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Fußballer diskutieren

Rote Karte für rechte Fans

Frankfurt . Hier ein rechter Spruch aus der Stehkurve, da ein Rempler auf dem Weg aus dem Stadion: Ausländerfeindlichkeit im Fußball hat vermutlich jeder schon mal erlebt. Dem zu begegnen ist schwer, aber möglich.

Doris SticklerHaben eine klare Haltung zu Fremdenfeindlichkeit im Sport: Matthias Thoma (von links), Alon Meyer, Olivia Sarma und Mohamed. Darüber sprechen sie im Dialogzelt auf dem Campus Westend in Frankfurt.

Als Mohamed zu Makkabi wechselte, blieb das bei seinen muslimischen Freunden nicht unkommentiert. Manche reagierten mit Frotzeleien, andere fragten erstaunt, warum er jetzt in einem jüdischen Verein Fußball spielt. Das weiß der 16-Jährige sehr genau: »Makkabi ist wie eine Familie, ich fühle mich dort wohl, werde angenommen und finde immer jemanden zum Reden.« Außerdem stehe er manchmal sogar schon für die A-Jugend auf dem Platz und habe angefangen, andere zu trainieren.

Mohamed fühlt sich doppelt betroffen

So sehr sich Mohamed über seine Makkabi-Zugehörigkeit freut, so sehr betrüben ihn die antisemitischen Ausfälle, die er nun bei Spielen erlebt. »Ich fühle mich davon doppelt betroffen, weil sie oft von muslimischer Seite kommen.« Wie er bei der Diskussion »Über die präventive Kraft des Fußballs! Gegen Rassismus und Antisemitismus« erzählte, werde er selbst mit dem Vorwurf »Du hast deine Seele verkauft« angegangen. Solche Reaktionen bestätigen dem Fachoberschüler nur: »Die meisten, die Vorurteile gegen Juden haben, kennen gar keine Juden.«

Stimmung hasserfüllt und aggressiv wie nie zuvor

Dass Unkenntnis abstrusen Vorstellungen und Antisemitismus Vorschub leistet, beobachtet der Präsident von Makkabi Deutschland und Makkabi Frankfurt, Alon Meyer, seit einigen Jahren verstärkt. Obwohl in Frankfurt die 1700 Mitglieder des Turn- und Sportvereins aus allen Kulturen und Religionen stammen – nur knapp 30 Prozent seien Juden – verzeichne er »bei Fußballspielen eine so hasserfüllte und aggressive Stimmung wie nie zuvor«.

Ein Netzwerk von Vereinen aufbauen

Die Übergriffe erstreckten sich von verbalen Ausfällen, wo Sätze wie »Euch Scheiß-Juden hat man vergessen zu vergasen« fallen über Handgreiflichkeiten bis hin zu Messerattacken. Wenngleich er jeden antisemitischen Vorfall meldet, hält der mit dem Integrationspreis seiner Geburtsstadt Frankfurt bedachte 44-Jährige von Bestrafung wenig. Makkabi versuche vielmehr, im Vorfeld auf problematische Vereine zuzugehen.esz/Doris Stickler

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