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Die drei Könige

Keine Angst vor Streit

Fotos: Phil SchmidtDie drei Könige diskutieren, und ihre Kamele wissen auch nicht wohin. Jedes schaut in eine andere Richtung. Glasfenster von Charles ‧Crodel in der Dreikönigskirche Frankfurt.

Foto: esz-privat/Jonathan KleinAndreas Klein ist Studienleiter für Gemeindeberatung beim IPOS und Pfarrer der Dreikönigsgemeinde in Frankfurt.

Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her.« (Matthäus 2,9)

Es war wie ein Wunder, dass die 1881 errichtete Dreikönigskirche in Frankfurt bei den schweren Luftangriffen der Alliierten am 18. und 22. März 1944 so wenig Schaden genommen hatte. Aber dann kamen die letzten Kriegstage. Amerikanische Truppen rückten vor. Um ihren Vormarsch auf die andere Mainseite zu erschweren, haben die Deutschen selbst am 26. März 1945 die Alte Brücke gesprengt. Bei dieser Detonation zersprangen die Glasfenster der nahe gelegenen Sachsenhäuser Kirche.

Der in Marseille geborene Künstler Charles Crodel (1849–1973) gestaltete dann im Jahr 1956 neue Fenster für die Dreikönigskirche. Dabei entstand eine besondere Reihe mit 20 Bildern über die Reise der Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem.

Eines davon zeigt die gelehrten Sterndeuter, wie sie diskutieren, in welche Richtung es denn weitergeht. Das ist merkwürdig, denn der Stern zeigt ihnen doch den Weg. Was sie trotzdem so irritiert: Sie sind angelogen worden. König Herodes, Statthalter von Juda, interessiert sich gewaltig für das neugeborene Kind, zu dem der Stern die drei Männer leitet. Er wolle das Kind anbeten, sagt er ihnen.

In Wahrheit will er es töten. Er hat Angst um seine Macht. Die ist ohnehin knapp. Die Römer haben das Sagen und Herodes muss sich nach ihnen richten. Da kann er die Konkurrenz von einem angeblich neu- geborenen König nicht auch noch gebrauchen.

Seine finsteren Absichten kann Herodes gerade so verbergen. Er macht die Männer zu Botschaftern seiner Sache. Ohne es zu ahnen, ziehen sie auf sein Geheiß, unter seinem Geleit. Sie merken nicht, dass sie manipuliert und instrumentalisiert werden.

Crodel hat seine Bilder auf den grau schimmernden Hintergrund der Gläser gemalt und mit vielen Kreuzen versehen. Er versetzt den Betrachter in die Situation nur elf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach so viel Schuld, Tod und Schrecken – was ist jetzt die richtige Orientierung? Viele der jungen Menschen, die in den Jahren der NS-Herrschaft geprägt wurden, waren angelogen worden, seit sie Kinder in der Hitler-Jugend waren. Einen wirklichen Neuanfang wird es nur geben, wenn offen gestritten wird, was uns verführt hat und wohin der Weg uns fortan leiten soll.

Die Geschichte von den drei Königen ermutigt, am Anfang des neuen Jahres keine Angst vor dem nötigen Diskurs, ja Streit zu haben. In vielen Themen unserer Gesellschaft und unserer Kirche liegt der Weg nicht klar und eindeutig vor uns, sondern muss erstritten werden. Die erstbeste Antwort wird es kaum sein, und die lauteste Stimme kann ihr Interesse kaum verbergen. Machtfülle und Lichterglanz haben einfach irritierende Wirkung.

Bei den drei Königen stellt sich die Klarheit erst ein, als sie beim Kind sind. Danach können sie auf den Traum hören, der sie nicht mehr zu Herodes führt. Weihnachten hat sie verändert und geprägt. Gott kommt ins Kleine, wird ein Kind. Diese Einsicht ist der Stern, der uns leitet.

Andreas Klein

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