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Aktuelles Buch des ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden

Wolfgang Huber spricht über Glaubensfragen

eöa/Armin ThomasWolfgang Huber (links), ehemaliger EKD-Ratsvorsitzender, mit Rainer Beier, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit im Dekanat Mainz.

MAINZ. Auch wenn Wolfgang Huber über Glaubensfragen sprechen sollte, beließ er es nicht beim Fragenstellen. In der Mainzer Christuskirche lieferte er auch Antworten.

G laubensfragen – eine evangelische Orientierung« lautet der Titel des aktuellen Buchs Wolfgang Hubers. Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war in die Mainzer Christuskirche gekommen. Eingeladen hatte die Evangelische Stadtkirchenarbeit Mainz.

Gott im Alltag nicht verstecken

Warum er über Glaubensfrage n spricht, beantwortete Bischof Huber ohne Umschweife: »Der christliche Glaube hat an Selbstverständlichkeit verloren. Lassen Sie uns dies als Herausforderung sehen.«

Die Aufgabe der Christen besteht seinen Worten zufolge darin, Gott im Alltag nicht zu verstecken. Christen sollten Glaubensfragen, wie im Buchtitel angesprochen, zur Sprache bringen. Religiöses Zeugnis ablegen – das sei Huber wichtig. Er erinnerte an Begegnungen mit dem im vorigen Jahr verstorbenen Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann, der diesen Begriff geprägt hat: »Religiöses Zeugnis ist ein Prinzip, das Toleranz nicht abstreitet, sondern ihr dient.«

Gemeinsamer Bezugspunkt

So verstehe Huber auch den Untertitel seines Buches: »Evangelische Orientierung« sei nicht konfessionell gemeint: »Der christliche Glaube stützt sich auf das Evangelium Jesu Christi. In dessen Zentrum stehen die Gnade Gottes und seine Barmherzigkeit.« Katholisch sein bedeute im Wortsinn »das Ganze umfassend«. Dies wiederum heiße, Vielfalt zu tolerieren und zu gestalten. »Wir haben einen gemeinsamen Bezugspunkt«, fasste Huber seine Ausführungen zusammen: »Die Orientierung an der Botschaft Jesu Christi ist die Kernorientierung unseres Glaubens.«

In der anschließenden Gesprächsrunde, die Stadtkirchenpfarrer Rainer Beier moderierte, stellten die Besucher dem prominenten Experten viele Glaubensfragen: Inwieweit müsse sich etwa der Islam in unseren Breiten verändern, wenn er mit uns ins Gespräch kommen will? Wie stehe es um den christlich-jüdischen Dialog? Wie entwickele sich Ökumene unter Papst Franziskus?

Kritische Fragen müssen erlaubt sein

Huber betonte, dass man im Blick auf den Islam auch kritische Fragen stellen müsse: »Wir tun gut daran, wenn wir die unterschiedlichen Strömungen im Islam wahrnehmen.« Ein Grundproblem des christlich-islamischen Dialogs bestehe im jeweiligen Selbstverständnis als Buchreligion: »Der Koran ist für Muslime die Offenbarung Gottes, die Bibel bezeugt die Offenbarung Gottes – das ist ein wesentlicher Unterschied.« Und ja, der Islam müsse sich hierzulande verändern, um demokratiefähig zu werden.

Im jüdisch-christlichen Dialog habe es in den vergangenen Jahrzehnten auf theologischer Ebene einen fruchtbaren Austausch gegeben. So habe die hebräische Bibel in der protestantischen Theologie eine enorme Aufwertung erfahren. Im Alltag der Gemeinden allerdings gebe es kaum Kontakte zueinander, bedauerte Huber. Die Ökumene sei nirgendwo so weit fortgeschritten wie in der Heimat der Reformation. Aber die von Papst Franziskus angekündigten Reformen kämen nicht zum Zug, bemängelte der frühere EKD-Ratsvorsitzende. Bei allem Bemühen um Dialoge dürfe man seine eigene Lerngeschichte nicht vergessen, mahnte Huber.

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