Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Klang in der Stille

Chor singt gemeinsam – und doch jeder für sich

Imme RiegerDer heimische Rechner dient Hans-Joachim Reh als Mischpult.

LANGGÖNS. Die digitale Technik bietet viele Möglichkeiten. Zum Beispiel können Sänger mit ihr die Stille durchbrechen, die ihnen die Corona-Pandemie aufzwingt.

Imme RiegerKirchenchormitglied Janina Hill demonstriert, wie sie ihren Gesang aufgenommen hat.

Chorgesang ohne Chor. Das geht durchaus. Denn wegen Corona dürfen Chöre seit vielen Wochen nicht zusammenkommen, um gemeinsam zu singen. Hans-Joachim Reh, Leiter und Dirigent des Kirchenchors in Lang-Göns, weiß: »Die Qualität der Stimme wird nicht besser, ohne zu singen.«

Klassiker der Popmusik

Reh überlegte, wie er als Chorleiter ohne Chor sein Ensemble trotzdem zum Singen bringen kann. »Ich dachte darüber nach, mit den digitalen Möglichkeiten Musik zu sammeln und dann zu mischen!« Das hörenswerte Ergebnis war vor kurzem Teil eines Online-Gottesdienstes.
Der Kirchenmusiker hat in den vergangenen Wochen oft an einen Klassiker der Popmusik gedacht, nämlich »Sound of Silence« von Simon & Garfunkel. »Dieses Lied, diese Melodie – für mich eine der schönsten überhaupt – ist im übertragenen Sinne jetzt Realität geworden, jedenfalls für Chöre«, sagt Reh, und fragte sich: »Was also kann man dieser Stille entgegensetzen?«.

Mal ein Choral, mal ein Kanon

Anfangs hat der Lang-Gönser seinen Chor wöchentlich mit Musik versorgt, am Rechner eingespielt und über E-Mail verschickt. Mal ein Choral, ein Kanon, ein anderes Mal ein Ausschnitt aus einem Konzert. Aber bei allen Bemühungen sei ein großes Defizit geblieben: »Auch, weil ich nicht wusste, ob die Chormitglieder auch wirklich zu der Musik singen.« Also dachte Reh darüber nach, digitale Mittel einzusetzen, damit Musik zu sammeln und dann zu mischen.
Reh setzte sich an seinen Rechner, erstellte zum Lied »Jesus in my House« ein Playback, schickte es an alle Chormitglieder und bat darum, das Lied mitzusingen, aufzunehmen und ihm die Audio-Datei dann zu schicken. 15 der insgesamt 45 Chormitglieder machten mit. »Einige hatten kein Smartphone, einige waren krank oder anderweitig verhindert, manche hatten technische Probleme und manche trauten sich auch nicht«, berichtet Reh von der Resonanz. Schließlich sei es ja schon ein bisschen ungewohnt, ähnlich als würde man einem Lehrer eine Arbeit abgeben. Nachdem alle ihren Gesang abgeliefert hatten, mischte Reh die einzelnen Stücke zusammen.

Warten aufs gemeinsame Singen

Wenn Hans-Joachim Reh das nächste Mal zum digitalen Chorgesang einladen wird, plant er, vorher auch Notenblätter zu verteilen, um das Singen zu erleichtern. »Wir warten gespannt auf den Tag, an dem wir wieder gemeinsam singen können, im Chor und im Gottesdienst«, sagt er. Und empfiehlt bis dahin: »Singen vertreibt schlechte Laune, verbessert das Immunsystem, und unser Schöpfer freut sich über jeden dankbaren Ton.«

Von Imme Rieger

Das Ergebnis des Chorprojekts ist online zu hören unter www.langgoens-evangelisch.de/online-gottesdienste/.

Diese Seite:Download PDFDrucken

Ihre Ansprechpartnerin

Renate Haller (rh)
Chefin vom Dienst

Tel.: 069 / 92107-444
E-Mail

to top