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Engagement

Irmela Mensah-Schramm entfernt rassistische Parolen

Doris SticklerAus Hassbotschaften Liebesbotschaften machen: Dies hat Irmela Mensah-Schramm (Mitte) Schülern und Schülerinnen aus Frankfurt beigebracht. Stolz zeigen sie die Ergebnisse.

Frankfurt . »Wer schweigt, stimmt zu. Wenn ich etwas verändern will, muss ich selbst etwas tun.« Mit diesem Grundsatz geht Irmela Mensah-Schramm durchs Leben.

Die Absurdität ist schwer zu übertreffen. Weil Irmela Mensah-Schramm im öffentlichen Raum rassistische und antisemitische Parolen beseitigt, wurde sie 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Aus demselben Grund landet sie aber auch immer wieder vor Gericht und wird zu Geldstrafen verdonnert. Bei ihrem inzwischen rund 33 Jahre währenden Engagement habe man sie »zum Glück noch nie in flagranti erwischt«. In diesem Fall könne ihr sogar eine dreijährige Haftstrafe drohen, machte sie in der Frankfurter Sankt Petersgemeinde rund 30 Konfirmandinnen und Konfirmanden klar.

Was man alles mit der Spraydose machen kann

Im Rahmen eines Workshops erzählte ihnen die pensionierte Heilpädagogin nicht nur von den Beweggründen und Folgen ihres Handelns. Sie forderte auch dazu auf, Hassbotschaften konstruktiv zu verändern. Was man mit einer Spraydose alles machen kann – etwa aus Hakenkreuzen Blüten – hatte sie zuvor mit Fotografien ihrer Wanderausstellung »Hass vernichtet« demonstriert.

Gute Ideen

Wie sich zeigte, mangelte es auch den Jugendlichen nicht an Einfallsreichtum. So wandelten sie das auf DIN A-4 Blätter kopierte Graffito »Juden ab in den Offen« – die fehlerhafte Rechtschreibung spricht für sich – in »Kuchen ab in den Ofen« um, statt »Polen sind Scheiße« war »Pollen sind Scheiße für Allergiker« zu lesen.

Aufkleber entfernen

An dem Nachmittag wurde natürlich auch viel über um sich greifende Vorurteile und Hetze wie die von manchen Mitschülern benutzten Ausdrücke wie »Du Spast« oder »Du Jude« diskutiert. »Der Workshop war total cool«, findet Viktoria, die von Irmela Mensah-Schramm mächtig beeindruckt ist. Sie wolle »künftig auch auf diskriminierende Aufkleber achten und wenn es geht, entfernen«. Zumal sie jetzt wisse, dass dafür schon ein Haustürschlüssel reicht.

Gegenüber Hassparolen bin ich gerne intolerant

Clara imponierte besonders der Mut, den die 74-Jährige bezeugt. »Sie hat mich inspiriert und dafür gesorgt, dass ich in Zukunft die Augen offen halte.« Dass die Berlinerin junge Menschen begeistert, verwundert kaum. Sie hat unglaubliche Geschichten auf Lager, die sie lebendig und witzig vermittelt. Zugleich lässt sie keinen Zweifel, wie ernst ihr der Kampf gegen rechte Hetze ist.

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