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Religion

Die Islamisierung des Abendlandes fällt aus

eöa/Kai FuchsMichael Blume (sitzend) im Dialog: Er arbeitet unter anderem in Baden-Württemberg für Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Heusenstamm . Das Bedrohnungsszenario eines Islams, der alle westlichen Ländern überrennt, wird gerne nicht nur von rechten Politikern bemüht. Aber was ist dran an dieser vermeintlichen Bedrohung?

Vor allem mit seinem 2017 erschienenen Buch »Islam in der Krise – eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug« hat der Religionswissenschaftler und Autor Michael Blume für viel Gesprächsbedarf nicht nur im interreligiösen Dialog gesorgt. Woher kommt diese These, die der Wahrnehmung in Teilen der Bevölkerung gegenübersteht? Das interessierte die ökumenische Initiative »Religionen im Gespräch«, die Michael Blume zu Vortrag und Gespräch nach Heusenstamm eingeladen hatte.

Das Gegenteil ist der Fall

Als Ursachen für Radikalisierung des Islams einerseits und Resignation bei vielen Muslimen andererseits benannte Blume fehlende Bildungschancen für Jungen und Mädchen sowie den Gas- und Öldurst der westlichen Welt. »Der Islam scheint selbstbewusst zu expandieren«, heißt es im Klappentext von Blumes Buch. »Doch das Gegenteil ist der Fall.« Blume erklärt das Szenario als Symptom einer weltweiten tiefen Krise des Islam. Er zeigt: Noch nicht einmal für Deutschland lässt sich klar sagen, wie viele Muslime es tatsächlich dort gibt.

Massive Säkularisierungsprozesse

Michael Blume, der auch als Antisemitismusbeauftragter der baden-württembergischen Landesregierung arbeitet, verweist auf massive Säkularisierungsprozesse in der islamischen Welt. Er benennt, was die einstige Hochkultur in Krisen und Kriege stürzen ließ und bietet Ansätze, die Krise des Islams und die Konflikte zwischen den Kulturen besser zu verstehen und gemeinsam neue Lösungen zu finden.

Muslime fragen sich, was aus ihrer Kultur geworden ist

Auch der Mär vom »Geburten-dschihad«, also dem Vorwurf, hinter einer angeblich überdurchschnittlich hohen Fortpflanzungsrate bei Muslimen stände ein Streben nach Weltherrschaft, tritt Blume entgegen: »Wie in allen modernen Gesellschaftsformen, in denen Entwicklung und Verstädterung einsetzen, bricht auch in den meisten muslimisch geprägten Ländern die Geburtenrate drastisch ein. So leid es mir für die Verschwörungstheoretiker tut«, sagt Blume ironisch: »Die Islamisierung des Abendlands fällt aus.«

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