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NS-Zeit

Aus der Bäckerei nach Bergen-Belsen

eöa / Peter BongardJakob Saß hat sich auf die Spur von Adolf Haas (Buchcover) gemacht und in Mogendorf über das Leben des Hachenburgers erzählt.

Mogendorf . Adolf Haas ist Bäcker in Hachenburg. Doch er gibt eines Tages seine Bäckerei auf und widmet sich voll und ganz der SS: Er verfolgt Kommunisten, erpresst Juden – und er übernimmt das Kommando im KZ Bergen-Belsen.

Wie kann ein Westerwälder Bäcker zum hassenden »Herrgott« werden? Diese Frage hat Jakob Saß lange beschäftigt. Während seines Studiums beginnt der Berliner Zeithistoriker, sich mit diesem Menschen zu beschäftigen: mit Adolf Haas, einem ganz normalen Mann, der in den 1940er Jahren zum gefürchteten KZ-Kommandanten wird. Auf Einladung des Kulturkreises Mogendorf spricht Jakob Saß in der Kirche. Also an dem Ort, der früher eine Synagoge war und den Haas vor 81 Jahren verwüstet hat.

Ein ziemlich gewöhnliches Leben - zunächst

Jakob Saß hat ein Buch über Adolf Haas geschrieben. »Gewalt, Gier und Gnade« heißt es und zeigt auf dem Titelbild ein grimmiges Gesicht mit Hitler-Bärtchen und Totenkopf-Emblem. Mit Fotos und Dokumenten zeichnet Jakob Saß in Mogendorf das Leben des Nationalsozialisten nach: Geboren in Siegen wächst Haas in Hachenburg auf. Er ist ein schwacher Schüler, steht besonders mit dem Schreiben auf Kriegsfuß und führt ein ziemlich gewöhnliches Leben.

Der Bäcker wird immer rücksichtsloser

Bis er 1913 der Marine beitritt. Er wird in China stationiert, und dort trifft ihn die volle Wucht des Ersten Weltkriegs. Vor seinen Augen wird sein Freund von einer Granate zerrissen, Haas selbst gerät in japanische Kriegsgefangenschaft. Diese Jahre haben Adolf Haas verändert. Ob sie ihn zum überzeugten Nazi haben werden lassen, bezweifelt Jakob Saß. Als die NSDAP nicht nur im Westerwald Erfolge feiert, tritt ihr der Bäcker 1931 bei. Ein Jahr später ist er bei der SS, wird Partei-Abgeordneter und setzt durch, dass in Hachenburg alle Straßennamen entfernt werden, die auf jüdisches Leben verweisen. Der Bäcker wird immer rücksichtsloser; verfolgt Kommunisten, erpresst jüdische Bürger. Nach der Machtergreifung gibt er seine Bäckerei auf und sich ganz der SS hin.

1800 Ermordete unter seiner Leitung

Danach geht es für Adolf Haas’ Karriere aufwärts. Zwar schließt er seine Ausbildung im Konzentrationslager Sachsenhausen mehr schlecht als recht ab. Aber irgendwie gelingt es ihm trotzdem, sich ins rechte Licht zu rücken. Der einfach gestrickte Haas wird Leiter des KZ Niederhagen, nennt sich »Herrgott« und entscheidet dort über Leben und Tod.

Leiter im KZ Bergen-Belsen

Haas’ persönliche Götterdämmerung beginnt im Kriegswende-Jahr 1943. Er wechselt ins KZ Bergen-Belsen, in das Konzentrationslager, in dem auch die in Frankfurt geborene Anne Frank stirbt. Unter seiner Leitung ist die sanitäre Situation im Lager katastrophal – obwohl Bergen-Belsen damals nicht als das schlimmste Konzentrationslager gilt, sagt Jakob Saß: »Es gibt Berichte von Menschen, die sagen, dass Haas sie verschont oder ihnen sogar das Leben gerettet hat.« Oft aber nicht aus Nächstenliebe, sondern zum eigenen Nutzen.

Von Peter Bongard/esz

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