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Alt-68er mit Zukunftsvision

Gruppenpfarramt feiert 50. Geburtstag

eöa/Ralf MüllerDie Pfarrerinnen und Pfarrer im Gruppenpfarramt (von links): Peter Weigle, Jürgen Pithan, Dorothée Tullius-Tomášek, Dorothea Witznick und Christian Tröger.

FELDATAL/SCHWALMTAL/ROMROD/LAUTERTAL. Ende der 1960er Jahre war die Idee eines Gruppenpfarramts revolutionär – und auch heute noch wirkt sie modern.

Der Legende nach wollten die Pfarrer der damaligen Kirchengemeinden Stumpertenrod, Köddingen und Storndorf ihren Schäfchen ein gutes Beispiel für Zusammenarbeit geben und gleichzeitig etwas gegen die Vereinsamung der Geistlichen auf dem Land tun. Die Stimmung für etwas Neues war damals, Ende der revolutionären 1960er-Jahre, gut. Einige Gemeinden machten damals mit, viele sind in der Zwischenzeit wieder abgesprungen, sodass es heute – in Zeiten, in denen Kooperationsräume als ein Mittel der Erneuerung gesehen werden – modern ist wie nie. 20 Dörfer, 17 Kirchen, 13 Kirchengemeinden in fünf Kommunen sind heute das Gruppenpfarramt.

Dabei sehen sich die Pfarrerinnen und Pfarrer, deren Gemeinden heute zum Gruppenpfarramt gehören – Dorothée Tullius-Tomášek (Ober-Breidenbach), Dorothea Witznick (Stumpertenrod), Christian Tröger (Meiches), Jürgen Pithan und Peter Weigle (Brauerschwend) – gerade nicht als Vorreiter für das Modell der gabenbezogenen Amtsausübung: Das Schöne sei, sagen sie dass von Seelsorge über Gottesdienste und die Kasualien bis hin zu Arbeit mit Kindern und Jugendlichen alles machten, was in der Gemeinde anfalle.

Vorteile und Nachteile

Für die Gemeinden habe diese Kooperation viele Vorteile, finden die Pfarrerinnen und Pfarrer: Der Kanzeltausch biete den Gottesdienstbesuchern verschiedene Sichtweisen und Ansätze. Man lernt Region und Leute kennen, was besonders für neue Pfarrerinnen und Pfarrer ein Argument ist. Gleichzeitig lernen die Gemeindemitglieder auch alle Geistlichen kennen und werden im Fall von Vertretungen nicht von wechselnden oder fremden Pfarrern versorgt. Darüber hinaus können mehrere Gemeinden zusammen auch andere Angebote machen als einzelne kleine: In diesem Jahr erwies sich das als besonders hilfreich, als ganz knapp vor der Konfirmation in Groß-Felda die Pfarrerin ausfiel und ihre Vertretung Dorothée Tullius-Tomášek alle Konfirmanden schon vorher persönlich kannte.

»Alles richtig«, wirft Tröger ein, dennoch fänden manche Gemeindeglieder es auch nicht so gut, wenn ihr Pfarrer sich so oft in anderen Kirchengemeinden tummelt. Ein Spannungsfeld zwischen Zustimmung und Kritik nehmen alle durchaus wahr. Umso wichtiger ist es für sie, dass die klassischen Aufgaben des Gemeindepfarrers erhalten bleiben. »Eigentlich sind wir mit dieser Haltung sehr konservativ«, findet Tröger, und alle sind sich einig, dass ihr Modell die Verfasstheit durch die Kirchenverwaltung nicht braucht. »Wie so ein Alt-68er – damals hipp, jetzt ein wenig ruhiger geworden, aber immer noch zeitgemäß und cool drauf« – eine Beschreibung von Pfarrer Tröger, die passt.

Kürzungen sorgen auch hier für Herausforderungen

Derzeit arbeiten die Kirchengemeinden an einer Zusammenlegung ihrer Gemeindebüros. So sollen die Vorteile des Gruppenpfarramtes sich auch auf die Verwaltung übertragen. Eine weitere Aufgabe für die Zukunft ist ein neuer, wirksamer Internetauftritt. »Und natürlich schaffen die Kürzungen aufgrund der Pfarrstellenneubemessung auch hier Herausforderungen«, räumt Tröger ein. Sowohl in Stumpertenrod als auch in Meiches fallen über kurz oder lang jeweils eine halbe Stelle weg. Die Anzahl der Kirchen wird bleiben. Für solche Fälle ist das Gruppenpfarramt natürlich bestens aufgestellt, obwohl man auch hier sicher ist, dass es nicht eins zu eins weitergehen kann.

Von Traudi Schlitt

Am Pfingstmontag, 10. Juni, feiern die Gemeinden des Gruppenpfarramts auf dem Totenköppel einen Festgottesdienst. Die Predigt hält jemand, der selbst einmal als Pfarrvikar im Gruppenpfarramt angefangen hat: Kirchenpräsident Volker Jung.

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