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Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung fordert Meldestellen

Schüler für Antisemitismus sensibilisieren

Gerrit MaiÜbergriffe auf Juden bezeichnet Felix Klein als »skandalös«.

BAD HOMBURG. Viele Juden fühlen sich nicht mehr sicher. Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, möchte das Thema Antisemitismus verstärkt im Unterricht einbringen.

Felix Klein ist sicher: »Zivilcourage ist das zentrale Element im Kampf gegen Antisemitismus.« Klein ist seit einem Jahr Bundesbeauftragter des Bundestages für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus. Die Veranstaltung o, Landratsamt Bad Homburg war Teil der Woche der Brüderlichkeit der Gesellschaften für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit.

Aussagen wie die AfD-Politikers Alexander Gauland gelte es gemäß dem Motto der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus: »Mensch wo bist du? Gesellschaft gegen Antisemitismus«, beherzt entgegenzutreten, forderte deren Vorsitzende Angelika Rieber. Gauland hatte den Holocaust als einen »Vogelschiss der Geschichte« bezeichnet. Menschfeindliche Vorurteile im Zusammenhang mit der Ausgrenzung anderer seien nicht hinnehmbar, sagte Rieber.

Schulen als Übungsfelder für Demokratie und Respekt

Antisemitismus sei nicht nur das Problem der direkt Betroffenen, sondern der gesamten Gesellschaft. Es gefährde die Grundlagen einer liberalen Demokratie, betonte Klein, der kein Jude sondern engagierter Protestant ist. Für den Fachmann haben Schulen eine Schlüsselrolle. Sie seien wichtiger Orte, an denen jüdische Geschichte und deren Verbindung zu Deutschland sowie über den Holocaust vermittelt werden müsse. Das sei umso wichtiger, je weniger Augenzeugen es gebe. »Schulen sind Übungsfelder für eine demokratische und respektvolle Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Religionen und Kulturen.«

Er wies aber auch darauf hin, dass Judenhass kein neues Phänomen oder eines, das der Nationalsozialismus erfunden habe, sei. »Antijudaismus gibt es seit Jahrhunderten. Die Umsetzung der Nationalsozialisten übertrifft jedoch an Grausamkeit alles bisher da gewesene.« Klein erinnerte an Albert Einstein und machte klar, dass Deutschland den Juden viel zu verdanken habe, dass ein Drittel der Deutschen Nobelpreise vor 1933 an Juden gegangen waren.

Unterscheiden zwischen Politik und Glaube

Vielen sei die Grenze zwischen Politik und Glaube nicht bekannt. Kritik an der Politik sei legitim, jüdische Schüler für das Handeln des Ministerpräsidenten verantwortlich zu machen, indes Antisemitismus, machte der Experte deutlich.

Gerichtsurteile oder Polizeiverhalten hätten gezeigt, dass der Unterschied zwischen einer Sachbeschädigung und Antisemitismus nicht allen bekannt sei. Klein strebt daher für jedes Bundesland eine Meldestelle an, um zu sensibilisieren. Zudem sei es wichtig, dass Gemeinden sich öffnen, um zu zeigen, wie vielfältig deren Leben ist.

Von Gerrit Mai

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