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Junge Obdachlose

Gerade volljährig und obdachlos

Christa KaddarAnsprechpartner für junge Obdachlose (von links): Agim Kaptelli (Diakonie), Simone Wittek-Steinau (EVIM) und Tanja Scherer (Mission Leben).

WIESBADEN. In Deutschland sind rund 37 000 junge Menschen unter 26 Jahren obdachlos. 20 Prozent sind minderjährig.

Junge Wohnungslose zwischen Jugendhilfe und Wohnungslosenhilfe« war das Motto, unter dem die Teilnehmenden Antworten auf die Fragen suchten, ob die bestehenden Hilfen darauf vorbereitet oder ob neue Formen der Angebote erforderlich sind. Veranstalter im Roncalli-Haus waren die Jugendhilfe des Evangelischen Verein für Innere Mission Nassau (EVIM), die Diakonie Wiesbaden und die Mission Leben. Sarah Beierle vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) erläuterte zu Beginn die Erhebungen, die im März 2017 veröffentlich wurden. Die Befragung habe ergeben, dass die »Straßenkarrieren« meist beginnen, wenn die Jugendlichen 16 Jahre oder älter sind.

Ein Viertel von ihnen schläft tatsächlich auf der Straße; die übrigen finden bei Freunden Unterschlupf. »Die größte Gruppe der obdachlosen jungen Menschen ist die der 18-Jährigen«, heißt es in dem Report. Da mit Eintritt der Volljährigkeit die Unterstützung des Jugendamtes meist ende, wachse das Risiko, dass gefährdete Jugendliche aus den Hilfestrukturen herausfielen. Die Straßenepisoden der Jugendlichen verstetigten sich, je älter die Jugendlichen werden.

Die Jugendlichen bloß nicht aus den Augen verlieren

Diese Erfahrung macht auch Simone Wittek-Steinau von der EVIM-Jugendhilfe in Wiesbaden. »Es ist mir ein großes Anliegen, dass man die Menschen nicht verliert«, sagte sie. »Später berappeln sie sich wieder – das zeigt mir die Erfahrung, wenn ich manche nach einem Jahr wiedersehe.«

Das sehe in Mainz ähnlich aus. »Je länger ein Mensch auf der Straße bleibt, desto schwieriger wird er wieder in das System reinpassen«, ergänzte Tanja Scherer. »Dabei haben die jungen Menschen ganz klassische Wünsche im Hinblick auf Beruf, Familie und ein Zuhause.« Schmerzliche Erfahrungen verhindern jedoch meist eine gelingende Rückkehr in die Herkunftsfamilie.

Bestehende Angebote an junges Klientel anpassen

Agim Kaptelli berichtete vom Übergangswohnheim des Diakonischen Werks in Wiesbaden-Erbenheim, wo über 20 Wohnungslose Aufnahme finden. »Der klassische Wohnungslose ist über 50, aber da auch zunehmend jüngere Wohnungslose kommen, haben wir eine Wohngruppe für fünf und eine weitere Mini-WG für zwei jüngere Menschen zwischen 18 und 27 Jahren eingerichtet, weil sie spezielle Bedarfe haben hinsichtlich Arbeit, Wohnung und Familie.« Verschärft würden die Probleme auch durch die Wohnungsnot in Wiesbaden.

In der Region Wiesbaden-Mainz habe man bereits »ein gutes Netzwerk zum Andocken«, war man sich bei dem Gespräch einig. Mit »Upstairs« bietet EVIM ebenfalls eine niedrigschwellige mit Spenden finanzierte Anlaufstelle und hilft mit Beratung, Essen, Unterkunft und bei der Integration ins bestehende Hilfesystem der Behörden und Gesundheitssystem.

Von Christa Kaddar

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