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Interreligiöser Dialog in Bingen

Werte als Fundamente der Demokratie

Hilke WiegersReligionen und Staaten haben ein gemeinsames Ziel, sagen die Vertreter der Konfessionen beim Interreligiösen Gespräch in Bingen. Von links: Olliver Zobel, Moderator Ralf Kohl, Dorothea Schäfer, Hüseyin Kurt, Alexander Nawar und Yoshiharu Matsuno.

BINGEN. Immer wieder kam in der vergangenen Zeit die Frage auf, wie politisch die Religion sein darf – oder wie religiös die Politik. Bei den Antworten darauf liegen die Konfessionen gar nicht so weit auseinander.

Von Kirche wird einerseits Spiritualität erwartet, auf der anderen Seite wird aber auch gefordert, dass sie sich sehr wohl politisch äußert und sich für bestimmte Dinge einsetzen soll«, umriss Olliver Zobel das Thema des Abends im Ida-Dehmel-Saal in Bingen. Zum Interreligiösen Dialog hatten die Johanneskirchengemeinde und die Binger Volkshochschule eingeladen. Es ging um die Frage, wie politisch die Religion sein solle – oder wie religiös die Politik.

Hüseyin Kurt, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft türkischer Moscheevereine in Frankfurt, wies als Vertreter des Islams auf die Parallelen in Politik und Religion hin: »Religion«, sagte Kurt, »hat eine ähnliche Aufgabe wie Politik: Beide wollen die Menschen glücklich machen, aber bei der Religion ist das noch weitreichender. Diese interessiert sich nämlich auch für den Sinn des Lebens.« Problematisch werde es immer dann, wenn Religion oder Politik dazu missbraucht würden, um Macht zu erhalten.

Haben Bürger die Pflicht, ihre Religion auszuüben?

In diesem Zusammenhang wies Moderator Ralf Kohl die Zuhörerinnen und Zuhörer darauf hin, dass sich der deutsche Staat im Artikel 4 des Grundgesetzes für weltanschaulich neutral erklärt und seinen Bürgern so die Religionsfreiheit gewährt. Alexander Nawar, Ökumenereferent des Bistums Mainz und Vertreter des katholischen Christentums, leitete daraus ab, dass der Staat in Deutschland seine Bürger in die Pflicht nehme, ihre Religion auszuüben, »um in einem immer pluralistischen Land Toleranz zu garantieren«. So könne Kirche zu einem gelingenden Miteinander in der Pluralität beitragen.

Der Lehrmeister der buddhistischen Gruppierung Soka Gakkai in Bingen, Yoshiharu Matsuno, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass er einen »ethischen Buddhismus« vertrete. Dieser gehe davon aus, dass die Religion mit dem Staat gemeinsam für die Lebensumstände des Menschen verantwortlich sind, damit sich der Leib des Menschen gut entwickeln könne.

Warnung vor Übergriffen beider Seiten

Die Landrätin des Landkreises Mainz-Bingen, Dorothea Schäfer (CDU), hat beim Miteinander von Religion und Politik als Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau beide Seiten im Blick. Auch sie sei der Ansicht, dass sich Politik religiös erden müsse, erklärte sie. Allerdings warnte sie, vor Übergriffen beider Seiten in die Zuständigkeiten des jeweils anderen: »Wenn Politik zu mächtig wird und Einfluss auf die Religion nehmen will, oder umgekehrt, wenn Kirche nicht nur Rahmenbedingungen nennt oder sagt, was für Menschen aus dem Glauben heraus wichtig sein könnte, sondern wenn ganz konkret der Politik vorgeschrieben wird, was sie zu tun oder zu lassen hat, dann ist für mich die Grenze überschritten.«

Von Hilke Wiegers

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