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Mit- und voneinander lernen

Gemeinsames Büffeln bewährt sich bei der Integration

Nicole Weisheit-ZenzRuth Klein steht der siebenjährigen Perla zur Seite.

JUGENHEIM. Wo Erwachsene sich schwertun, ist es für Kinder leicht. Das machen sich die freiwilligen Helfer der Initiative »Willkommen im Dorf« zunutze. Kleine Belohnungen sorgen für noch mehr Motivation.

Perla hat mit ihren sieben Jahren schon einiges erlebt, in ihrem Heimatland Syrien und auf der Flucht. Nun fühlt sie sich wohl im rheinhessischen Jugenheim, wo sie die zweite Klasse besucht und ihre neuen Sprachkenntnisse festigt. Ganz schön knifflig, die Worte auf Deutsch richtig auszusprechen, doch geduldig versucht sie es so lange, bis es gut klingt.

Zur Seite steht ihr dabei Ruth Klein, die sich ehrenamtlich engagiert im Team der Hausaufgabenhilfe. Wissen zu vermitteln und gleichzeitig über die Kinder Integration zu praktizieren, sind die wichtigsten Ziele des neuen Angebots, das im Frühjahr an den Start ging. Die Initiative der Kir chengemeinde »Willkommen im Dorf« bietet die gemeinsame Lernförderung an. Für Familien aus Jugenheim ist das Angebot zur Betreuung und Unterstützung kostenlos. Und es sei doppelt erfolgreich, sagt Uli Röhm, der die Initiative koordiniert, mit Blick auf bessere Schulnoten und als besonders effektive Form der Integration: »Wo sich Erwachsene schwertun, ist für die Jüngsten Lernen kinderleicht.« Die Kinder lernten nicht nur mit-, sondern auch voneinander.

Die Kirchengemeinde stellt die Räumlichkeiten

Galt »Willkommen im Dorf« schon als Musterbeispiel für Integrationsarbeit, mit Projekten und Arbeitshilfen zum Aufbau vergleichbarer Strukturen, so möchte man nun die Erfahrungen ebenfalls weitergeben, damit vergleichbare Initiativen davon profitieren können. Aus Mitteln der Integrationspauschale ist die Finanzierung gesichert, die Räumlichkeiten stellt die Kirchengemeinde zur Verfügung. Über Sabine Klein, die von Anfang an als Patin in der Initiative mitgearbeitet hat, lief die Rekrutierung qualifizierter Pädagogen , die für eine Aufwandsentschädigung Nachhilfeunterricht erteilen. Seit Ostern wird die Lernförderung angeboten, günstige Zeiten sind jeweils anderthalb Stunden montags und freitags nachmittags. An Schultagen vertiefen die Kinder noch einmal, was gerade dran ist, von der zweiten bis zur siebten Klasse, in Deutsch, Mathematik und Englisch.

Die Kinder sprechen untereinander nur Deutsch

In Kleingruppen achten die Pädagogen darauf, dass alle mitdenken und sich aktiv einbringen. Eine Regel ist, dass die Kinder untereinander nur deutsch sprechen, zumal sich Mädchen und Jungs aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan anders gar nicht verstehen würden. Sie üben spielerisch, vor Ort gibt es dafür einige Materialien. Nach Nachschub fragt Lamar, die schon ehrgeizig ihre Aufgaben erledigt hat und nach ihrem Bruder Zuhair schaut. »Wir helfen uns gegenseitig«, bestätigt Kim, die mit am Tisch sitzt, »das macht echt Spaß.« Bei zwölf Kindern ist der Raum gut gefüllt, die Lehrkräfte verteilen sich an den Tischen, auf ihre jeweiligen Schützlinge konzentriert. Mal geht es um das Einmaleins, mal um Fabeln und ihre Bedeutung. Was immer anspornt, sind kleine Belohnungen, diesmal Eis für alle.

Von Nicole Weisheit-Zenz

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