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Bündnis gegen den NPD-Parteitag

Internationale Nationalisten

privatBüdinger Bürger reinigen ihre Straßen nach einer Neonazi-Kundgebung im vorvergangenen Jahr symbolisch vom Schmutz.

BÜDINGEN. Die rechtsextreme NPD will radikale Prominenz aus ganz Europa zu ihrem Bündesparteitag nach Büdingen holen. Ein Bündnis, dem die Kirchengemeinde Büdingen angehört, hält dagegen, will aber zugleich den Rechtsextremen nicht unnötig zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen.

Wenn die rechtsextreme NPD am kommenden Samstag, 17. November, in Büdingen ihren Bundesparteitag abhält, ist die Kirchengemeinde Büdingen mit dabei beim Protest gegen das Neonazi-Treffen. Die Gemeinde beteiligt sich am »Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt«, das gegen den Parteitag mobilmachen will – allerdings ausdrücklich nicht mit einer Gegenveranstaltung.

»Der derzeitige Stand der Planung ist ein zeitgleiches Konzert gegenüber der Willi-Zinnkann-Halle, wo die NPD sich trifft«, sagt Andreas Weik, einer beiden Pfarrer der Büdinger Kirchengemeinde. Um 14 Uhr soll es beginnen, Gruppen aus der Region treten unentgeltlich auf. Auf eine polarisierende Auseinandersetzung, also auf eine Gegendemonstration, will das Bündnis Weiks Worten zufolge verzichten. »Wir wollen linksradikale Gruppen fernhalten«, erläutert er. »Das würde die Gegenseite nur stärker machen.«

Gemeinde will keinen Belagerungszustand

Es gehe auch darum, einen »Belagerungszustand« der Stadt zu verhindern, sagt Weik. Den gab es nämlich schon einmal. Am 30. Januar 2016 – dem Jahrestag der Machtübernahme der Nazis – waren rund 150 Rechtsextreme aus mehreren Parteien durch die Stadt am Ostrand der Wetterau marschiert. Mehr als 1000 Menschen hatten sich ihnen damals in den Weg gestellt. Es gab Auseinandersetzungen der Polizei mit gewaltbereiten Linken, Ladenbesitzer hatten ihre Geschäfte verbarrikadiert. »So etwas wollen wir nicht mehr«, sagt Weik.

Eine Musikalische Lesung am Abend des 17. Novembers in der Büdinger Remigiuskirche verdeutlicht, wozu ungebremster Nationalismus führen kann. »1914–1918 – Menschen in einem Krieg« lautet ihr Titel. Ab 18.30 Uhr beschäftigt sich Pfarrer Thorsten Backwinkel-Pohl mit der Frage, wie sich Menschen in einem Krieg verändern. Der Eintritt zur Lesung ist frei, ebenso wie zum Konzert am Nachmittag an der Willi-Zinnkann-Halle.

Positionspapier gegen rechte Tendenzen

Ausgerechnet die Nationalisten der NPD haben sich internationaler Unterstützung für ihren Bundesparteitag versichert, wie die Partei auf ihrer Internetseite bekanntgibt. Unter anderen hat sich Jean-Marie Le Pen angekündigt, der Gründer der französischen ultrarechten Partei »Front National«, die mittlerweile unter der Führung seiner Nichte Marine Le Pen unter »Rassemblement National« firmiert. Rechte Politiker aus der Slowakei und Kroatien wollen ebenfalls kommen.

Der Synodalvorstand des Dekanats Büdinger Land (DSV) hat unterdessen ein Positionspapier gegen rechtsradikale Tendenzen in der Gesellschaft veröffentlicht. Nächstenliebe verlangt Klarheit: für eine menschenfreundliche Gesellschaft ohne Ausgrenzung« heißt dessen Titel. »Der DSV vertritt die Überzeugung, dass jeder Mensch der Nächste ist – unabhängig von Geschlecht, Alter, Religionszugehörigkeit, sozialer Teilhabe und Nationalität«, heißt es darin. Gleichwohl müsse man mit Menschen im Gespräch bleiben, die andere Positionen verträten und dürfe sie nicht als Menschen ablehnen. Grenzüberschreitungen wolle man »ruhig und sachlich« entgegentreten.

Von Nils Sandrisser

Der Wortlaut des Positionspapier des DSV ist abrufbar unter www.dekanat-buedinger-land.de.

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