Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Bilder von trauernden Müttern in der Büdinger Marienkirche

Es tut den Frauen gut

Corinna WillführRita Schierhorn von der Hospizhilfe Büdinger Land neben dem Bild einer Mutter, deren Sohn im Alter von 24 Jahren starb.

BÜDINGEN. In einer Selbsthilfegruppe haben Frauen einen Weg gefunden, ihre Trauer künstlerisch auszudrücken.

Pusteblumen vor blauem Himmel, ein Herz inmitten von bunten Farblinien, in Schwarz-Weiß eine geballte Faust, die einen Blitz zu bannen scheint. Es ist weder das Motiv noch die Malweise, die die Bilder in der Ausstellung »TrauerFarbSpiel« in der Büdinger Marienkirche verbindet, sondern eine traumatische Erfahrung: der Verlust eines Kindes.

Der 21. August 2012 war ein sonniger Tag. Um 10 Uhr bricht Dominik zu einer Motorradtour auf. Eine Stunde später erreicht seine Mutter ein Anruf von der Polizei im Büro. Sie eilt nach Hause. Drei Menschen überbringen ihr die Nachricht. Dominik ist tödlich verunglückt. »Die Uhr bleibt stehen, mir kommt es vor wie ein übler Traum«, erinnert sich Giesela Dornhöfer. Drei Jahre nach dem traumatischen Erlebnis hat sie das Bild »Pusteblume« gemalt.

Kunsttherapeutin hat Konzept zur Ausstellung erarbeitet

»Trauer will sich ausdrücken und sie will gesehen werden«, schreibt Cordula Dreisbusch in dem Begleitbuch zur Ausstellung. Die Kunsttherapeutin und Leiterin einer Selbsthilfegruppe für trauernde Eltern hat das Konzept erarbeitet. Ein Konzept, das Rita Schierhorn überzeugt hat. 2016 sah die Büdingerin im Kloster Schmerlenbach bei Aschaffenburg die Ausstellung. Der Gedanke, die Bilder in ihrer Heimatstadt zu zeigen, ließ sie nicht mehr los.

Die 67-Jährige engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Hospizhilfe Büdinger Land. Ihr Anliegen fiel sowohl bei der Hospizhilfe wie auch in der Kirchengemeinde auf fruchtbaren Boden. Als Mitstreiter für das ökumenische Projekt – Schierhorn ist Katholikin – gewann sie nicht nur ihre Kolleginnen, sondern auch Pfarrer Andreas Weik, Pfarrerin Sandra Hämmerle und Pfarrer Andreas Marshella.

Gespräche können beim Bewältigen des Traumas helfen

»TrauerFarbSpiel« ermögliche den Betrachtern vielfältige Zugänge, sagt Hämmerle: über die Wahrnehmung, den künstlerischen Ausdruck oder einen rituell-seelsorgerischen Zugang. »Es tut den Frauen gut, wenn sie sehen, wie ihre Bilder Menschen anrühren«, gibt sich Schierhorn überzeugt. »Die Gespräche über die Arbeiten können bei der Verarbeitung des Traumas hilfreich sein.« Nicht nur für die Künstlerinnen, sondern auch für Freunde, Verwandte, Bekannte, die in ihrem Umfeld von Eltern wissen, die ein Kind verloren haben, ob durch Krankheit, Unfall oder eine Fehlgeburt.

Die Tochter Sonja Schüsslers kam am 2. Juni 2013, zwei Tage vor dem errechneten Geburtstermin, tot zur Welt. »Im Vertrauen darauf, dass du jetzt geschützt und geborgen bist«, schreibt die Mutter im Begleitbuch. Im Gästebuch zur Ausstellung ist zu lesen: »Unser Glück, mit unseren drei Kindern weiterhin auf dem Weg zu sein, hier wird es uns erneut bewusst.«

Von Corinna Willführ

Wer sich über das Thema austauschen möchte, hat dazu am 27. April um 16 Uhr im Annenchor der Marienkirche in einer Gesprächsrunde Gelegenheit. Die Ausstellung ist bis zum 28. April zu sehen.

Diese Seite:Download PDFDrucken

Ihre Ansprechpartnerin

Renate Haller (rh)
Chefin vom Dienst

Tel.: 069 / 92107-444
E-Mail

to top