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Netzwerke helfen gegen Hasskommentare

Strategien gegen den Hass im Internet

Getty images/Elena BrovkoDie Liebe besiegt den Hass.

MAINZ. Gegen hasserfülltes Gebrüll in sozialen Netzwerken scheint kein Kraut gewachsen. David Scheuing hingegen kennt eines. Es sind sogar drei.

Armin ThomasDavid Scheuing rät, sich im Internet zu vernetzen und so Trolle und Schreiber von Hasskommentaren an den Rand zu drängen.

Rechte Gewalt ist kein neues Phänomen in der deutschen Gegenwart«, betont David Scheuing. Der Friedens- und Konfliktforscher erinnert an die ausländerfeindlichen Gewalttaten in der Bundesrepublik Anfang der 1990er Jahre, nennt die Orte Mölln und Hoyerswerda. »Die Friedens- und Konfliktforschung hat damals Formen der Gegenrede entwickelt, die wir nun auch im Blick auf die Hasskommentare anwenden können.«

Digital Zivilcourage zeigen

Scheuing ist Fortbildungskoordinator des Projekts »LOVE-Storm«. Bei einem Workshop in den Räumen der rheinland-pfälzischen Landeszentrale für politische Bildung (LpB) in Mainz vermittelt er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wie sie digital Zivilcourage zeigen können. Dazu eingeladen hatte die Projektgruppe Zivile Konfliktbearbeitung Rhein-Main, in der neben der LpB das Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck, Pax Christi Mainz und Limburg, das Referat Weltmission/Gerechtigkeit und Frieden im Bistum Mainz und das Bildungswerk Hessen der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinte Kriegsdienstgegner mitwirken.

Dreiklang hilft gegen Hasskommentare

Der Referent zeichnet einen Dreiklang an Schritten vor, die gegen Hasskommentare helfen: Wenn jemand angegriffen wird, sollte man ihn erstens schützen und stärken. Zuschauende sollten zweitens motiviert werden, auch einzugreifen. Dem Angreifer setze man drittens Grenzen – und zwar gewaltfrei. »Auf keinen Fall sollte man alleine vorgehen und den starken Max markieren«, sagt der 30-Jährige. Ziel sei es, einen Mittelweg zu finden: sich selbst schützen und sich gleichzeitig wehren.

Rollenspiele helfen den Teilnehmern

Im Mainzer Workshop führen sich die Teilnehmer den konkreten Ablauf eines Vorfalls in einem Rollenspiel vor Augen. Eine muslimische Autorin hat zu einer Lesung eingeladen und bekommt eine Mail: »Du mit deinem Kopftuch kannst froh sein, dass du in Deutschland lebst. Bei dir zu Hause dürftest du nicht mal Bücher lesen, geschweige denn schreiben.« Die Teilnehmer äußern sich im Chat als »Angreifer« oder »Eingreifer«, andere bleiben stumme Zuschauer.

Hass ist leider interessant

Einige Eingreifer schreiben, dass sie zur Lesung gehen wollten, um die Autorin zu unterstützen. Und sie laden andere Leser ebenfalls dazu ein. Am meisten Beachtung unter den Teilnehmern aber finden die Beiträge der Angreifer. Ihnen geht es nicht um die Lesung, sondern ausschließlich um Diskriminierung. »Ich wollte einfach nur draufhauen und habe gar nicht gelesen, was andere schreiben«, erklärt ein Angreifer später sein Verhalten im Rollenspiel. Die Eingreifer geben zu: »Das Tempo der Hass-Botschaften reduziert die Lust, dagegenzuhalten. Die Angegriffene berichtet, dass sie die Unterstützung wahrgenommen hat, sich aber mehr Aufmerksamkeit gewünscht hätte. Aus diesen Beobachtungen schließt Scheuing: »Hass ist offenbar interessant.«

Der Hass verläuft sich

In einer zweiten Spielrunde setzt der Koordinator die Eingreifer räumlich zusammen. In der Gruppe können sie sich nun besser austauschen. Jetzt zeigt sich, dass die Eingreifer sich stärker artikulieren und das Interesse deutlich auf die Lesung der Autorin gelenkt wird. Der Hass verläuft sich. Scheuing ist sichtlich zufrieden mit dem Verlauf des Workshops: »Gegenrede ist die Kunst, respektvoll auf Respektlosigkeit zu antworten«, sagt er. Dem Sturm des Hasses also einen Sturm der Liebe entgegensetzen.

Von Armin Thomas

www.love-storm.de

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