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Widerständlerinnen

Ein aufrechter Gang

Doris SticklerFrauen für Frauen. Eine Frauengruppe in Frankfurt beschäftigt sich mit Widerstandskämpferinnen im Nationalsozialismus.

Frankfurt. Fragt man Menschen nach Widerständlern gegen das NS-Regime, erklingen zumeist nur Männernamen. Dabei gab es auch Frauen, die den Nationalsozialisten die Stirn boten. Ein Stadtrundgang hat Menschen auf ihre Spuren geführt.

Bei ihrer ersten Inhaftierung war Franziska Kessel noch guter Dinge. »Macht euch um mich keine Sorgen, ich hau mich schon durch«, beruhigte sie ihre Freundinnen, die sie 1930 zum Preungesheimer Gefängnis brachten. Wegen »kommunistischer Betätigung« saß sie dort ein Jahr lang hinter Gittern. Nach der Entlassung leitete die 25-Jährige zunächst bei der KPD Hessen-Frankfurt die Frauenabteilung, im Jahr darauf zog sie als die jüngste Reichstagsabgeordnete nach Berlin. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht an sich rissen, ging Franziska Kessel in den Untergrund, wurde denunziert, im April 1933 verhaftet und im November wegen Vorbereitung zum Hochverrat ins Zuchthaus nach Mainz verfrachtet.

»Nach dem bekannten Muster geselbstmordet«

Dort war sie massiven Folterungen ausgesetzt, die ihr zuerst das Augenlicht und schließlich das Leben raubten. »Sie ist jetzt im Gefängnis nach dem bekannten Muster ›geselbstmordet‹ worden«, kommentierte eine Schweizer Zeitung im April 1934 ihren Tod. Es war der Preis für ihre standhafte Weigerung, belastende Aussagen gegen Angeklagte des Reichstagsbrandprozesses zu machen.

Der Name ist fast unbekannt

Wenn es um Widerstand gegen das NS-Regime geht, taucht der Name Franziska Kessel nur selten auf. Wurde Jahrzehnte später im Frankfurter Stadtteil Heddernheim immerhin eine Straße nach ihr benannt – gegen massive kommunalpolitische Proteste –, gerieten unzählige ihrer Leidensgenossinnen völlig in Vergessenheit. Um die mutigen Taten von Frauen ins Blickfeld zu rücken, brachte der »Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945« vor zwei Jahren die Wanderausstellung »Nichts war vergeblich. Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus« auf den Weg.

Ein Rundgang auf ihren Spuren

An Recherchen und Konzeption maßgeblich beteiligt, stellte die Gruppe Frauen-Lesben des Studienkreises überdies einen Rundgang durch Bockenheim auf die Beine, der den Spuren widerständiger Frauen in dem Frankfurter Stadtteil folgt. Von Doris Stickler

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