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Klimawandel

Der Wald ist krank

Gettyimages/Sabine Hortebusch

Gettyimages/Henrik_LEr fühlt sich wohl, und das ist ein Problem: ein Borkenkäfer.

Der Wald ist die grüne Lunge der Erde. Er zieht Kohlendioxid aus der Luft und gibt Sauerstoff ab. Der Wald beherbergt und ernährt Zehntausende von Tierarten, ist zugleich aber auch Nutzfläche und Wirtschaftsfaktor. Der Wald ist Naherholungsgebiet, Wanderparadies und Jagdrevier, oder unberührte Wildnis. Doch dem Wald geht es schlecht – auch und gerade in Deutschland.
Wer wachsamen Blickes durch den Wald geht, kann es nicht übersehen: Der Wald ist angeschlagen, viele Bäume sind krank oder gar tot. Lichte Kronen, kahle Äste, manche der Holzriesen recken nur noch blankes Geäst gen Himmel. Stellenweise sind ganze Hänge kahl oder voller Baumleichen. Und schuld ist der Mensch.

Dürren und Stürme zugleich

Schnellwachsende Fichten-Monokulturen machen den Wald anfällig für Krankheiten oder Schädlingsbefall. Die Holzernte mit schwerem Gerät verdichtet den Waldboden, schädigt dessen Mikroklima. Der menschengemachte Klimawandel bringt Dürren und Stürme zugleich – das ist der reinste Stress für den Wald.
Ralf Bördner von Hessen Forst stellt resigniert fest: »Die Katastrophe ist fast Normalität geworden.« Neben größeren oder kleineren »Sturmereignissen« mache vor allem »ganz eklatant die Borkenkäfer-Kalamität« dem Wald zu schaffen, erläutert der Forstamtleiter in Wiesbaden-Chausseehaus. Fichten seien von dem Insektenfraß am stärksten betroffen. Hauptursache für die massenhafte Verbreitung des Borkenkäfers sei die Trockenheit der vergangenen Jahre. Zudem begünstige die regenarme Witterung die Entstehung von Waldbränden.

Bäume können sich gegen den Borkenkäfer nicht mehr wehren

Wenn der Klimawandel häufiger zu Wolkenbrüchen führt, nützt das dem Wald jedoch überhaupt nichts. Denn der Starkregen kann von den ausgetrockneten Böden gar nicht aufgenommen werden, sondern fließt einfach ab, klagt Bördner. Sämtliche Waldbäume seien daher »durch die Trockenheit in ihrer Vitalität geschwächt«. Dadurch könne sich der Borkenkäfer leichter einbohren, »quasi ohne Gegenwehr des Baumes«, und den Baum zum Absterben bringen.

Buchen und Fichten am schlimmsten betroffen

Hessenforst versucht daher nach Bördners Angaben, den »Wald der Zukunft noch klimastabiler, noch resistenter zu gestalten«. Dabei setze man auf die Anpflanzung vieler verschiedener Baumarten. Ohnehin sei der Mischwaldanteil in Hessen überdurchschnittlich hoch.
Nach Darstellung von Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hat sich der Zustand des hessischen Waldes nach der erneuten Trockenheit im vergangenen Jahr noch einmal dramatisch zugespitzt. Die Absterberate und der Anteil starker Schäden wiesen die bisher höchsten Werte überhaupt auf, berichtete Hinz Ende November bei der Vorlage des Waldzustandsberichts 2019. Am schlimmsten betroffen sind demnach Buchen und Fichten.
»Der Klimawandel ist in Hessen angekommen«, fasste die Ministerin die aktuelle Situation zusammen. Das Jahr 2019 sei zu trocken und zu warm gewesen, so dass sich der Borkenkäfer massenhaft vermehren konnte und auch viele junge Pflanzen abgestorben seien. Stürme und Waldbrände hätten noch zusätzliche Schäden angerichtet. Zudem löste die Extremwettersituation stärkere Absterbe-Erscheinungen durch Pilze aus.

Selbst trockenheitsresistente Baumarten sind betroffen

Das gleiche Bild in Rheinland-Pfalz: Auch dort sind immer mehr Bäume extrem geschädigt. Ursache für die besorgniserregende Situation sei der Klimawandel, erklärte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) bei der Vorstellung des aktuellen Waldzustandsberichts. Danach wiesen 2019 insgesamt 82 Prozent aller Bäume erkennbare Schäden auf. Nach langanhaltender Trockenperiode sei der Anteil der stark geschädigten und abgestorbenen Bäume auf einen Höchstwert gestiegen, sagte Höfken: »Selbst Arten, die als trockenheitsresistent gelten, waren betroffen.« Vor allem der Zustand der Eichen in dem Bundesland verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr. Nahezu alle der insgesamt 44 Forstämter im Land hätten völlig ausgetrocknete Bäume gemeldet.

Von Jörn von Lutzau und Wolfgang Weissgerber

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