Körperbild zu entwickeln«, stellte sie klar. Allerdings weiß Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum nur zu gut, wie schwer das in einer Gesellschaft ist, die dicken Menschen abspricht, schön und attraktiv zu sein. »Ich bin selbst noch in dem Prozess und stürze immer wieder ab.«

Junge Mädchen werden unter Druck gesetzt

In Zeiten von Germanys next Topmodel und geschönten Selbstdarstellungen in Internetforen hadern längst nicht nur Übergewichtige mit ihrer äußeren Erscheinung. Die um sich greifende Manie der körperlichen Selbstoptimierung, die der Beauty-Branche satte Gewinne beschert, setzt mittlerweile auch Schlanke und junge Mädchen unter Druck.

Doris Stickler

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