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In der »Schwalbe 6« treten Menschen wieder in die Kirche ein

Neuanfang mit der Kirche

Anja Baumgart-PietschPfarrerin Annette Majewski (links) und Karin Weißenberg heißen die Wiederkehrer in der »Schwalbe 6« willkommen.

WIESBADEN. Meistens ist in den Schlagzeilen von Kirchenaustritten zu lesen. Es gibt aber auch Menschen, die den Weg zur Kirche wieder suchen.

Mache dich auf, werde licht« – das Wort des Propheten Jesaja steht auf dem kleinen Kerzenglas: Ein Geschenk für Menschen, die im Wiesbadener »Kirchenfenster Schwalbe 6« wieder in die evangelische Kirche eintreten. Das kommt gar nicht so selten vor: »Rund 50 Menschen pro Jahr kommen mit diesem Wunsch zu uns«, sagt Pfarrerin Annette Majewski, die in Wiesbaden für Stadtkirchenarbeit zuständig ist. »Entspannen, informieren, austauschen«, das soll in dem gemütlichen »Kirchenladen« in der Schwalbacher Straße 6 möglich sein. Und seit 2004 ist hier eine offizielle Kircheneintritts-Stelle.

Das geht seitdem ganz unkompliziert, sagt die Pfarrerin. Nicht nur sie, sondern sieben Ehrenamtliche verfügen über die Berechtigung, Menschen wieder in die Kirche aufzunehmen. Eine davon ist Karin Weißenberg.

Kirchensteuer ist oftmals Argument für Austritt

Die Menschen, die mit dem Wunsch in die »Schwalbe« kommen, haben sich das vorher gut überlegt, hat Weißenberg erfahren. »Wir freuen uns sehr darüber und praktizieren natürlich eine entsprechende Willkommenskultur«, sagt Majewski. Oft sei das einst zum Austritt vorgebrachte Argument die Kirchensteuer.

Die Statistik der vergangenen vier Jahre weist aus, dass die Frauen etwas in der Mehrheit sind, außerdem jene, die früher auch in der evangelischen Kirche waren. Etwa ein Drittel sind ehemalige Katholiken. Viele sind vor über 15 Jahren ausgetreten, vom Alter her sind die meisten zwischen 20 und 65 Jahren, darunter auch viele junge Menschen in der Phase der Familiengründung.

Die Gründe für den Wiedereintritt sind vielfältig

Doch diese Statistiken sagen nur wenig über die individuellen Beweggründe des Wiedereintritts aus. Dazugehören, Werte leben, Gemeinschaft pflegen, sich engagieren, das werde immer wieder genannt, sagt Majewski. »Aber es kommt auch vor, dass jemand bei einer Beerdigung war und vom christlichen Ritual so beeindruckt war, dass er das für sich auch wieder möchte.« Die Gründe seien letztlich nicht wichtig und würden auch nicht geprüft, sagt die Pfarrerin.

Voraussetzung ist lediglich die Taufe

Gesprochen werde eher darüber, welche christlichen Werte man leben wolle, woraus der Wunsch nach Kirchenmitgliedschaft sich speist. Es werde auf Wunsch auch der Kontakt zu der Gemeinde geknüpft, in der der oder die Eintrittswillige wohnt. Voraussetzung sei lediglich die Taufe, wenn diese fehlt, ist das Procedere anders.

Jede dieser Gelegenheiten sei sehr emotional, nicht nur für das neue Kirchenmitglied, sagt Annette Majewski. »Oft fließen Tränen. Und wir fühlen uns von dieser Erfahrung, diesem Vertrauensbeweis auch immer ausgesprochen berührt und beglückt.«

Von Anja Baumgart-Pietsch

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