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Zukunft des alten Mainzer Doms

Geheimnisvoller Sarkophag

epd/Andrea EnderleinDie Grabungen in St. Johannis sind abgeschlossen, mittlerweile forschen die Archäologen nur noch baubegleitend.

MAINZ. Seit 2013 war die Mainzer Johanniskirche für Besucher weitgehend verschlossen. Nun soll das kirchliche Leben langsam wieder in den frühmittelalterlichen Vorgängerbau des Mainzer Doms zurückkehren.

Der Blick fällt auf freigelegtes Mauerwerk, eine Vielzahl ausgehobener Löcher, uralte Gräber und Fußbodenreste aus lange vergangenen Jahrhunderten. Derzeit deutet noch nicht viel darauf hin, dass in dem spektakulären frühmittelalterlichen Vorgängerbau des Mainzer Doms bald wieder Gläubige und Touristen ein- und ausgehen. Doch bereits im April soll die Johanniskirche wieder langsam für Besucher geöffnet werden. »Das ist der Beginn des Wiedereinzugs«, kündigt der Mainzer Dekan Andreas Klodt an.

Ein unlängst installiertes System von Metallstegen und eine provisorische Holzbühne im Westchor sollen das Gotteshaus mit der spektakulären Geschichte wieder begehbar machen. Regelmäßige Gottesdienste in der warmen Jahreszeit ab Palmsonntag, 14. April, »Mittagspausen-Andachten« an Freitagen und am 12. Mai das erste Konzert – das sind die Pläne von Dekanat und Kirchengemeinde. Am Ostermontag sendet die ARD sogar einen Fernsehgottesdienst von der Kirchen-Grabungsstätte. Außerhalb der Veranstaltungen bleiben die Türen aber vorerst weiter verschlossen.

Eines der spannendsten Forschungsprojekte der Republik

Was 2013 als relativ simpler Austausch einer alten Heizungsanlage begann, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem der spannendsten archäologischen Forschungsprojekte der Bundesrepublik. Erst kürzlich legte das Archäologenteam um den Schweizer Guido Faccani im Zentrum des Kirchenschiffs einen verzierten steinernen Sarkophag frei – möglicherweise die letzte Ruhestätte des vor über 1000 Jahren verstorbenen Mainzer Erzbischofs Erkanbald. Im Frühjahr wollen die Wissenschaftler unter Beteiligung der Dombauhütte des Bistums Mainz das Geheimnis des Grabes lüften und den Deckel des Sarkophags anheben lassen.

Älteste mittelalterliche Bischofskirche nördlich der Alpen

Die Archäologen hatten festgestellt, dass St. Johannis die älteste weitgehend erhaltene frühmittelalterliche Bischofskirche nördlich der Alpen ist und Teile des Mauerwerks bis ins 5. oder 6. Jahrhundert datiert werden können. Aufgrund der kulturhistorischen Bedeutung arbeiten Landeskirche, Dekanat und Kirchengemeinde an einem künftigen Nutzungskonzept, das im Laufe des Jahres verabschiedet werden soll.

»Natürlich soll die Gemeinde wieder zurückkehren«, erklärt Dekan Klodt. Daneben gibt es die Idee, St. Johannis zusätzlich als Forum für gesellschaftspolitische Veranstaltungen zu etablieren. Der alte Mainzer Dom könnte dann beispielsweise auch Schauplatz von Debatten über das Abtreibungsrecht oder Medizinethik werden.

Von Karsten Packeiser (epd)

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