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Kirchenasyl

Pfarrer nicht kriminalisieren

Doris SticklerDer frischgebackene Vorstand stößt auf die Gründung an (von links): Heike Scherneck, Anja Harzke, Tobias Krohmer, Susanne Domnick und Nicole Lauterwald.

Frankfurt. Immer öfter ernten Pfarrer und Kirchengemeinden Kritik, wenn sie Flüchtlingen Kirchenasyl anbieten. Viele sind dann alleine mit der Situation. Ein neuer Verein will nun Lobbyarbeit für das Kirchenasyl machen.

Der Wind bläst uns entgegen, es wird immer restriktiver. Pfarrerinnen und Pfarrer werden zunehmend kriminalisiert.« Mit diesem Satz fasste Anja Harzke bei der Gründungsversammlung des Vereins »maqom. Kirche und Zuflucht« die Lage von Gemeinden zusammen, die Kirchenasyl gewähren. Wie die Pfarrerin der Heddernheimer St. Thomasgemeinde betonte, werde sich der Verein dieser Entwicklung entgegenstellen und »Lobbyarbeit für das Kirchenasyl leisten«. Es liegt für die stellvertretende »maqom«-Vorsitzende nahe, dass dies »aus christlicher Verantwortung heraus« geschehe. »Die Bibel ist ein Buch von Flucht und Geflüchteten«, sagt sie.

Kirchliche Räume als Schutz und Herberge

Darauf weist der unter dem hebräischen Begriff für Raum, Obdach, Zuflucht firmierende Verein in der Präambel hin. Dort ist zu lesen, dass das Matthäuswort »Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen« Anspruch und Auftrag sei und zum »grundlegenden Selbstverständnis der Kirche« gehöre. In diesem Sinne unterstützt »maqom« künftig Gemeinden in ihrer Verantwortung für Flüchtlinge. Die Mitglieder treiben mit Diskussionen das Bewusstsein für die Schutz- und Herbergsfunktion kirchlicher Räumlichkeiten voran, beobachten und kommentieren die gesellschaftspolitischen Entwicklungen in Sachen Flüchtlingsaufnahme, Integration, Abschiebung und Menschenrechte. Das Augenmerk richtet sich hierbei auf das Gebiet der hessen-nassauischen Kirche (EKHN). Hier verhindern gegenwärtig 22 Gemeinden die Abschiebung von 33 Menschen mittels Kirchenasyl.

Engagierte Pfarrer und Pfarrerinnen

»maqom« widme sich einer Fülle an Aufgaben, sei aber »keine Parallelveranstaltung zur Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche (BAG)«, stellte Susanne Domnick klar. Man werde im Gegenteil eng mit der Bundesarbeitsgemeinschaft kooperieren. Die Pfarrerin der Kirchengemeinde Friedberg sitzt im Vorstand. Vorstandsmitglied Heike Scherneck ist als Kirchenvorstandsvorsitzende der Gießener Stephanusgemeinde, die seit vier Jahren durchgehend Kirchenasyl gewährt, seit langem in der BAG aktiv. Zum Leitungsgremium des von Haupt- und Ehrenamtlichen aus dem Netzwerk der Flüchtlingshilfe angestoßenen Vereins gehören zudem die Kirchenvorstandsvorsitzende der Rödel-heimer Cyriakusgemeinde, Nicole Lauterwald, und als Vorsitzender der Referent für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Hochtaunus, Tobias Krohmer. Zur Gründungsversammlung aus Berlin angereist, begrüßte die BAG-Referentin Ulrike La Gro die Verstärkung. Doris Stickler

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