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Zertifikate für Kulturmittler

Nur übersetzen reicht nicht

Foto: eöa/Traudi SchlittAktives Zuhören, Konzentration und Verbindlichkeit – nur drei von vielen Kompetenzen, die die Sprach- und Kulturmittler lernen und pflegen.

ALSFELD/GIESSEN. Mehr als 20 Personen haben sich mittlerweile ausbilden lassen, um sprachliche und kulturelle Hürden zwischen Menschen zu überbrücken. Diese Hürden lauern manchmal da, wo man sie nicht erwartet.

Sie leben seit wenigen oder seit vielen Jahren hier, sind schon eine ganze Zeit lang als ehrenamtliche Sprach- und Kulturmittler aktiv: Sprach- und Kulturmittler kommen tagtäglich irgendwo zum Einsatz – in Schulen, auf Ämtern, in Arztpraxen und Krankenhäusern, in Gesprächen in Einrichtungen oder beim Anwalt. Organisiert werden die Einsätze der Männer und Frauen beispielsweise vom Diakonischen Werk Gießen oder dem Dekanat Alsfeld.

Gemeinsam mit der Diakonie Hessen und einer Förderung des Hessischen Kultusministeriums machten sich die Gießener und Alsfelder vor gut einem Jahr auf den Weg, um den ehrenamtlichen Sprach- und Kulturmittlern eine fundierte Basis für das Dolmetschen und die Überbrückung kultureller Hürden zu geben. Herausgekommen ist die Zertifikatsausbildung »RedensArt«.

Sprachmittler üben eine professionelle Neutralität

»Unser Sprachmittler-Pool ist nun seit zweieinhalb Jahren am Start und erfreut sich bei allen Klienten großer Resonanz«, führt Ralf Müller vom Dekanat in Alsfeld aus. »Unsere ehrenamtlichen Mitarbeitenden bringen neben ihrer sprachlichen Kompetenz auch die nötige Empathie mit und den Wunsch, Menschen, deren Nöte viele von ihnen aus eigener Erfahrung kennen, zu helfen.« Gleichwohl müssten sie professionelle Neutralität üben und erkennen, dass es mit der reinen Übersetzungstätigkeit nicht getan ist. Stets spielten auch kulturelle Grundannahmen eine große Rolle für das gegenseitige Verstehen, skizziert der Referent für Bildung und Ökumene.

Neben solchen grundlegenden kulturellen Prägungen ging es in der 140-Stunden-Ausbildung um Themen wie die Rolle der eigenen Migrationsgeschichte, Notizen- und Dolmetschtechniken sowie besondere Anforderungen von verschiedenen Einsatzstellen.

Berufsperspektiven für die Sprachmittler

»Wir haben hier viel gelernt, was die praktische Arbeit erleichtert«, berichten die Absolventen, »das fängt schon damit an, wie man sich richtig begrüßt und vorstellt, denn von Anfang an geht eine Begegnung ja mehrsprachig über die Bühne, und alle Beteiligten sollten möglichst stets auf dem aktuellen Gesprächsstand sein.«

Mit einer regelmäßigen Teilnahme, der Abgabe der Hausarbeit und dem Bestehen einer zwei- bis dreistündigen Klausurprüfung endet dieses Modul der Ausbildung zum Sprach- und Kulturmittler. Langfristig soll es an die Ausbildungen der Industrie- und Handelskammern anderer Bundesländer angedockt werden, um den Sprach- und Kulturmittlern nicht nur besseres und qualitativ wertvolleres Arbeiten zu ermöglichen, sondern auch eine Berufsperspektive zu eröffnen.

Fortsetzung des Projekts ist bereits in Arbeit

»Wir sind nach dieser ersten Runde unseres hessenweiten Pilotprojekts unheimlich froh und stolz, dass alle Teilnehmenden die Prüfungen zur Erlangung des Zertifikats bestanden haben«, freut sich Inka Lippert, die von Seiten der Diakonie und des Dekanats als Projektverantwortliche dabei war. »Man hat gemerkt, mit wie viel Herzblut und Engagement die Menschen auf diesem Gebiet tätig werden – umso wichtiger ist es, dies mit einer guten Ausbildung und einer fundierten Grundlage auszustatten und auf diese Weise auch wertzuschätzen.«

Eine Fortsetzung des Projekts ist bereits angedacht. Müller befindet sich derzeit in Verhandlungen mit der Industrie- und Handelskammer über eine 40-stündige Ausbildung, an deren Ende ein IHK-Zertifikat stehen soll.

Traudi Schlitt

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