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Renaissance im Vogelsberg

Heidbergkapelle in Sickendorf fertig renoviert

esz/Andrea ReidtMit 60 Plätzen hat die Heidbergkapelle in Sickendorf schon fast die Dimensionen einer Dorfkirche.

LAUTERBACH. Die Heidbergkapelle im Lauterbacher Stadtteil Sickendorf gilt als architektonisches Kleinod im Vogelsberg. Der Sakralbau ist verknüpft mit der tragischen Geschichte seiner Erbauerin.

Sechs Söhne hatte die Baronin Gertrud Riedesel Freifrau zu Eisenbach. Um alle sechs musste sie trauern. Drei starben schon im frühen Kindesalter. Sohn Hans-Konrad kam im Jahr 1931 bei einem Verkehrsunfall ums Leben, Sohn Joachim sechs Jahre später bei einem Flugzeugabsturz – in genau jenem Flugzeug, in dem auch fast die gesamte Familie der hessischen Großherzöge starb, die auf dem Weg nach London zu einer Hochzeit war. Der jüngste Sohn Sohn Wolfgang schließlich kam im Zweiten Weltkrieg nicht aus Russland zurück, er wird seit 1945 vermisst.

Die Heidbergkapelle im Lauterbacher Stadtteil Sickendorf ließ die Freifrau zum Gedächtnis errichten – allerdings nicht das ihrer an ihre Söhne, sondern zu dem ihres ersten Mannes, Albrecht Riedesel Freiherr zu Eisenbach. Der war 1916 gestorben und hatte eine junge Witwe mit drei noch lebenden Kindern zurückgelassen. »Der Baron war auch deutlich älter als die Baronin gewesen«, erklärt Klaus Rockel vom Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Allmenrod-Sickendorf. Im selben Jahr begann Gertrud Riedesel Freifrau von Eisenbach mit dem Bau der Heidbergkapelle.

Blei verlöten, Dach neu decken

Im Lauf der Zeit war vieles an der Kapelle in die Jahre gekommen. Die Kirchengemeinde Allmenrod-Sickendorf, die den Sakralbau vor drei Jahren für einen symbolischen Euro übernommen hatte, musste ihn aufwendig restaurieren und feiert nun den Erfolg ihrer Mühen.

Unter der Leitung des Fuldaer Architekturbüros »Möller + Vey« deckten die Arbeiter das Dach nebst Dachreiter neu ein, verkleideten die Chorapsis mit Holzschindeln, sanierten die Putzfassade und strichen sie neu. Eine Natursteintreppe im Außenbereich mussten die Arbeiter abbauen, die Steine renovieren und neu setzen. Im Innenraum füllten sie Hohlräume, die sich hinter dem Putz gebildet hatten, und festigten lose Farbschichten an der Wand. Die Farbglasfenster benötigten ebenfalls eine Frischzellenkur, weil Bleiverbindungen in ihnen mancherorts abgebrochen und Glas gesprungen war. Fensterbauer löteten das Blei und verklebten die Sprünge.

Eigenanteil von 90.000 Euro

All das hat eine Menge gekostet, 404.000 Euro waren es am Ende. Den Löwenanteil davon finanziert – wie in solchen Fällen üblich – die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Aber der Gemeinde blieb ein Eigenanteil von rund 90.000 Euro. Kein Pappenstiel für so eine kleine Gemeinde, zählt Sickendorf doch gerade mal um die 160 Einwohner. Gemeinsam mit Wallenrod und Reuters bildet die Gemeinde Sickendorf-Allmenrod das Kirchspiel Wallenrod mit einer halben Pfarrstelle.

»Wir haben zum Beispiel alle Menschen angeschrieben, die in der Kapelle getauft worden sind«, berichtet Rockel. »Mit denen haben wir dann einen Tauferinnerungsgottesdienst gefeiert.« Kurz vor ihrem Tod 1966 nämlich hatte die Baronin die Kapelle für Taufen und Hochzeiten geöffnet. Die Gemeinde hatte Spendenboxen aufgestellt oder zu einem Mitsing-Konzert eingeladen. Viel Geld brachte ein Golfturnier ein.

Von besonderer Bedeutung

Mit Ideen wie diesen kam so der Betrag von fast 42.000 Euro an Spenden zusammen. Außerdem gab es noch Zuschüsse, die allerdings direkt an die EKHN gehen. Vom Landesamt für Denkmalschutz kamen 50.000 Euro, und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gab weitere 30.000 Euro. Denn die Heidbergkapelle ist laut dem Landesdenkmalamt von besonderer geschichtlicher und künstlerischer Bedeutung. Die Ausstattung im Inneren hat sich bis heute erhalten. Wände erinnern an die italienische Renaissance, während das hölzerne Gestühl und die Leuchter eher romanisch daherkommen.

Von Nils Sandrisser

Die Kirchengemeinde feiert den 100. Gebursttag und die Sanierung der Heidbergkapelle am 16. Juni ab 11 Uhr mit einem Festgottesdienst und Architekturführungen.

Spenden sind weiterhin willkommen auf das Konto mit der IBAN DE15 5185 0079 1028 0604. Ab einem Betrag von 20 Euro gibt es eine Spendenquittung.

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