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#Kirche2060

Junge Akademie

Carina DobraDer Jahrgang 2019 beim ersten Kennenlernen in Arndolshain im Taunus.

FRANKFURT. Populisten, Trump, AfD. Es gibt einige Gründe, sich für die Demokratie einzusetzen. Nur wie? Das Stipendium »Junge Akademie« der Evangelischen Akademie Frankfurt kam für unsere Redakteurin Carina Dobra zum richtigen Zeitpunkt.

Carina DobraWenn aus Stipendiaten Freundinnen werden: Sheila Steckhan und ich, Carina Dobra, bei unserer Morgenandacht im Martin-Niemöller-Tagungshaus. Bis heute haben wir engen Kontakt.

Politisch interessiert bin ich schon. Politisch aktiv wäre übertrieben. Bei der »Jungen Akademie« – einem Stipendienprogramm der Evangelischen Akademie Frankfurt – habe ich mich trotzdem mal beworben. An meine Chance so richtig geglaubt habe ich nicht. Gut, einen Joker hatte ich: Ich habe Theologie studiert. Immerhin ist es ja die evangelische Akademie, dachte ich. Nach wenigen Tagen kam tatsächlich die Einladung zu einem Kennenlerngespräch mit Akademie-Leiter Thorsten Latzel und Hanna-Lena Neuser, Studienleiterin und Chefin des Projekts.

Fast ein Jahr intensives Diskutieren über Demokratie

Das Programm läuft über zehn Monate. Zum Auftakt erwartet uns ein Wochenende im Martin-Niemöller-Tagungshaus in Arnoldshain im Hintertaunus. Es folgen sogenannte Denkräume. Referenten aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft sind eingeladen.

Hinzu kommt ein Workshop-Tag sowie eine mehrtägige Sommerakademie. Gegen Ende dann noch der Demokratie-Slam, bei dem die Teilnehmer ihre Projekte der Öffentlichkeit präsentieren sowie das Abschluss-Symposium Ende November. 

Wir hatten viele spannende Gäste: Darunter waren der Sozialaktivist und #metwo-Initiator Ali Can, Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) und Nicole Deitelhoff, Leiterin des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. 

Suche nach Sponsoren für Umwelt-Projekt mit der Bahn

2017 ging die Junge Akademie erstmals an den Start. Das Ziel: in Kleingruppen ein Projekt umsetzen, das Menschen für Demokratie begeistern soll. Einige der Akademie-Projekte laufen bis heute.
Das wünschen wir uns auch für »Green Speech«. So heißt das Projekt, das mein Team und ich ins Leben gerufen haben. Die Idee: Bahnreisende mit sarkastischen Durchsagen auf klimapolitische Themen aufmerksam machen. Wir sind auf der Suche nach Sponsoren.

Von Kirche, Glaube und Gott eher wenig zu spüren

Wo steckt Kirche, das Evangelische bei der Jungen Akademie? Das haben meine Mitstipendiatin und inzwischen gute Freundin Sheila Steckhan und ich uns einige Male gefragt. Sheila hat auch Theologie studiert. Das einzig offensichtlich spirituelle waren die kurzen Morgen-Andachten während unserer Tagungen in Arnoldshain. Und die waren natürlich freiwillig. 

Vielleicht lässt sich aber der generelle Umgang miteinander als christlich bezeichnen. Diskussionen waren auf Augenhöhe, der Umgang untereinander respektvoll. Gekracht hat es auch mal. Schließlich war »Streit!« das Oberthema unseres Jahrgangs. 

Nicht mit allen Mitstreitenden hat es gefunkt

Einmal kam ich allerdings an meine Grenzen. In einer Diskussion warf mir eine Mitstipendiatin Oberflächlichkeit und stereotypes Denken vor – in einem wie ich finde unpassendem Ton und vor versammelter Mannschaft. Bis heute kann ich ihren Standpunkt nicht nachvollziehen. Obwohl ich sie anschließend um ein Vier-Augen-Gespräch bat, kamen wir nie auf einen gemeinsamen Nenner. Das war frustrierend. 

Logisch, dass es nicht mit jedem gefunkt hat: Es treffen wildfremde, teils sehr unterschiedliche Menschen aufeinander und verbringen ganze Wochenenden miteinander. 

Bewerbungsverfahren öffnen für Nicht-Elite

»Sie sind Elite«, hat Akademie-Direktor Latzel immer wieder betont. So richtig angesprochen gefühlt habe ich mich nie. Klar, ich habe mein Abitur gemacht und studiert, arbeite jetzt als Redakteurin. Aber ich komme aus einem ganz normalen bürgerlichen Elternhaus. 

Das Gefühl, mich in einer Blase zu bewegen, ließ mich bis zum Schluss nicht los. Ich hätte mir auch Gesprächspartner gewünscht, die aus einer völlig anderen Welt kommen. Klingt klischeehaft: Aber vielleicht einen Hauptschüler aus Offenbach, der weiß, was es heißt, im Unterricht benachteiligt zu werden. Etwas mehr Vielfalt, das hätte gut getan. Wer dafür sorgen will, kann sich übrigens voraussichtlich ab November für den nächsten Jahrgang bewerben. 

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Renate Haller (rh)
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Tel.: 069 / 92107-444
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