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Rechtssprechung

Würde – die schulden wir uns

Doris SticklerDie Würde ist nach Erfahrung von Günter Frankenberg (links) auch bei Fragen um Tod und Sterben nur schwer zu fassen. Frankenberg war ebenso wie Elke Jäger und Kurt W. Schmidt zu Gast in der Akademie.

Frankfurt . Die Würde des Menschen hat im Grundgesetz eine hervorgehobene Position. Doch wie das angesichts einer Krebsdiagnose oder eines Verbrechens der Fall ist, darüber diskutierten Experten auf Einladung der Evangelischen Akademie in Frankfurt.

Gleich im Artikel 1 lässt das deutsche Grundgesetz keinen Zweifel: »Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.« Dass man vor 70 Jahren die Würde an vorderste Stelle rückte, hat für den Rechtswissenschaftler Günter Frankenberg einen triftigen Grund. Es sei eine »beschwörende Formel«, die angesichts der nationalsozialistischen Gräueltaten einem »nie wieder« entspreche.

Da ist sogar mitunter das Recht überfordert

Wie alle anderen Grundgesetzartikel rechtlich und politisch verbindlich, werde der Artikel 1 in der Praxis allerdings »fast nie zur Argumentation herangezogen«. Das hänge mit der »Vielfalt an Bedeutungskontexten« zusammen. »Es gibt eigentlich keinen klaren Begriff von Würde. Würde überfordert das Recht«, brachte er im Rahmen der Vortragsreihe »Die Herausforderungen der personalisierten Medizin in der Onkologie« die Lage auf den Punkt.

Pragmatischer als Würdegarantie

Wenn es um Würde geht, bezögen sich Juristen daher auf das im Artikel 2 verbriefte Persönlichkeitsrecht, erklärte der Professor an der Frankfurter Goethe-Universität. Hierbei wägten sie Zweck und Mittel ab und legten den »Verhältnismäßigkeitsgrundsatz« an, denn: »Der ist pragmatischer als eine Würdegarantie.« Weil etwa eine Haftstrafe stets die Würde verletze, sei »selbst lebenslänglich zeitlich begrenzt«.

Vortrag in der Akademie

Bei seinem Vortrag in der Evangelischen Akademie zeigte Günter Frankenberg an mehreren Beispielen auf, vor welche Herausforderungen die Würde das Rechtswesen stellen kann. Darunter der Fall des entführten und ermordeten Jakob von Metzler, der nicht zuletzt wegen der Handlungsweise des damaligen Chefermittlers hohe Wellen schlug.

Rettungsfolter erlaubt?

In der Hoffnung, das Leben des elfjährigen Bankierssohns noch retten zu können, hatte er dem Täter die Anwendung von Schmerzen und Gewalt angedroht. Für das in der Justiz als »Rettungsfolter« bezeichnete Vorgehen musste sich der Frankfurter Polizeivizepräsident später strafrechtlich verantworten und eine Geldstrafe zahlen. Von Doris Stickler

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