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Ehrenamtliche im Besuchsdienst

Abwechslung im Einerlei

Getty Images/SquaredpixelsWer sich im Besuchsdienst engagiert, ist mitunter mit Menschen konfrontiert, die traurig sind oder sich beklagen. Das müssen die Freiwilligen aushalten.

BAD NAUHEIM/ROSBACH. Als Ernst Hebener vor acht Jahren in Rente ging, suchte er eine Beschäftigung, die Sinn ergibt, und fand den Besuchsdienst. Pfarrer Ernst Rohleder warnt allerdings vor unrealistischen Erwartungen an sich selbst.

Der Rosbacher Ernst Hebener nimmt sich regelmäßig Zeit, um alte Menschen im Bad Nauheimer Diakoniewerk Elisabethhaus zu besuchen. »Bei meinen Besuchen im Altenheim erfahre ich sehr viel Dankbarkeit«, sagt er. »Ich bin ein fröhlicher Mensch, mir geht es gut und ich möchte anderen von meiner Zeit etwas abgeben«, begründet der 74-Jährige sein freiwilliges Engagement.

Als er vor acht Jahren in Rente ging, überlegte er, mit welcher sinnvollen Tätigkeit er seinen neuen Lebensabschnitt füllen könnte. Als Personalleiter einer großen Firma war er es gewohnt, auf Menschen zuzugehen. Er entschied sich für eine Ausbildung im Besuchsdienst.

Sprechen über kleine und große Sorgen

Die Besuche des engagierten Ehrenamtlichen bringen eine Abwechslung in das graue Einerlei des Altenheim-Alltags. Hebener nimmt sich Zeit und spricht mit den Menschen über ihre kleinen und großen Alltagssorgen. »Es ist die Langeweile, die die Bewohner am meisten quält«, weiß er. »Wenn die alten Menschen traurig und resigniert sind, singe ich mit ihnen.«

Derzeit engagieren sich etwa 50 Ehrenamtliche beim Ökumenischen Besuchsdienst Wetterau. Im Januar beginnt ein neuer Ausbildungskurs in der Besuchsseelsorge. »Wir suchen Menschen, die bereit sind, regelmäßig einsame, alte und kranke Menschen zu besuchen, denn der Bedarf in den Altenheimen und Krankenhäusern ist groß«, sagt Pfarrer Ernst Rohleder vom Dekanat Wetterau. Die Ehrenamtlichen sollten bereit sein, ihre Besuche zu reflektieren und regelmäßig an Praxisbegleitungen teilzunehmen.

Ehrenamtliche lernen ihr Handwerkszeug in einem Kurs

Ihr Handwerkszeug lernen die Ehrenamtlichen bei einem Grundkurs, der aus einem Intensivtag und drei Abendveranstaltungen besteht. Während der Ausbildung beschäftigen sie sich auch mit sich selbst: welche Haltung sie zu Alter und Krankheit haben, wie viel Nähe und Distanz sie schaffen, was ihre Rolle als ehrenamtlicher Besucher ist. Auch den Umgang mit dementen oder sprachgestörten Menschen lernen die Freiwilligen. Nach der Ausbildung erhalten sie eine kontinuierliche Begleitung und können bei Interesse an einem Aufbaukurs teilnehmen.

Manchmal klagen die alten Menschen bei den Ehrenamtlichen über Probleme mit dem Pflegepersonal oder den Kindern. »In solchen Fällen ist es wichtig, sich abgrenzen zu können«, sagt Rohleder. Die eigenen Grenzen zu kennen heiße für die Mitarbeitenden des Besuchsdienstes auch, sich nicht mit zu großen Aufgaben zu belasten. »Ein familiäres Zerwürfnis kitten zu wollen, wäre eine unrealistische Erwartung an sich selbst«, warnt der Pfarrer.

Viel gelernt und neue Kontakte geknüpft

Für Ernst Hebener ist der Besuchsdienst ein lohnendes Ehrenamt. Als Christ habe er sich dazu von seinem Glauben motivieren lassen. Die alten Menschen, zu denen er regelmäßig geht, wissen seinen Einsatz zu schätzen. Das Gefühl gebraucht zu werden helfe ihm auch selbst, sagt er: »Durch den Besuchsdienst habe ich viel gelernt und neue Kontakte geknüpft. Außerdem ist es schön, abends mit der Gewissheit einzuschlafen, tagsüber etwas Sinnvolles geleistet zu haben.«

Von Claudia Pfannemüller

Am 17. Januar um 19 Uhr veranstaltet der Ökumenische Besuchsdienst einen Informationsabend für interessierte Ehrenamtliche im Erasmus-Alberus-Haus in Friedberg. Infos bei Pfarrer Ernst Rohleder unter Telefon 01 51/59 46 25 87 oder E-Mail altenseelsorge.wetterau@ekhn-net.de.

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Tel.: 069 / 92107-444
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