Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Muslimische Kleidung

Dezente Mode für starke Frauen

epd-Bild/Heike LydingMal schlicht und elegant, mal knallbunt mit viel Glitzer. Die muslimische Mode ist vielfältig.

FRANKFURT. Von Haute Couture über Streetwear bis zu Sportkleidung: »Contemporary Muslim Fashions« ist weltweit die erste Ausstellung, die sich mit aktueller muslimischer Mode auseinandersetzt.

Ein bodenlanges Gebetskleid in Weiß mit glitzernden Applikationen, ein schwarz-weißes Kleid mit einem Gürtel aus geprägtem Kunstleder, ein bodenlanges schwarzes Abendkleid mit Turban und Schal mit Federn und Pailletten besetzt. Mit diesen schwarz-weißen Looks beginnt die Ausstellung »Contemporary Muslim Fashions« im Frankfurter Museum Angewandte Kunst (MAK). Es geht um »Modest Fashion«, eine dezente, wenig körperbetonte Mode. 44 Milliarden Dollar Umsatz verzeichnet die Branche jedes Jahr.
Das MAK zeigt vom 5. April bis zum 15. September als erstes Museum in Europa eine Momentaufnahme dieses Trends und greift die gesellschaftlichen, religiösen, sozialen und politischen Aspekte der »Modest Fashion« auf. Vorher war die Ausstellung an den Fine Arts Museums of San Francisco zu sehen. Extra für Frankfurt hat das Museums-Team die Ausstellung um vier deutsche Designerinnen, Designer und Labels erweitert.

Mehr als nur Kopftücher

»Es ist keine Kopftuchausstellung«, sagt Direktor Matthias Wagner K. Verschiedene Frauenrechtlerinnen hatten die Schau im Vorfeld als »Skandal« und »Schlag ins Gesich«“ kritisiert. 80 Arbeiten von Designern aus den Bereichen Luxus-Mode, Alltagskleidung und Sportbekleidung vor allem aus dem Nahen Osten, Südostasien, USA und Europa machten die Vielfalt muslimischer Mode deutlich. Außerdem zeigt die Schau Fotografien und Material aus den sozialen Medien von Bloggerinnen.
»Es herrscht ein sehr stereotypes Bild davon, wie eine muslimische Frau ist und auszusehen hat«, sagt Kuratorin Mahret Ifeoma Kupka. Muslimische Mode werde oft mit einheitlichen schwarzen Stoffen und Kopftüchern verbunden. »In der Ausstellung gibt es einen ganz klaren Bruch«, sagt sie.

Auch Sängerin Beyoncé setzt auf »Modest Fashion«

Muslimische Frauen seien lange in einer westlich dominierten Modewelt vergessen worden, erklärt Wagner K. Mittlerweile agierten »Modest Fashion«-Designer auf den bedeutendsten Fashion Shows, sagt Jill D‘Alessandro, Kuratorin für Kostüme und Textilkunst an den Fine Arts Museums of San Fransisco. Besonders gut zeige dies das schlicht-elegante Kleid der Designerin Faiza Bouguessa, das bereits die US-amerikanische Sängerin Beyoncé getragen hat.
Viele Exponate setzen sich kritisch mit Bekleidungsvorschriften, patriarchalen Strukturen und Fremdbestimmung auseinander. Eindrucksvoll zeigt dies die Videoarbeit »Turbulent« (1998) der iranischen Künstlerin Shirin Neshat. Neshat zeigt Sänger Shoja Azari, der vor einem Publikum ein Lied über Erotik und geistliche Sehnsucht singt. Ihm stellt sie die Sängerin Sussan Deyhim gegenüber, die vor einem leeren Theatersaal eine Melodie ohne Worte anstimmt. Die Künstlerin verweist auf ein iranisches Verbot aus dem Jahr 1979, nach dem Frauen nicht mehr in der Öffentlichkeit singen durften.

Bequeme und schicke Sportmode für Muslima

Im Raum nebenan trägt eine Puppe ein Schwimm-Outfit mit royalblauem Oberteil und passender Hose – entworfen von der ägyptisch-amerikanischen Sporttaucherin Shereen Sabet für die Marke »Splashgear«. Auch bekannte Sport-Marken wie »Nike« entwerfen längst Kleidung für ihre muslimischen Zielgruppen, wie ein Plakat des Unternehmens zeigt. Darauf fechtet eine junge muslimische Frau in weißem Sportanzug und mit dunkler Kopfhaube.
Zur Ausstellung findet vom 12. bis zum 14. April ein Forum mit Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen sowie Bloggerinnen und Influencerinnen statt. Am 6. Juni ist in der Bildungsstätte Anne Frank unter dem Titel »Unterdrückung oder Freiheit? Der Streit um das muslimische Kopftuch« eine Diskussion mit der Publizistin Khola Maryam Hübsch und der Aktivistin Emel Zeynelabidin geplant.
Von Julia Hercka und Carina Dobra

Diese Seite:Download PDFDrucken

Ihre Ansprechpartnerin

Renate Haller (rh)
Chefin vom Dienst

Tel.: 069 / 92107-444
E-Mail

to top