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Caritas und Landkreis stellen Finanzierung ein

Ökumenische Wohnhilfe vor dem Aus

Matthias PierenDer Vorsitzende der Ökumenischen Wohnhilfe im Taunus, Günter Adam (rechts) musste dem Geschäftsführer Marcus Krüger kündigen.

HOFHEIM. Als Vorzeigeprojekt wurde die Arbeit der Ökumenische Wohnhilfe Taunus von Politik und den Kirchen gelobt. Nun ist der Verein in finanzieller Not.

Vor mehr als 25 Jahren wurde die Ökumenische Wohnhilfe Taunus (ÖWH) 1991 gegründet. Trotz guter Jahresbilanz 2017 muss der Verein die Beratung von Menschen in Wohnungsnot und die Vermittlung von Wohnungen einstellen. »Wir sind in einer Existenzkrise«, teilt jetzt der Vereinsvorsitzende Günter Adam mit. Der Grund: Caritasverband und Bistum haben nach Angaben des Vereins die Finanzierung um rund 50 000 Euro zurückgefahren und auch die Büroräume gekündigt.

»Die einseitigen Entscheidungen des Caritasverbandes zwangen den Vorstand der Ökumenischen Wohnhilfe zu der schmerzhaften Entscheidung den langjährigen und erfolgreichen Geschäftsführer Marcus Krüger auf Ende März 2019 zu kündigen«, so der Vereinsvorstand weiter. Ebenfalls habe man der Wohnungsvermittlerin, die erst vor zwei Jahren eingestellt worden sei, bereits auf Ende November kündigen müssen.

Persönliche und inhaltliche Konflikte

Zum einen waren wohl persönliche Differenzen über die inhaltliche Ausrichtung der ÖWH mit dem Caritasverband des Main-Taunus-Kreises der Grund. »Mit dem Wechsel der Geschäftsführung des Caritasverbandes Main-Taunus im vergangenen Jahr ist die langjährige Kooperation von Seiten der Caritas Schritt für Schritt beendet worden«, teilen dazu die beiden ÖWH-Vorsitzenden Günter Adam und Ottmar Vorländer mit.

Zwar sind auch die beiden evangelischen Dekanate Kronberg und Hochtaunus Mitglieder im Verein und über die beiden Dekanate im Kuratorium vertreten. Doch die finanziellen Zuschüsse von evangelischer Gemeinden sind im Vergleich zu den bisherigen Finanzspritzen vom Bistum und Caritas minimal.

Kritik richtet sich auch gegen Main-Taunus-Kreis

Die seit über 20 Jahren gleichbleibende Finanzierung durch den Main-Taunus-Kreis kritisiert der Verein ebenfalls. Doch der Landkreis kontert: »Im Frühjahr kamen Herr Adam und Herr Vorländer zu mir und sprachen erstmals über den finanziellen Engpass«, teilt der Sozialdezernent des Main-Taunus-Kreises und Kreisbeigeordnete Johannes Baron auf Anfrage mit.

Der Kreis habe vom Verein Jahresberichte mit der jeweiligen Finanzlage erhalten, so Baron weiter. Darin sei keine drohende finanzielle Schieflage zu erkennen gewesen. Dass der Verein nun eine Finanzierungslücke als Grund für die Kündigungen anführe, liege wohl am Ausfall von Fördermitteln aus anderen Quellen.

»Der Kreis kann aus verschiedenen Gründen hier nicht ohne weiteres einspringen«, sagt Baron. Der Landkreis stehe aber zu den bisherigen Vereinbarungen und werde vom Verein im Rahmen der Wohnungssuche im Kreisgebiet erbrachte Leistungen auch weiterhin finanzieren.

Caritas will sich weiterhin für Betroffene engagieren

»Jeder Mensch braucht ein Zuhause«, lautet das diesjährige Motto einer Kampagne des deutschen Caritasverbandes. Bitter, dass nun ausgerechnet der Caritasverband Main-Taunus die Ökumenische Wohnhilfe Taunus (ÖWH) in eine existenzbedrohliche Krise führt. So zumindest die Darstellung des Vereins. Der Geschäftsführer des Caritasverbandes Main-Taunus sieht das anders.

»Das Thema Wohnungsnot ist für unsere Arbeit nach wie vor von ganz hoher Bedeutung«, teilt dazu Torsten Gunnemann, seit vergangenem Jahr Geschäftsführer des hiesigen Caritasverbandes mit. »Wir werden uns weiterhin engagieren. Wenn der Verein seine Arbeit nicht mehr wahrnehmen kann, sind wir natürlich bereit, im Sinne der Betroffenen die Arbeit fortzuführen.« Die Büroräume habe der Caritasverband Main-Taunus dem Verein gekündigt, weil die Voraussetzung über die inhaltliche Zusammenarbeit und die strategische Ausrichtung nicht mehr stimme. Entsprechend fehlen dem Verein Zuschüsse in Höhe von rund 50 000 Euro.

Von Matthias Pieren

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