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Astrophysiker erklärt das Himmelsphänomen

Was der Stern von Bethlehem gewesen sein könnte

WikimediaCommons CC-BY-SA 3.0/Mathias KrumbholzWodurch hätte der Sternenhimmel von der Ankunft des Heilands künden können?

GLAUBURG. Komet, Supernova oder eine Planetenkonjunktion? Das sind Erklärungsansätze dafür, was der Stern gewesen sein könnte, der die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe Jesu gelotst haben soll. Bruno Deiss hält zwei von ihnen für wenig glaubhaft.

Corinna WillführBruno Deiss wägt mehrere Erklärmöglichkeiten für den Stern von Bethlehem ab.

Bruno Deiss ist als Wissenschaftler, wie er sagt, »nicht für Wunder zuständig«. In seinem Vortrag »Der Stern von Bethlehem – aus astronomischer Sicht« im Museum Keltenwelt am Glauberg widmet sich der Direktor des Physikalischen Vereins Frankfurt dennoch jenem Himmelsphänomen, das über die Jahrhunderte als »wandernder Wunderstern« geschildert wird: dem Stern von Bethlehem.

Fakten und Evangelien sind zweierlei

Für den Astrophysiker beginnen die Zweifel zum Datum der Niederkunft Marias bereits bei der Lektüre des Matthäus- und des Lukas-Evangeliums. Auf einem Zeitstrahl verdeutlicht Deiss, dass manches, was in den Evangelien zur Geburt des Heilands steht, nicht mit den Fakten übereinstimmt. König Herodes zum Beispiel starb bereits im Jahr 4 vor Christus. Für die erste Volkszählung steht der Name Quirinius als Statthalter. Dieser indes war erst nach Christi Geburt im Amt.

Der Halleysche Komet scheidet aus

Ebenfalls unzutreffend: dass der Halleysche Komet eine Erklärung für die Erscheinung des Sterns zu Bethlehem ist. Giotto di Bondone hat diesen als erster zwischen 1304 und 1306 für die Kapelle im italienischen Padua gemalt – nachdem der Schweifstern, ein kleiner Himmelskörper mit wenigen Kilometern Durchmesser, ob seiner großen Helligkeit für jedermann auf der Erde zu sehen war – im Gegensatz zu dem Zeitraum, der für die Geburt Jesu infrage kommt. Da weilte der Komet gerade außerhalb des Sichtfelds der Erdenbewohner. Gegen die Interpretation des Dreikönigssterns als Komet spricht auch, dass die Menschen der Antike Kometen eher nicht als Künder für das Herannahen von Heilanden ansahen, sondern für Unheil.

Keine Sternenexplosion um Christi Geburt

Dann könnte der Stern eine Supernova gewesen sein, also eine Sternenexplosion. Der Astronom Johannes Kepler hat diese These aufgestellt. Deiss widerspricht ihm allerdings. Im Jahre 1604 war Kepler vielleicht »einer der letzten, die eine Supernova gesehen haben«, sagt Deiss. Allerdings verzeichnet keine bekannte Chronik eine Supernova für die Jahre um Christi Geburt.

Seltene Konstellation von Planeten

Mit einer Konjunktion als Erklärung hingegen können Wissenschaftler sich anfreunden. Denn im Jahr sieben vor unserer Zeitrechnung standen sich Jupiter, der Königsplanet, und Saturn, der Deiss’ Worten zufolge »mit dem alten jüdischen Gott verknüpft wird«, so nahe, dass man sie gut und gerne als einen einzigen hellen Stern hätte wahrnehmen können. Zudem noch im Sternbild der Fische. Eine Konstellation, die sich ausgesprochen selten zeigt, aber nachweislich auf babylonischen Tontafeln dokumentiert ist.

Weihnachten war schon vor Weihnachten

Konjunktionen von Jupiter und Saturn an sich kommen aber gar nicht so selten vor. Die nächste wird im kommenden Jahr zu sehen sein – sogar kurz vor Weihnachten. In der Bibel ist zu lesen, dass zu Christi Geburt »ein Stern über dem Haus stehen blieb«. Den wissenschaftlichen Berechnungen zu dieser Konjunktion zufolge, müsste der Stern von Bethlehem am 13. November im Jahre sieben vor Christus gegen halb acht Uhr abends am hellsten geleuchtet haben.

Wunder gibt’s hier nicht

Das ist natürlich keine sichere Erklärung für das Phänomen des Sterns von Bethlehem. Deiss weiß das auch. »Wenn Sie jetzt mit mehr Fragezeichen nach Hause gehen als vor meinem Vortrag, ist mein Job erfüllt«, scherzt er am Ende. Alles andere wäre ja wohl wirklich ein Wunder gewesen, ist aus dem Publikum zu hören.

Von Corinna Willführ

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