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Rückhalt ist ganz wichtig

Wie Frauen ihr Leben und ihre Welt gestalten

Corinna WillführSo unterschiedlich sie sind, stehen sie gerade deshalb stellvertretend für die Vielfalt weiblicher Lebenswege: Lucia Puttrich (von links), Ulrike Pfeiffer-Pantring, Ulrike Obenauer, Schwester Maria Magdalena, Caroline Fürstin zu Stolberg-Roßla, Moderatorin Ronka Nickel und Dekanin Sabine Bertram-Schäfer.

GLAUBURG. Frauen können es ja nie allen recht machen. Widmen sie sich voll und ganz ihren Kindern, sind sie faul, arbeiten sie, sind sie Rabenmütter. Haben sie gar keine Kinder, sind sie unsozial. Es sei denn, sie sind Nonnen – aber dann haben sie andere Probleme.

Eine Fürstin, eine Künstlerin, eine Bürgermeisterin, eine Ministerin, eine Nonne: Fünf Frauen unterschiedlicher Profession und Konfession hat das Organisationsteam des Dekanatsfrauenausschusses und der Fachstelle Bildung im Dekanat Büdinger Land gewinnen können, sich am ersten Frauenmahl des Dekanats im Bistro der Keltenwelt am Glauberg zu beteiligen.

Die Veranstalterinnen hatten als Form nicht die Podiumsdiskussion gewählt, auch keine Talk-Show-Runde, sondern das direkte Gespräch, moderiert von Ronka Nickel, mit Caroline Fürstin zu Stolberg-Roßla, der Metallkünstlerin Ulrike Obenauer, der Ortenberger Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring (SPD), Lucia Puttrich (CDU), hessische Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, und Schwester Maria Magdalena Hörter von der Benediktinerinnen-Abtei Kloster Engelthal.

Die Fürstin und die Künstlerin

»Mit offenen Armen«, berichtete Caroline Fürstin zu Stolberg, sei sie, eine Bürgerliche aus dem Rheinland, im Fürstenhaus Ortenberg aufgenommen worden. Bevor sie ihren Mann kennenlernte, war sie als Europasekretärin im Hamburger Verlag Gruner + Jahr tätig. Aber da war die Liebe zu dem Mann, mit dem sie heute vier Kinder hat. Und die Einsicht, dass dieser nicht einfach von Ortenberg nach Hamburg hätte ziehen können. »Ich sehe es als Privileg an, mich in einer solchen Familiengeschichte zu bewegen. Es ist eine Lebensaufgabe, das Schloss mit seinen Schätzen zu erhalten«, sagte die Fürstin.

Obenauer wohnt nicht in einem Schloss. Vor 25 Jahren hat sich die Metallkünstlerin selbstständig gemacht, lebt und arbeitet in Bleichenbach. »Ich gehe jeden Tag in meine Werkstatt«, sagt sie. Doch es sei nicht nur Fleiß, der sie dazu bringe, sondern auch Angst. Bisher habe das, was sie geschaffen hat, sie getragen. Doch nachdem ihre rechte Schulter eingeschränkt sei, könne sie etwa die Kettensäge nicht mehr benutzen. Eine »Störung«, in der Obenauer trotz allem eine Chance sehe. Sie malt – wieder – und erstellt Entwürfe für Skulpturen, die von Metallbauern realisiert werden. »Kunst«, sagt sie, »ist etwas, was einen selber überrascht.«

Zwei Politikerinnen

Überrascht sei auch Pfeiffer-Pantring gewesen, als sie zum ersten Mal zur Ortenberger Bürgermeisterin gewählt wurde. Mittlerweile ist die Mutter zweier Kinder in der vierten Amtszeit Rathauschefin in ihrer Heimatstadt. »Je härter die Coaches waren, die ich hatte, umso mehr bin ich gereift«, rekapituliert sie ihre Karriere. Immer wieder sei diese von Personen unterstützt worden, »die meine Fähigkeiten gesehen haben.« Unabhängig von ihrem Geschlecht. »Frauen brauchen Chancen«, sagt sie.

Als mehrfache Mutter seit Jahrzehnten in der Politik aktiv ist Lucia Puttrich. Als Bürgermeisterin von Nidda, als stellvertretende Landesvorsitzende der CDU und aktuell als hessische Ministerin für Bundes- und Europangelegenheiten. »Als ich zur Wahl für das Bürgermeisteramt angetreten bin, habe ich meiner Familie versprochen, dass ich nicht gewinne.« Doch sie gewann. Von ihren beiden Töchtern habe sie gehört, dass sie zwar nicht immer anwesend gewesen sei, aber stets, wenn diese sie brauchten. »Als Mutter hast du immer ein schlechtes Gewissen«, sagte Puttrich »Aber wenn du dich an das schlechte Gewissen gewöhnt hast, kriegst du’s auch hin.«

Die Nonne macht eine Ausnahme

Auch Schwester Maria Magdalena von der Benediktinerinnen-Abtei Kloster Engelthal braucht dieses. Immer wieder aufs Neue. »Ich habe mich ziemlich geziert, heute Abend zu kommen«, gestand die Nonne. »Denn normalerweise verlassen wir Schwestern unser Kloster nicht für solche Veranstaltungen.« Was die Leiterin des Gästehauses in Engelthal dennoch bewog, mitzuwirken, war zum einen »der ökumenische Aspekt« des Frauenmahls und zum anderen, »dass die Verbundenheit zu unserem Glauben auch dokumentiert werden darf«. 16 Frauen sind es, die in der Abtei nach der Regel des Benedikt leben. »Ich bin eins mit dem, was ich soll«, fügt sie hinzu. Also mit ihrer Berufung, nicht allein mit dem, was sie vielleicht möchte. »Einen Mann und Kinder als Lebensentwurf auszuschließen, ist für eine Frau eine ziemliche Nummer«, erklärt sie. »So wie ich lebe, ist es für mich richtig«, sagt Schwester Maria Magdalena.

Zwei Dinge wurden bei allen Lebensläufen deutlich: dass eine Entscheidung immer auch Verzicht auf andere Optionen bedeutet. Und es Rückhalt braucht: ob von der Familie, vom Partner, vom Freundeskreis oder dem Glauben.

Von Corinna Willführ

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